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Die Chefdirigentin, das unbekannte Wesen

5 Min
Chefdirigentinnen müssen, ganz wie ihre männlichen Kollegen, konsequent aufgebaut werden. Das fehlt derzeit noch im Klassik-Geschäft.
© Illustration WZ, Bildquelle: Adobe Stock

Die Deutsche Joana Mallwitz und die Ukrainerin Oksana Lyniv gehören zu den wenigen Ausnahmen: Die meisten wesentlichen Führungspositionen der Klassikwelt sind in männlicher Hand.


Was soll das Gerede, es gäbe keine Chefdirigentinnen? Und wie es sie gibt! Erst jüngst hat eine ihren Posten angetreten: Joana Mallwitz, Deutsche, gerade einmal 37 Jahre alt, hat in der Saison 2023/24 das Konzerthausorchester Berlin übernommen. Und die US-Amerikanerin Marin Alsop ist seit September 2019 Chefdirigentin des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien.

Na bitte, es geht ja.

Aber geht es wirklich? Zugegeben: Die Liste der Frauen, die weltweit Chefdirigent:innen-Positionen bekleiden, ist relativ lang. Sie hat nur einen Haken, und der ist gravierend: Die international bedeutenden Orchester setzen nach wie vor auf Männer.

Das britische Musikmagazin Gramophone hat eine Liste der 20 weltbesten Orchester erstellt, und sie zeichnet, was Chefdirigentinnen betrifft, ein eindeutiges Bild.

Männer überall

Die Wiener Philharmoniker sind heraußen, sie haben traditionell keine Chefdirigent:innen, egal welchen Geschlechts. Das Concertgebouw-Orchester Amsterdam agiert derzeit ohne Chef:in. Die Berliner Philharmoniker leitet Kirill Petrenko, beim London Symphony Orchestra hat Antonio Pappano soeben Simon Rattle abgelöst, der zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks wechselt; das Chicago Symphony Orchestra hat Riccardo Muti zum Musikdirektor auf Lebenszeit ernannt, Franz Welser-Möst ist Chef des Cleveland Orchestra und Gustavo Dudamel sein Amtskollege beim Los Angeles Philharmonic. Das Budapest Festival Orchestra ist bei seinem Gründer Iván Fischer ebenso in Männerhänden wie die Sächsische Staatskapelle Dresden, die sich im kommenden Jahr aus denen Christian Thielemanns in die Daniele Gattis begibt.

Ein Foto von Dirigentin Joana Mallwitz im Konzerthaus Berlin.
Joana Mallwitz ist eine der wenigen Dirigentinnen mit ungebrochenem Karriereverlauf.
© Fotocredit: Hannes P Albert / dpa / picturedesk.com

Das lässt sich fortsetzen und am Ende steht fest: Kein einziges der genannten 20 Top-Orchester wird von einer Frau geleitet. Das Bild der europäischen zehn Spitzenklangkörper ist deckungsgleich: Keines hat eine Chefdirigentin. Selbst, wenn man auf (relative) Newcomer setzt, wie es etwa das Londoner Philharmonia Orchestra macht, kommt ein Mann zum Zug, im konkreten Fall der 38-jährige Finne Santtu-Matias Rouvali.

Erste Positionen bei zweiten Orchestern

Findig mögen Leser:innen nun argumentieren, das sei schließlich nur eine Orchester-Liste, die, wie alle Listen, ziemlich subjektiv aufgestellt ist. Doch wenn man allenfalls darüber streiten mag, ob das Concertgebouw-Orchester den ersten Platz verdient, oder ob dort nicht doch die Wiener Philharmoniker stehen müssten, wird man letzten Endes nicht darum herumkommen, dass diese 20 internationalen und zehn europäischen Orchester tatsächlich die führenden des Musikbetriebs sind.

Oksana Lyniv ist in Konzert und Oper etabliert. Als erste Frau hat sie bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth dirigiert.
Oksana Lyniv ist in Konzert und Oper etabliert. Als erste Frau hat sie bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth dirigiert.
© Fotocredit: Ondrej Deml / CTK / picturedesk.com

Bleibt die Feststellung, dass Frauen derzeit über erste Positionen bei den zweiten Orchestern nicht hinauskommen. Ob sich, abgesehen von Joana Mallwitz, die Karrieren der Ukrainerin Oksana Lyniv, der Südkoreanerin Han-Na Chang, der Litauerin Mirga Gražinytė-Tyla und der Finnin Susanna Mälkki konstant genug entwickeln, dass sie zur Chefdirigentinnen-Position eines der Top-Orchester führen, wird die Zukunft weisen. Im Moment herrscht bei Orchestern, und keineswegs nur bei denen im Spitzenfeld, das große Zaudern und Zögern.

Ein Risiko?

Offiziell sagt niemand mehr dazu, als dass man den Chefdirigenten ohnedies nicht nach dem Geschlecht auswählt, sondern nach Können, internationalem Renommee und Führungsqualität. Inoffiziell ist die Rede von skeptischen Musikern und, ja: auch skeptischen Musikerinnen. Das ist die Kehrseite des Quotendenkens: Es soll keine Frau Chefdirigentin werden, nur, weil sie eine Frau ist. Da das gegenwärtig allerdings quasi automatisch nahezu allen Chefdirigentinnen immer noch anhaften würde, lässt man es lieber von vornherein; das Geschäft sei zu sensibel, um Experimente zu wagen, die man nicht einmal zurücknehmen könnte, ohne in den Geruch der Frauenfeindlichkeit zu geraten.

Dass es Frauen schwer haben, in Führungspositionen zu gelangen, gilt nicht nur für die klassische Musik. Ja, wenn eine Chefdirigentin irgendwann einmal auf der Hand liegen sollte, wenn es einen Herbert von Karajan oder Leonard Bernstein in weiblich geben sollte, und zwar nicht nur als Klischee im Film „Tár“, sondern in Fleisch und Blut, dann gewiss. Aber vorerst gibt es keine Dirigentin mit einem Renommee, das für die Spitzen-Orchester der Welt groß genug ist. Am ehesten funktionieren die Karrieren, wenn frau ein eigenes Ensemble gründet, was im Alte-Musik-Bereich am besten klappt; da machen es Männer schließlich ebenso, und die Österreicherinnen Christine Pluhar und Michi Gaigg sind in diesem Segment höchst erfolgreich unterwegs.

Fazit: Es ist ein systemisches Versagen, dass die Top-Orchester trotz vorhandener Top-Dirigentinnen auf weibliche Pult-Chefs verzichten. Das kommt, weil die Führungspositionen der Klassik-Branche auch im außereuropäischen Raum in den meisten Bereichen von europäischen Traditionen geprägt und damit zumeist männlich sind. Lang genug hat es gedauert, dass bei Solisti:innen und Orchestermusiker:innen eine Geschlechterbalance hergestellt wurde.

Dirigentin Marin Alsop mit dem Sao Paolo Symphonieorchester, dem Diözesan-Knabenschulorchester und dem Diözesan-Mädchenschulorchester in Hong Kong.
Marin Alsop ist Chefdirigentin des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien. Der Mentor der US-Amerikanerin war Leonard Bernstein.
© Fotocredit: ANTHONY WALLACE / AFP / picturedesk.com

Längst sind selbst männlich konnotierte Instrumente wie Trompeten, Posaunen, Basstuben, Kontrabässe, Pauken und Schlagzeuge in Frauenhänden keine Seltenheit mehr. Das aufzubrechen und eine Geschlechtergerechtigkeit herzustellen, war freilich ein weiter Weg. Aber er kann beispielhaft sein: Nachdem die bis dahin männlich dominierten Orchester den prinzipiellen Widerstand aufgegeben hatten, führte dieser Weg über das hervorragende Können der Musikerinnen, das die Orchestervorstände nicht in Quoten-Not brachte, sondern fachlich überzeugte.

Chefdirigentinnen müssen aufgebaut werden

Im Fall der Dirigentinnen ist es ebenso: Chefdirigentinnen fallen nicht vom Himmel. Sie müssen ihr fachliches Können ebenso unter Beweis stellen können wie ihre männlichen Kollegen – und zwar mit gleichen Chancen. Das bedeutet, dass es höchste Zeit wäre, immer wieder Dirigentinnen zu engagieren, bei den Orchestermusiker:innen damit Überzeugungsarbeit zu leisten und gleichzeitig den Dirigentinnen die Chance zu geben, sich in Stellung zu bringen, sobald sich das Postenkarussell zu drehen beginnt. Das ist in der Regel ungefähr alle drei bis sechs Jahre der Fall. Nicht vergessen: Auch Männer werden in einem kontinuierlichen Prozess zum Pultstar aufgebaut. Es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, warum das nicht mit Frauen ebenso möglich sein sollte.

Zum Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker mag es vorerst noch nicht reichen, das wird wohl auf längere Sicht in der Hand der alternden weißen Stars bleiben. Aber die wirklich bedeutenden Konzerte und Opernaufführungen könnten innerhalb relativ kurzer Zeit vom Geschlechterdenken befreit werden.


Infos und Quellen

Genese

Gibt es Dirigentinnen? – Ja, langsam entwickelt sich die Szene. Aber wieso gibt es kaum Chefdirigentinnen? Das ist eine Frage, die in der Klassikbranche immer wieder auftaucht. Letzten Endes klären kann man sie vorerst nicht. Edwin Baumgartner versucht eine Bestandsaufnahme und eine Analyse.

Daten und Fakten

  • Die Frau am Pult eines Orchesters ist kein neues Phänomen. Bereits im 17. Jahrhundert stand die Italienerin Vittoria Raffaella Aleotti (1575-1646) dem Orchester des Klosters San Vito vor. Von der Komponistin Francesca Caccini (1587–1640) ist überliefert, dass sie Aufführungen ihrer eigenen Werke leitete. Allerdings verfestigt sich die Rolle des Dirigenten, wie sie heute verstanden wird, nämlich als mehr oder minder alleiniger Koordinator und Impulsgeber der Aufführung eines Musikwerks, erst im 19. Jahrhundert. Als eine der Pionierinnen seither kann die in der damals zu Österreich gehörenden Slowakei geborene Josephine Weinlich (1848-1887) gelten, die in Wien an der Wende zu den 1870er-Jahren ein Frauenorchester gründete, das unter Namen wie „Weinlich’sches Damenorchester“, „Wiener Damencapelle“, „Wiener Damenorchester“ oder „Erstes Europäisches Damenorchester“ Europatourneen unternahm. Eine weitere Pionierin war die Französin Nadia Boulanger (1887–1979), bekannt vor allem als Kompositionslehrerin, die renommierte Orchester wie das Boston Symphony Orchestra und das New York Philharmonic dirigierte. Als weitere namhafte Pionierin kann die US-Amerikanerin Antonia Brico (1902–1989) gelten, die 1930 als erste Frau ein reguläres Konzert der Berliner Philharmoniker leitete und Gastauftritte beim Los Angeles Philharmonic Orchestra, dem San Francisco Symphony Orchestra und dem London Philharmonic Orchestra hatte und 1934 die New York Women’s Symphony als reines Frauenorchester gründete. Die US-Amerikanerin Sarah Caldwell (1924–2006) gründete die Opera Company of Boston, die sie als Chefdirigentin leitete und mit der sie ein breitgefächertes Repertoire samt Uraufführungen bestritt. Sie war obendrein Gastdirigentin u. a. des New York Philharmonic Orchestra, des Boston Symphony Orchestra und der Metropolitan Opera. Die Tschechin Vítězslava Kaprálová (1915–1940) trat in ihrer kurzen Lebensspanne sowohl als Dirigentin wie als Komponistin hervor. Trotz ihrer Erfolge gelang es keiner von ihnen, als Dirigentin im Mainstream der Klassikbranche Fuß zu fassen. Derzeit treten als Dirigentinnen hervor:

  • Joana Mallwitz, 1986 in Hildesheim geboren, ist seit 2023 Chefdirigentin und künstlerische Leiterin des Konzerthausorchesters Berlin. 2019 wurde sie von der Fachzeitschrift Opernwelt zur „Dirigentin des Jahres“ gewählt. Ihre Ausbildung erhielt sie an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, wo sie bei Martin Brauß und Eiji Ōue Dirigieren studierte.

  • Marin Alsop, 1956 in New York geboren, studierte bei Seiji Ozawa und Leonard Bernstein, der ihr Mentor wurde. 2013 dirigierte sie als erste Frau die Londoner Last Night of the Proms. Von der Saison 2007/08 bis 2021 war sie Chefdirigentin des Baltimore Symphony Orchestra und damit die erste Frau an der Spitze eines überregional bedeutenden US-Orchesters. Seit 2019 ist sie Chefdirigentin des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien und seit 2020 Artist in Residence an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, an der sie Dirigieren unterrichtet.

  • Christine Pluhar, 1965 in Graz geboren, ist eine österreichische Lautenistin und Barockharfenistin, die ebenso als Arrangeurin und Dirigentin Alter Musik hervortritt. Sie lehrt am Königlichen Konservatorium Den Haag und gibt Meisterkurse an der Universität Graz.

  • Michi Gaigg, 1957 in Schörfling am Attersee geboren, ist eine österreichische Geigerin und Dirigentin sowie Musikpädagogin mit dem Schwerpunkt Barockmusik. Sie gründete das Festival „L’arpa festante“ in München sowie das L’Orfeo Barockorchester. Seit 2003 ist sie Intendantin der Donaufestwochen im ober- und niederösterreichischen Strudengau.

  • Marie Jacquot, 1990 in Paris geboren, startete ihre Karriere als Tennisprofi. Zusätzlich absolvierte sie eine Ausbildung als Posaunistin, ehe sie an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar Dirigieren studierte. 2019 wurde sie Kapellmeisterin an der Deutsche Oper am Rhein (Düsseldorf/Duisburg).

  • Eva Ollikainen, 1982 in Espoo (Finnland) geboren, wurde als Dirigentin von Jorma Panula und Leif Segerstam in Helsinki ausgebildet. In der Saison 2018/19 übernahm sie das Nordic Chamber Orchestra für drei Spielzeiten als Chefdirigentin. Nach mehreren Gastdirigaten beim Iceland Symphony Orchestra wurde sie ab der Spielzeit 2020/21 zu dessen Chefdirigentin bestellt.

  • JoAnn Falletta, 1954 in Brooklyn, New York, geboren, studierte Dirigieren an der New Yorker Julliard School u.a. bei Jorge Mester. Von 1991 bis 2000 war sie Chefdirigentin des Virginia Symphony Orchestra, 2000 wechselte sie in gleicher Position zum Buffalo Symphony Orchestra. Von 2011 bis 2014 war sie zusätzlich Chefdirigentin des Ulster Symphony Orchestra.

  • Simone Young, 1961 in Sydney geboren, ist ausgebildete Komponistin und Pianistin. Ihre Karriere als Dirigentin startete, als sie 1985 an der Oper von Sydney für einen erkrankten Kollegen einsprang. Bei dieser Gelegenheit stand sie zum ersten Mal als Dirigentin vor einem Orchester. Danach assistierte sie in Europa u.a. Daniel Barenboim. Von 1999 bis 2002 war sie Chefdirigentin des Bergen Philharmonic Orchestra in Norwegen, von 2001 bis 2003 Chefdirigentin und künstlerische Leiterin der Opera Australia in Sydney und Melbourne, 2005 bis 2015 Intendantin der Hamburgischen Staatsoper sowie Hamburgische Generalmusikdirektorin und unterrichtete an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. 2006 und 2015 leitete sie die Konzerte zum Nationalfeiertag in Wien. Seit 2022 ist sie Chefdirigentin des Sydney Symphony Orchestra.

  • Oksana Lyniv, 1978 in Brody (damals Ukrainische SSR, Sowjetunion) geboren, hat in Lwiw ihre Ausbildung zur Dirigentin und danach weitere Meisterkurse in Mitteleuropa absolviert. Von 2013 bis 2017 war sie Assistentin von Kirill Petrenko und Dirigentin an der Bayerischen Staatsoper in München. Von dort wechselte sie bis 2020 als Chefdirigentin an die Grazer Oper und zum Grazer Philharmonischen Orchester. 2017 gründete sie das internationale Kulturfestivals LvivMozArt in Lwiw. Seit 2022 ist sie Generalmusikdirektorin des italienischen Teatro Comunale di Bologna.

  • Gisele Ben-Dor, 1955 in Montevideo (Uruguay) geboren, wurde von Leonard Bernstein ausgebildet, dessen Assistentin sie wiederholt war. Als Gastdirigentin trat sie weltweit auf, u.a. mit dem New York Philharmonic Orchestra, dem London Symphony Orchestra, dem Los Angeles Philharmonic, dem Orchestre de la Suisse Romande, dem Israel Philharmonic Orchestra und dem Jerusalem Symphony Orchestra. Derzeit ist sie Chefdirigentin des Symphonieorchesters von Santa Barbara (Kalifornien). Sie gilt als Spezialistin für die Musik lateinamerikanischer Komponist:innen.

  • Sian Edwards, 1959 in West Sussex (Großbritannien) geboren, ist ausgebildete Hornistin und Dirigentin. Dirigieren studierte sie u.a. in London und in St. Petersburg. Ihr Operndebüt gab sie 1986, als sie bei einer Aufführung von Kurt Weills Oper „Mahagonny“ für Simon Rattle einsprang. Von 1993 bis 1995 war sie Musikdirektorin der English National Opera, London. Seit 2013 unterrichtet sie an der Royal Academy of Music als Leiterin des Fachbereichs Dirigieren und seit dem Wintersemester 2022/23 hat sie eine Professur an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Sie gilt als Spezialistin für zeitgenössische Musik.

  • Han-Na Chang, 1982 in Suwon (Südkorea) geboren, ist ursprünglich als Cellistin ausgebildet. Dirigieren studierte sie beim US-amerikanischen Dirigenten James DePreist. 2013 wurde sie zur Ersten Gastdirigentin des Trondheim Symphonieorchesters ernannt und ist seit 2017 dessen Chefdirigentin.

  • Mirga Gražinytė-Tyla, 1986 in Vilnius (Litauen) geboren, studierte zuerst Kunst, ehe sie sich u.a. an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz zur Dirigentin ausbilden ließ. Nach Stationen und Gastdirigaten an diversen mitteleuropäischen Opernhäusern war sie von der Spielzeit 2015/16 bis 2017 Musikdirektorin des Salzburger Landestheaters. 2016 wurde sie Chefdirigentin beim City of Birmingham Symphony Orchestra und blieb in dieser Position bis 2022. Seither ist sie erste Gastdirigentin dieses Orchesters und sonst freischaffend tätig.

  • Susanna Mälkki, 1969 in Helsinki (Finnland) geboren, war von 2016 bis zum Sommer 2023 Chefdirigentin der Helsinkier Philharmoniker. Sie ist ausgebildet als Cellistin und absolvierte zusätzlich ein Dirigierstudium in Finnland. Gefördert wurde sie u.a. vom französischen Dirigenten und Komponisten Pierre Boulez. Von 2002 bis 2005 war sie Chefdirigentin des norwegischen Stavanger Symphonieorchesters und von 2016 bis 2022 Erste Gastdirigentin beim Los Angeles Philharmonic. Sie gilt als Spezialistin für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. An der Wiener Staatsoper leitete sie Aufführungen von Gottfried von Einems „Dantons Tod“, bei den Salzburger Festspielen dirigierte sie Benjamin Brittens „War Requiem“.

  • „Tár“ ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Todd Field, der 2022 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig vorgestellt wurde und anschließend in die Kinos kam. Dabei handelt es sich um ein Drama, das in der Welt der klassischen Musik spielt und sich um die fiktionale Stardirigentin Lydia Tár (gespielt von Kate Blanchett) dreht.

Quellen

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