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Die Fallstricke der Geschichte

Daten und Fakten 

  • Die Südtirol-Frage erhitzte die Gemüter in Österreich und Italien in der Zeit von 1956 bis 1969. Nach dem Ersten Weltkrieg war das ursprünglich österreichische Südtirol im Vertrag von Saint-Germain (10. September 1919) Italien zugesprochen worden. Nach der Machtergreifung Benito Mussolinis (1922) begannen die Faschist:innen, Südtirol zu italianisieren und nützten dafür unter anderem eine Umsiedlungspolitik. Am Rand der Pariser Friedenskonferenz unterzeichneten der österreichische Außenminister Karl Gruber und sein italienischer Amtskollege Alcide De Gasperi das „Pariser Abkommen“, die Grundlage eines Autonomiestatuts für Südtirol. Verankert war der besondere Schutz der deutschsprachigen Minderheit, als deren Schutzmacht gemäß dem Abkommen bis heute Österreich fungiert. Allerdings wurden zahlreiche Bestimmungen des Abkommens von Italien ignoriert. Während die Südtiroler Volkspartei auf eine Verhandlungslösung setzte, versammelten sich Separatist:innen ab Mitte der 1950er-Jahre im „Befreiungsausschuss Südtirol“ (BAS). Sie wollten durch Bombenattentate eine Loslösung Südtirols von Italien erzwingen. Ursprünglich sollten die Attentate nur Sachschäden anrichten. Der Höhepunkt war die sogenannte „Feuernacht“ vom 11. zum 12. Juni 1961, in der 37 Hochspannungsmasten gesprengt wurden. In der Folge verhaftete die italienische Polizei die Führungsriege der BAS, was zu weiteren, jetzt auch Menschenleben fordernden Attentaten führte, die unter anderem von rechtsextremen österreichischen Gruppierungen unterstützt wurden. Erst die Unterzeichnung des Zweiten Autonomiestatuts (1972) beendete den Terror. 

  • Der Konflikt um zweisprachige Ortstafeln in Kärnten, kurz Ortstafelkonflikt genannt, entzündete sich am Passus des Staatsvertrags (1955), der den Kärntner Slowen:innen im gemischtsprachigen Gebiet unter anderem zweisprachige Ortstafeln zusichert. Die Ursache des Konflikts geht freilich auf die neuen Grenzziehungen nach dem Ersten Weltkrieg zurück, als sich nach dem Ende der Habsburger-Monarchie die südslawischen Völker zum Königreich der Slowenen, Kroaten und Serben zusammenschlossen. Kärnten allerdings wurde Österreich zugesprochen. Die slowenische Bevölkerungsmehrheit im südlichen Kärnten war für den neuen südslawischen Staat ein Argument, diese Kärntner Landesteile zu besetzen, um sie gewaltsam dem südslawischen Staat einzugliedern. Die Folge war ein blutiger Abwehrkampf, den die Siegermächte des Ersten Weltkriegs beendeten, indem sie eine Volksabstimmung ansetzten. Diese fand am 10. Oktober 1920 statt und endete auch im Gebiet mit slowenischer Bevölkerungsmehrheit mit einem Votum gegen die Teilung Kärntens und einem Verbleib bei Österreich. Kärntner Nationalist:innen und Rechtsextreme nahmen jedoch das Vorgehen des südslawischen Staates und die Mythologisierung des Abwehrkampfes zum Anlass, den Kärntner Slowen:innen bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts die zweisprachigen Ortstafeln zu verweigern. Am 20. September 1972 ließ Österreichs Bundeskanzler Bruno Kreisky die ersten zweisprachig beschrifteten Ortstafeln aufstellen. Insgesamt sollten die Ortstafeln von 205 Ortschaften zweisprachig sein. Wiederholt wurden die zweisprachigen Ortstafeln beschmiert oder zerstört. Vor allem der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider unterlief wiederholt Bestimmungen und Gerichtsurteile, die eine Aufstellung zweisprachiger Tafeln erzwingen sollten. Erst im Jahr 2011 beendete der Beschluss des neuen Volksgruppengesetzes im Verfassungsrang den Ortstafelkonflikt.

  • Der Name „Kosovo“ ist abgeleitet vom serbischen „Kosovo polje“, auf deutsch: Amselfeld (serbisch „kos“ bedeutet deutsch „Amsel“). Das Amselfeld ist mehr als das, was man gemeinhin unter einem Feld versteht, nämlich ein 84 Kilometer langes Becken. Die Mehrheit der Bevölkerung des Kosovo lebt auf dem Amselfeld. Dort liegt auch die Hauptstadt Pristina. Die Unabhängigkeitsbestrebungen des ursprünglich serbischen Kosovo und der serbische Widerstand führten zu immer blutigeren Auseinandersetzungen und schließlich zum Krieg, in dessen Verlauf die Nato Ziele im damaligen Jugoslawien bombardierte. Auch nach Kriegsende konnte die zur Befriedung aufgestellte multinationale KFOR (Kosovo Force unter Nato-Führung) diverse von beiden Seiten verübte Gräueltaten nicht verhindern. Serbien forderte von der UNO ein Gutachten über die rechtliche Stellung des Kosovo als selbstständige Republik. Am 22. Juli 2010 erklärte die UN-Generalversammlung in einem Gutachten, dass die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo nicht gegen das Völkerrecht verstoße. Allerdings ist dieses Gutachten rechtlich nicht bindend. Die völkerrechtliche Stellung des Kosovo gilt als umstritten und der Kosovo als ein De-facto-Staat. 

  • Als Waräger werden aus Skandinavien stammende Händler und Krieger bezeichnet, die sich ab dem 8. Jahrhundert nach Christus im Gebiet von Dnepr, Düna, Wolga und Don bis an das Kaspische und Schwarze Meer niedergelassen haben. Historiker erachten sie als eine Gruppe von Wikingern. 

  • Alexander Puschkin (1799-1837) und Nikolai Gogol (1809-1852) sind die bedeutendsten Gestalten am Beginn der russischen Literatur. Der Russe Puschkin orientierte sich an der französischen Literatur, indem er einen geschliffenen, scheinbar leichten und oft ironisch distanzierten Tonfall anschlug. Der gebürtiger Ukrainer Gogol hingegen entwickelte seinen Stil aus der mündlichen Erzählung; er ist durchsetzt mit ukrainischen Wendungen. Im Gegensatz zu Puschkins klarem Aufbau und seiner Präzision, sind Gogols Erzählungen voller absonderlicher Vorgänge, die sie an den Beginn einer Literatur des Absurden stellen. 

  • Entsprechend den alttestamentarischen Büchern Samuel, Könige und Chronik war David König von Juda und als Nachfolger Sauls auch König von Israel. Damit waren Juda und Israel in Personalunion vereint. David erhob Jerusalem zu seiner nur ihm gehörenden Königsstadt. David gilt als Verfasser zahlreicher der im Buch Psalmen gesammelten Hymnen. Entsprechend dem biblischen Bericht tötete der nur mit einer Steinschleuder bewaffnete David den in metallener Rüstung auftretenden Philisterkrieger Goliath. Dem Alten Testament zufolge verheißt Gott, er werde David ein Haus errichten, das ewig bestehen soll; das bedeutet, Gott habe in der Person Davids und seiner Nachkommen eine nie erlöschende Dynastie von Herrschern eingesetzt. Auf dem Berg Zion in Jerusalem wird das Davidsgrab als heilige Stätte des Judentums verehrt. Die Authentizität als tatsächliche Grabstätte Davids ist allerdings ebenso zweifelhaft wie die tatsächliche Machtfülle Davids. 

  • Eretz Israel (deutsch: Land Israel) bedeutet Israel in den Grenzen der biblischen Berichte. Zionist:innen und israelische Nationalist:innen verwenden „Eretz Israel“ als Kampfbegriff im Sinn von „Groß-Israel“, was einer Ausdehnung Israels vom Mittelmeer bis zum Fluss Jordan entspräche. Die radikalsten Forderungen beziehen zusätzlich Gebiete des Libanon, Syriens und Ägyptens mit ein. 

  • Shlomo Sand, 1946 in Linz geboren, ist ein israelischer Historiker und war bis zu seiner Emeritierung 2014 Professor an der Universität von Tel Aviv. Sand kam mit seiner Familie 1948 nach Israel. Ab 1967 engagierte er sich in der anti-zionistischen Gruppierung Matzpen, die er jedoch verließ, als sie das Existenzrecht Israels anzweifelte. Sand wurde wiederholt antisemitischer Positionen beschuldigt. Allerdings hat er das Existenzrecht Israels nie in Frage gestellt. Laut der „Jerusalem Post“ vom 15. November 2009 ist seine Position diese: „I compare when I am speaking before Arab students the birth of the Israeli state to an act of rape. But even the son that was born of the act of rape... you have to recognize him... the existence of Israel I don't put in question today, you understand me?" (Wenn ich mit arabischen Studenten spreche, vergleiche ich die Geburt des Staates Israel mit einer Vergewaltigung. Doch sogar der Sohn, der durch eine Vergewaltigung geboren wurde … Sie müssen ihn anerkennen… Die Existenz von Israel stelle ich heute nicht in Frage, verstehen Sie mich?)

  • Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (1754-1838) war ein französischer Diplomat und Staatsmann, der für seinen Pragmatismus bekannt war. Er war maßgeblich an der Festigung von Napoleons Kaisertum beteiligt und schaffte die diplomatische Meisterleistung, beim Wiener Kongress (1814-1815), auf dem nach der Niederlage Napoleons die neue Ordnung Europas verhandelt wurde, Frankreich ein Mitspracherecht zu sichern.

Quellen 

Das Thema in der WZ 

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