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Die Koralmbahn fährt endlich ab

6 Min
Vor allem die Pendler:innen ersparen sich viel Zeit.
© Illustration: WZ

Die Koralmbahn fährt! Ab jetzt bist du in nur 41 Minuten von Graz in Klagenfurt – statt wie bisher drei Stunden. Die WZ sprach am ersten Werktag nach der Eröffnung mit mehreren Reisenden.


Die Koralmbahn ist Teil der transeuropäischen Verbindung zwischen der Ostsee und dem Adriaraum im Süden Europas. Schon seit langer Zeit erhofft sich die österreichische Wirtschaft durch das große Infrastruktur-Projekt einen Aufschwung. Die Gesamtkosten betragen 5,9 Milliarden Euro.

75.000 Menschen waren beim Koralmbahn-Projekt beschäftigt. ÖBB-Chef Andreas Matthä sprach bei der Eröffnungsfeier in Graz von einer „Jahrhundertverbindung“: „Es ist nicht nur eine Zugverbindung, sondern eine Verbindung zwischen zwei Landeshauptstädten“, ergänzt Matthä.

Für Österreich schafft die neue Strecke auch eine bessere Erreichbarkeit des Südens. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser betonte: „Die Koralmbahn ist etwas, was positiv stimmt. Am Anfang wurde viel kritisiert und es galt auch zwischendurch als unrealisierbar, daher ein großer Dank an alle Beteiligten für die Umsetzung.“

Am Grazer Hauptbahnhof freute sich ein Herr am Montag gleich doppelt. Nicht nur über die neue Bahnstrecke, sondern auch über seinen Geburtstag. “Ich werde heute 65 Jahre alt und fahre jetzt mit ein paar Freunden nach Klagenfurt. Die Koralmbahn macht das in einer kurzen Zeit möglich, auch wenn man etwa nach Villach oder Italien per Bahn reisen möchte.” Die verkürzte Reisezeit wurde zum Game Changer: Mit dem neuen Tunnel dauert die Fahrt zwischen Graz und Klagenfurt nur 41 Minuten. “Da überlegt man es sich, auch mal spontan einen Zug-Trip mit der Familie zu machen, wenn es so schnell geht”, sagte eine Passantin.

Das ist die neue Strecke

Das Kernstück der neuen 126 Kilometer langen Zugverbindung bildet der dafür neu gebaute Koralmtunnel. Ein 33 Kilometer langes Loch wurde dabei durch die Koralpe gegraben. So verbindet sich künftig die Region Deutschlandsberg in der Süd-Weststeiermark mit dem Lavanttal in Kärnten. Der Koralmtunnel ist damit der längste Eisenbahntunnel Österreichs sowie der sechstlängste der Welt. Mit bis zu 250 km/h Highspeed werden die Züge in Zukunft durch die Koralpe brettern – Österreich wird dadurch Teil des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes.


Im ÖBB-Bus hatte man oft keine Garantie auf einen freien Platz.
Ein Fahrgast

Bisher waren es fast drei Stunden, da es keine Schienen-Direktverbindung der beiden Landeshauptstädte gab. Das direkte Reisen von der steirischen in die Kärntner Landeshauptstadt war nur mit einem ÖBB-Bus möglich. Für einen Studenten ist die neue Bahnverbindung etwa ein persönlicher Vorteil: „Ich komme aus Graz, studiere und lebe aber in Klagenfurt, daher ist die kurze Fahrzeit für mich wie eine coole Sache. Im Bus hatte man oft trotz Reservierung keine Garantie auf einen freien Platz.” Seine weibliche Begleitung erläuterte, dass sie oft von Klagenfurt nach Wien per Bahn reist. “Endlich ist die Koralmbahn da, das verkürzt auch die Reisezeit nach Wien enorm”, freute sie sich.

Der „Bahnhof Weststeiermark“ ist der größte neu gebaute Bahnhof des Projekts und befindet sich im Bezirk Deutschlandsberg in der Marktgemeinde Groß St. Florian.

Auf der Kärntner Seite entstanden mit St. Paul im Lavanttal und Kühnsdorf- Klopeiner See zwei weitere neue Bahnhöfe. 29 Verbindungen werden täglich zwischen Graz und Klagenfurt verkehren, per Bahn ist der Weg doppelt so schnell wie mit dem Auto.

Die neue Bahn bringt mehr als nur zwei Städte schneller zusammen: So fährt etwa pro Stunde ein Zug zwischen Villach und Salzburg. Weiters bringt sie auch schnellere Fahrtzeiten zwischen Graz, Villach, Salzburg sowie nach München. Statt bisher neun Stunden kommt man per Zug von Wien jetzt in sechseinhalb Stunden nach Triest.

Lange Planung und Bauzeit

Die lange Bauzeit sowie die Kosten brachten dem Projekt auch Kritik ein. Peter Hanke, Österreichs Minister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, entgegnete den Kritiken, die Strecke sei hochmodernisiert und gleichzeitig eine Aufwertung für Infrastruktur und Wirtschaft: „Das ist ein vollkommen falscher Ansatz und politisch vollkommen verwegen. Es handelt sich um eine 120 Kilometer lange Bahnstrecke mit einem 33 Kilometer langen Tunnel, der in der technischen Aufstellung hochmodern funktioniert, für den 100 Brücken notwendig waren und für den 23 neue Bahnhöfe gebaut wurden, und ich freue mich für Österreich und seine Mobilität, dass dieser Schritt seinerzeit gesetzt wurde.“

Stärkung für den Arbeitsmarkt

Auch für den Cargo-Bereich gibt es so laut dem SPÖ-Minister die Chance, ein Stück weit aus der wirtschaftlichen Erosion zurückzufinden. „Wenn ich in 41 Minuten von Graz nach Klagenfurt fahre, ist das etwas, was jeder von uns mit dem Auto niemals geschafft hätte. Und das ist eine Leistung für den Arbeitsmarkt, die Wirtschaft und die Menschen, die dort wohnen, da haben wir eine neue Qualität“, ergänzt Hanke.

Doch es wird nicht das teuerste Projekt bleiben, denn es wird durch ein teureres Projekt abgelöst: den Brenner-Basistunnel. „Wenn der 2032 fertig ist, wird er 9,6 Milliarden kosten. Weiters schilderte uns auch eine Berufspendlerin aus Klagenfurt ihre positiven Eindrücke: „Ich habe beruflich viel mit der Steiermark zu tun. So habe ich nun eine ideale Chance, schnell ins benachbarte Bundesland zu reisen.”


Schrecksekunde bei Eröffnungsfahrt

In der vergangenen Woche hatte das lange Warten dann ein Ende und die neue Bahnstrecke ging in einem offiziellen Festrahmen in Eröffnung. Die Sonderfahrten zur Eröffnung waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Ausgerechnet beim Herzstück der neuen Strecke – dem Koralmtunnel – kam es zu einer unangenehmen Situation. Anrainer:innen merkten eine Rauchwolke, die aus dem Ostportal des Tunnels unweit des Bahnhofs Weststeiermark kam. Dies löste einen Großeinsatz aus, zahlreiche Rettungskräfte, Feuerwehrleute und Polizei waren im Einsatz. Ein eigens dafür geeigneter Rettungszug mit Techniker:innen der ÖBB an Bord musste in den Tunnel fahren.

Nach der Ursachenerkundung und einer Einsatzzeit von vier Stunden gaben die leitenden Einsatzkräfte Entwarnung. Die Wolke bestand nicht aus Rauch, sondern aus aufgewirbeltem Staub aus dem Tunnel, der ins Freie gelang. Solche „Staubfahrten“ probten die ÖBB laut einer Aussendung schon vor der Inbetriebnahme des Verkehrs. „Die Feuerwehr musste nicht eingreifen. Es war zu diesem Zeitpunkt kein Zug im Tunnel und es wurde niemand verletzt“, erklärte Hans-Jürgen Ferlitsch vom Bereichsfeuerwehrverband Deutschlandsberg. Ferlitsch betonte auch, dass solche Szenarien oft geprobt wurden, und dieser Zwischenfall zeige, wie gut die Zusammenarbeit zwischen den Einsatzkräften funktioniere.

Personenverkehr auf Schiene

Nachdem sich am Wochenende viele Menschen für eine Mitfahrt an den Bahnhöfen tummelten, waren nach Angaben der Bundesbahnen nach zwei Tagen schon 10.000 Leute mit der neuen Bahn unterwegs. „Der Start der Koralmbahn ist ein historischer Meilenstein und ein voller Erfolg. Schon in den ersten Stunden sehen wir, wie groß die Begeisterung für die neue Verbindung ist. Wir erleben ein enormes Interesse an der neuen Strecke zwischen Graz und Klagenfurt“, betonte ÖBB-Chef Andreas Matthä. Auch für Freizeitausflüge eignet sich die Hochgeschwindigkeitsverbindung perfekt. „Ein Ausflug an den Klopeiner See oder nach Klagenfurt ist für Reisegruppen wie uns ideal“, erzählte eine Dame aus einer steirischen Reisegruppe, die Klagenfurt als Ziel hatte.


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