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Wenn humanoide Roboter günstiger werden, könnten sie unter dem Mindestlohn betrieben werden. Diese Entwicklung sorgt gerade in Südkorea, das in den nächsten Jahren eine Vorreiterrolle übernehmen könnte, für Widerstand.
Es ist ein Arbeitnehmer:innenkampf, den wir in Zukunft öfter sehen werden: In Südkorea wehrt sich die Belegschaft von Hyundai gegen den Einsatz von menschlichen Robotern. Die Gewerkschaft, die aus rund 40.000 Mitarbeiter:innen besteht, ist besorgt, dass dadurch Jobs verloren gehen – und diese Sorge ist berechtigt, allerdings nicht nur in Südkorea. Bei dem aktuellen Streik geht es nicht nur um die Automatisierung der Fahrzeugproduktion, sondern auch um faire Bezahlung, und auch hier spielen die Roboter eine Rolle. Denn obwohl die sogenannten humanoiden Roboter noch teuer in der Anschaffung sind, werden sie bald günstiger als eine menschliche Arbeitskraft sein.
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25.000 Roboter in US-Fabrik
Hyundai plant tatsächlich, die menschlichen Roboter im großen Stil einzusetzen, allerdings nicht im Heimatland Südkorea. Der Autohersteller ist mittlerweile Mehrheitseigentümer von Boston Dynamics. Der Roboterentwickler wurde einst von Google mitfinanziert und durch Videos von tollpatschigen Robotern bekannt. Die Technologie ist offenbar so weit fortgeschritten, dass Hyundai ab 2028 rund 25.000 dieser Geräte in einer US-Produktionsstätte einsetzen will.
Das Robotermodell heißt Atlas, ist 1,90 Meter groß, kann bis zu 50 Kilogramm tragen und ist bei Temperaturen von minus 20 bis plus 40 Grad einsatzfähig. Ein Atlas kostet Schätzungen zufolge 130.000 US-Dollar. Dieses Investment würde sich Analysen zufolge nach zwei Jahren bezahlt machen. Sinken die Herstellungskosten unter 100.000 Dollar, könnte Atlas zu einem niedrigeren Stundenpreis als dem Mindestlohn in den USA eingesetzt werden.
Pilotprojekte in Deutschland und Österreich
Je fortschrittlicher und je günstiger die humanoiden Roboter werden, umso mehr können sie also menschliche Arbeitskraft ersetzen und somit nicht zuletzt Personalkosten sparen, auch wenn das Anfangsinvestment hoch ist. Hyundai ist mit diesem Plan nicht allein, auch deutsche Automobilhersteller arbeiten daran, humanoide Roboter in die Produktion zu bringen. Im BMW-Werk Leipzig läuft derzeit ein Pilotprojekt, bei dem zwei Roboter die Batteriemontage unterstützen. Das Modell heißt AEON und kommt vom Schweizer Hersteller Hexagon Robotics. Nach der Testphase sollen weitere Anwendungsbereiche entwickelt und AEON auch an anderen Standorten eingesetzt werden. An einem weiteren Produktionsstandort im US-Bundesstaat South Carolina hat BMW ein ähnliches Pilotprojekt laufen.
In Österreich testet das Industrieunternehmen BRP Rotax einen Roboter vom chinesischen Hersteller Unitree Robotics, das Modell ist mit 13.500 US-Dollar deutlich günstiger als der Atlas von Hyundai und hinkt der Entwicklung des Hyundai-Modells wahrscheinlich hinterher. Mit nur wenigen Testgeräten ist die Industrie im deutschsprachigen Raum noch weit von einem großflächigen Einsatz entfernt, wie ihn Hyundai in den USA plant.
Robotik aus China und Südkorea
Die humanoiden Roboter werden nicht nur mit Künstlicher Intelligenz trainiert, sondern vor allem von menschlichen Fachkräften. Die Herausforderung dabei ist, dass die Maschinen genauso feinmotorisch arbeiten wie Menschen. China arbeitet intensiv an der Forschung und Entwicklung, laut einer Morgan-Stanley-Studie soll der Marktführer bis 2030 jährlich 446.000 Roboter ausliefern. Mehr als 10.000 humanoide Roboter sind laut Goldman Sachs Research aktuell schon in chinesischen Produktionsstätten im Einsatz. Aber auch Südkorea wird demnach eine große Rolle in der humanoiden Robotik spielen. Das macht die Skepsis der Hyundai-Belegschaft umso beachtlicher.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autorinnenprofil.
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Infos und Quellen
Quellen
- Wall Street Journal: The Fight Over Humanoid Robots Has Shut Down a Car Factory for the First Time
- Boston Dynamics Atlas
- Bloomberg: Rise of Robots Pits Hyundai’s Atlas Against Musk’s Optimus
- BMW: BMW Group setzt humanoide Roboter erstmals in Deutschland ein
- BMW: BMW Group advances the use of Physical AI in production with Figure 03 project in Spartanburg
- Industriemagazin: Humanoider Roboter bei BRP-Rotax: Der Durchbruch ist weiter weg als gedacht
- CNBC: Morgan Stanley doubles China humanoid robot shipment forecast as commercialization accelerates
- Goldman Sachs Research: South Korea's Growing Role in Humanoid Robot Development
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