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Wo die Luft in Wien am schlechtesten ist

Genese

Wien ist bekanntlich die lebenswerteste Stadt der Welt. Doch wie sieht es mit der Luftqualität aus? Maximilian Hatzl hat sich alle verfügbaren Daten zur Luftqualität geholt und ausgewertet.

Gesprächspartner:innen

  • Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner der medizinischen Universität Wien

  • Heinz Tizek, Leiter der Datenauskunft der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22)

  • Silvio Heinze, Gründer von Luftdaten.at und Klubobmann der Neubauer Grünen

  • Andreas Mitterlehner, Statistik Austria

  • Inge Zechmann, Pressesprecherin Umweltbundesamt

  • Christian Gratzer, Pressesprecher VCÖ

  • Erwin Forster, Pressesprecher Straßenverwaltung und Straßenbau (MA 28)

Daten und Fakten

  • Woher stammen die Daten?

  • In diesem Artikel wurden die Daten der Luftschadstoffe, sowie die Brutto- und Nettoeinkommensdaten der Einwohner:innen Wiens verwendet.

  • Die Daten der Luftqualität stammen vom Citizen Science Projekt Aqicn.org. Aqicn.org ist eine Plattform, die die Daten samt Standort im Internet kostenlos zugänglich macht. Neben diesen Daten mappt die Website auch die Daten der Messpunkte der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22).

  • Für die Aufbereitung der Emissionen in Wien wurden die Daten des Umweltbundesamtes verwendet. Dort findet sich eine detaillierte Beschreibung der Luftschadstoffe.

  • Die Daten der Brutto- und Nettoeinkommen wurden von der Statistik Austria bereitgestellt.

  • Wie haben wir gerechnet?

  • Für die einzelnen Messpunkte wurde jeweils der Jahresdurchschnitt an Feinstaub (PM2,5) berechnet. Dabei wurde am Stichtag 23. Februar 2024 exakt ein Jahr zurückgerechnet – es blieben 365 Messwerte zu 365 Tagen. Für ein valides Ergebnis wurden Messstationen, die weniger als 75 Prozent der Tage einen Wert aufwiesen (also 274 Tage) und/oder weniger als 15 Tage pro Monat maßen, im Vorfeld herausgefiltert. Von den 124 Messstationen blieben am Ende 46 mit validen Daten übrig. Es folgte eine einfache Durchschnittsberechnung.

  • Für die Stickoxide wurden die Messstationen der MA 22 verwendet. Hierbei wurden ebenfalls die Daten von Aqicn.org verwendet. Die Einheit war in unseren Fällen der AQI (eng. Air Quality Index).

  • Für den Zusammenhang von Luftqualität und Einkommen der Bürger:innen in Wien wurde der Spearman’sche Rangkorrelationskoeffizient (Rho) verwendet. Dieser errechnet einen linearen Zusammenhang ordinaler Daten. Der Rangkorrelationskoeffizient Rho liegt immer zwischen -1 und 1. Unsere Berechnung ergab einen Wert von <-0,7. Hierbei wurde das Nettoeinkommen der Zählsprengel Wiens mit den Messwerten der sich dort befindlichen NOx Messstationen der MA 22 verglichen.

  • Ein Wert von −0,7 deutet auf einen ziemlich starken negativen Zusammenhang hin. Das bedeutet: Wenn der Wert der einen Variablen steigt, fällt der Wert der anderen Variablen tendenziell, und umgekehrt. In diesem Fall steigt der Wert des Nettoeinkommens, während der Wert der Luftverschmutzung (AQI) fällt. Dies impliziert jedoch keine Kausalität, sondern beschreibt lediglich die Stärke und Richtung des Zusammenhangs zwischen den Rängen der beiden Variablen.

  • Kann es einen Fehler in den Daten geben?

  • Fehler in Daten sind nie auszuschließen. Sie könnten beim Messen und beim Speichern auftreten. Beim Luftmessen muss beachtet werden, wo der Sensor platziert ist und ob dieser richtig geeicht wurde. Ein Sensor in einem Gebäude oder neben einem Rauchfang liefert beispielsweise ein verfälschtes Ergebnis.

  • Für diese Geschichte wurden über 120 Sensoren mit jeweils knapp 365 Datensätzen verglichen. Durch das Errechnen der einzelnen Jahresdurchschnitte wird versucht, gegebene Messfehler oder Fehler beim Speichern auszumerzen.

  • Was sind Luftschadstoffe?

  • Es gibt gasförmige Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid (NOx), Ozon (O3), Kohlenmonoxid (CO), Schwefeldioxid (SO2). Und es gibt partikelförmige Luftschadstoffe wie Feinstaub. Beides verringert die Luftqualität.

  • Zum Feinstaub zählen kleine Partikel, die in der Luft schwirren. Unterschieden wird zwischen PM10 – was Staubfraktionen mit einem Durchmesser von unter 10 µm bezeichnet - und PM2,5 für Staubfraktionen, bei welchen mindestens die Hälfte der Teilchen kleiner als 2,5 µm sind. Zusätzlich gibt es noch ultrafeine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 µm.

  • PM2,5 gilt als besonders gefährlich, da diese Teile bis in die Lungenbläschen gelangen. Gemessen wird Feinstaub meist in Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³). Aber auch andere Skalierungen wie der AQI (engl. Air Quality Index) sind gängig.

  • Was sagt der AQI?

  • Der AQI (eng. Air Quality Index) ist eine weitverbreitete Skala, welche eine einfache Bestimmung der Luftverschmutzung bietet. Der AQI variiert von Land zu Land. In unserem Fall wurde der AQI der Website aqicn.org verwendet, welcher der US-EPA Norm von 2016 entspricht. Anhand der 6-stufigen Skala wird der Einfluss von Luftverschmutzung auf die Gesundheit beschrieben. Sie setzt sich wie folgt zusammen: SEHR GUT (0-50), GUT (50-100), MITTELMÄSSIG (101-150), AUSREICHEND (151-200), SCHLECHT (201-300), SEHR SCHLECHT (300-500). Wie aqicn.org die jeweiligen Messeinheiten in den AQI umrechnet, findet sich in diesem Dokument.

  • Wien ist im Durchschnitt mit einem Wert kleiner als 50 immer noch in der risikoärmsten Stufe. Ein Wert ab 100 gilt als ungesund. Über 300 wird es schwerwiegend gefährlich.

  • Gibt es noch andere Skalen?

  • Ja. In Österreich ist beispielsweise der Wiener Luftgüteindex ein gängiges Bewertungsschema. Dieser ist ebenfalls in sechs Stufen unterteilt. Luftverschmutzer wie Feinstaub und Stickoxide werden in Fachkreisen auf die Belastung in Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³) in einem gewissen Zeitraum (tageweise, stündlich, halbstündlich, etc.) gemessen.

Quellen

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