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Seit seinen Coachella-Shows wird Justin Bieber so gefeiert, wie schon lange nicht mehr. Das ist würdig und recht.
Vor nicht allzu langer Zeit habe ich an dieser Stelle behauptet, Harry Styles sei in Wahrheit der einzige männliche Popstar. Ich bin heute nicht mehr dieselbe Person wie damals (vor zwei Monaten) und möchte hiermit klarstellen: Ich habe Justin Bieber Unrecht getan.
- Kennst du schon?: Schießt sie auf den Mond!
In meinen Augen war Justin Bieber natürlich einmal der relevanteste Pop-Boy der Welt, aber ob er diesen Status auch heute noch innehat, habe ich angezweifelt. Für mich war Bieber ein ehemaliger Teenie-Star in Frührente, die er sich nach seiner steilen, kräftezehrenden Karriere und den damit einhergehenden mentalen und körperlichen Struggles auch redlich verdient hatte. Seine Alben „SWAG“ und „SWAG II“ fand ich schon irgendwie solide, aber für den popkulturellen Diskurs nur kurzfristig relevant. Asche über mein Haupt.
Der bestbezahlte Coachella-Headliner aller Zeiten – und auch der faulste?
Auch, als Bieber für zehn Millionen US-Dollar als angeblich bestbezahlter Coachella-Headliner überhaupt mit seinem Laptop auf der ansonsten leeren Bühne auftrat, war ich noch skeptisch. War das das große Pop-Kino, das sich sowohl ehemalige als auch immer noch aktive Beliebers wünschen? Ja, genau das war es.
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Durch die Resonanz auf Biebers Coachella-Show wurde mir erst wieder bewusst, wie groß sein Impact heute immer noch ist, obwohl er kaum noch auftritt und abseits der großen Pop-Maschinerie sein eigenes Ding macht. Er releast dann, wann er will, und macht die Musik, die er will. Er erzählt die Geschichten, die er erzählen will, ist zu Paparazzi nur dann freundlich, wenn sie es auch sind, und sagt nicht mehr zu jedem Fan-Selfie „Ja“.
Und trotzdem – oder genau deswegen – lieben seine Fans ihn immer noch, als hätte er gerade erst „Baby“ veröffentlicht. All das macht Bieber authentisch, auch wenn dieses Attribut bei Megastars und somit Millionär:innen meist nichts mehr als eine leere Branding-Worthülse ist. Dennoch können viele mit Biebers Suche nach sich selbst relaten, mit seiner Art, erwachsen zu werden, die alles andere als perfekt ist.
Im Duett mit sich selbst
In genau diese Kerbe schlug sein Coachella-Show-Konzept: Er performte nicht nur neuere Songs, sondern überraschte Fans mit alten Klassikern, die er erstmal auf YouTube abspielte. Dann sang er dazu, seine Baby Voice und heutige Stimme harmonierten perfekt – und allein über diese Idee ließen sich ganze Doktorarbeiten schreiben. Was auf mich erst lazy wirkte, hatte eine tiefere Bedeutung, die seine Fans mitten ins Herz traf, und die man dann am besten verstand, wenn man mit Bieber groß geworden ist. Einer von diesen Fans ist Billie Eilish, die Bieber für den Song „One Less Lonely Girl“ auf die Bühne holte, und die gelinde gesagt völlig durchdrehte. She’s just a girl!
Dass unglaublich viele Menschen ihn lieben, zeigten auch die Streaming-Charts nach seinen beiden Coachella-Auftritten: Seine Zahlen schossen durch die Decke; zu einem Zeitpunkt chartete er mit sieben Alben gleichzeitig. In einer Vogue-Analyse des Bieber-Imperiums von Justin und seiner Frau Hailey erklärt die Popkultur-Expertin Annie Corser, dass sich Bieber durch seine „Millennial Staying Power“ auszeichne, was in Kombination mit Haileys Gen-Z-Appeal dazu führe, dass sich Bieber sowohl vertraut als auch immer wieder neu anfühle.
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Justin Bieber ist einer dieser ehemaligen Teenie-Stars, die die Welt gewinnen sehen will. Wir wollen Bieber gesund sehen, happy, erfolgreich – was auch immer das bedeutet. Das ist leider nicht immer so. Viel zu oft erfreut sich die General Public am Absturz vermeintlich übermütiger Stars und ergötzt sich an Negativ-Headlines. Es gab bestimmt auch in Biebers Karriere einige Momente, in denen das zutraf. Diese Haltung scheint sich gerade wieder zu wandeln. Um es in Anlehnung an Biebers Song „GO BABY“ zu sagen: „That’s our baby, he’s iconic.“
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Infos und Quellen
Quellen
- Billdboard: Justin Bieber’s Catalog Surges in Streams After Coachella, Returns to Hot 100 With Classic Hits
- X: Post von Chart Data
- Vogue: The Business of the Biebers
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