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Während Bürgerwehren bei der US-Staatsgründung vor 250 Jahren wichtig waren, prägten Cowboys mit Colt im 19. Jahrhundert das Bild. Aber warum haben in den USA Waffen heute noch einen derart großen Stellenwert?
Die USA sind das Land blutiger Schießereien, bewaffneter Bürgerwehren, der Morde und der Amokläufe. Monat für Monat werden dort mehr als eine Million Pistolen und Gewehre verkauft, 48 Prozent der Haushalte haben Schießeisen gelagert. Allein im Jahr 2025 gab es in den USA 14.600 Tote durch Schusswaffen, 2021 waren es sogar mehr als 21.000.
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Die Wurzeln für den unheilvollen Zustand liegen tief in der Vergangenheit. So verweisen die Befürworter:innen des allgemeinen Rechts auf Bewaffnung heute auf den 2. Zusatzartikel zur US-Verfassung, der im Jahr 1791 als Teil der „Bill of Rights“ verabschiedet wurde. Der berühmt-berüchtigte Wortlaut der Passage lautet: „Da eine gut ausgebildete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“
Und schon befinden wir uns mitten in der Zeit des Unabhängigkeitskrieges (1775 – 1783), als die dreizehn Kolonien gegen den britischen „Herren“ kämpften und am Schlachtfeld siegreich waren. Das gelang nicht mithilfe einer klassischen Armee, sondern mit Bürgermilizen. Mit Siedler:innen, die ihre eigenen Jagdgewehre in den Händen hielten und mit einer Art Guerillataktik die weit überlegenen Briten niederringen konnten. Ein großes stehendes Heer aus Berufssoldaten erschien den US-Staatsgründern vor 250 Jahren als unberechenbarer Machtfaktor und sollte, verfassungsmäßig verankert, vermieden werden. Die Erfahrung, dass eine bewaffnete Bürgerschaft einer Weltmacht trotzen konnte, stärkte den Mythos des bewaffneten Bürgers zur Verteidigung der Freiheit.
Einem Kampf auszuweichen ist „unamerikanisch“
Eine weitere historische Wurzel für die Unmengen an Schusswaffen, die es heute in den USA gibt, ist das Frontier-Denken des 19. Jahrhunderts: die angeblich von Gott gewollte, gewalttätige Expansion in Richtung Westen. Der weiße, männliche Pionier war damals auf seinen Colt angewiesen, um sich gegen Native Americans, die um ihre Existenz kämpften, sowie gegen weiße Viehdiebe und andere Gefahren verteidigen zu können. Damals entwickelte sich das Bild vom „true man“, der auch im Saloon einem tödlichen Kampf nicht ausweicht, sondern dem Gegner Auge in Auge gegenübertritt. Feiges Zurückweichen wurde als unamerikanisch deklariert. Auf diese Weise wurde „no duty to retreat“ und der dazu nötige Waffenbesitz zu einem Grundsatz des Bürgerseins.
Dann hat sich die Welt massiv verändert. Es gibt heute keine Pioniere mehr, die sich mit Planwägen Richtung Westen vorwagen. Keine britischen Kolonialsoldaten, keine Cowboys, die Rinderherden durch die Prärie treiben und sich gegen Indigene oder Viehdiebe wehren müssen. Das alles ist Schnee von vorgestern. Die moderne Arbeitswelt, die Friedens- und Bürgerrechtsbewegung, der verlorene Vietnamkrieg, die Gleichstellung der Frau und wohlfahrtsstaatliche Einrichtungen haben den furchtlosen Revolverhelden, der seine Freiheit und seine Familie mit der Waffe in der Hand verteidigen muss, unnötig gemacht.
Späte Helden
Allerdings: Die Vorstellung vom mutigen Mann, der mit der Waffe seine Familie beschützt und seine Freiheit verteidigt, wurde in den USA gerade ab dem Zeitpunkt besonders kultiviert, als dieses Ideal unzeitgemäß wurde. Der Cowboy als Held, als strahlende, heldenhafte Figur tauchte in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erstmals auf. Davor, als es sie noch wirklich gab, wurden Cowboys als das gesehen, was sie wirklich waren: wenig beneidenswerte Schichtarbeiter. Die Ideale von Mut, Männlichkeit, unbezähmbarem, mit der Pistole durchsetzbarem Freiheitswillen sind in den USA erst dann besonders betont worden, als die alte Pionierzeit vorüber war. Gleichsam als Gegenentwurf zur Moderne, als konservativ-patriarchale Wunschvorstellung.
Diese überkommenen Ideen haben sich zu einer Plage entwickelt, die heute täglich dutzende Todesopfer fordert und die US-Gesellschaft permanent in einen Zustand der Unsicherheit versetzt.
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Infos und Quellen
Quellen
- Geschichte der Gegenwart: Vom amerikanischen Recht auf Land, Waffen und Selbstverteidigung
- Statista: Anzahl der erfassten Todesfälle durch Schusswaffen in den USA von 2015 bis 2025
- Der 2. Zusatzartikel zur US-Verfassung
- Youtube: Spiel mir das Lied vom Tod – Die besten Szenen
Daten und Fakten
- 250-Jahr-Jubiläum: Die 13 Kolonien auf dem Gebiet der heutigen USA erklärten vor 250 Jahren, am 4. Juli 1776, ihre Unabhängigkeit vom englischen König. Die US-Verfassung von 1787 ist die älteste noch gültige geschriebene demokratische Verfassung der Welt. Sie etabliert eine föderale Präsidialrepublik mit strikter Gewaltenteilung (Legislative, Exekutive, Judikative) und dem System der „Checks and Balances“ zur gegenseitigen Kontrolle. Sie garantiert Grundrechte, ergänzt durch die „Bill of Rights“.
- Die sogenannte Boston Tea Party von 1773 war der erste große Massenprotest der Kolonie-Bürger:innen, der ab 1775 im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gipfelte. Von da an kämpfte die anfangs schlecht ausgerüstete und ausgebildete Amerikanische Kontinentalarmee mit Unterstützung Frankreichs und weiterer europäischer Mächte gegen die britischen Kolonialtruppen. 1776 erklärten die Kolonien ihre Unabhängigkeit und mit dem Sieg in der Schlacht von Yorktown wurde der Unabhängigkeitskrieg zugunsten der Vereinigten Staaten entschieden.
- Der Begriff „Frontier“ ist ein zentraler Begriff in der Geschichte und dem Selbstverständnis der USA, der die wandernde Siedlungsgrenze zwischen der „zivilisierten” Ostküste und dem „wilden”, unbesiedelten Westen im 19. Jahrhundert beschreibt.
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