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Wer panisch aufspringt, wenn eine Wespe auftaucht, wird schnell belächelt. Dabei ist die Angst vieler Menschen berechtigt: Tausende sind gegen Insektenstiche allergisch.
Mir persönlich sind sie nur lästig. Ich versuche, sie zu verscheuchen, gebe acht, dass sie nicht auf der Gabel landen, und decke das Essen ab, damit sie hoffentlich wieder verschwinden. Andere Menschen sind da vorsichtiger. Zum Grillen kommen sie vom Scheitel bis zur Sohle mit Insektenschutz eingesprüht, und wenn sich trotzdem eine nähert, schreien sie Alarm, springen wie von der Tarantel gestochen auf und wacheln mit den Händen in der Luft. Die Rede ist vom Umgang mit Insekten wie Wespen, Bienen oder Hornissen. Und wer meint, dass manche Menschen ihnen gegenüber etwas zu viel Panik an den Tag zu scheinen legen, hat nicht allen Fällen recht. Denn etwas mehr als 300.000 in Österreich lebende Menschen sind gegen das Gift der Hautflüglerinnen allergisch, und viele reagieren empfindlicher als der Durchschnitt.
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Grund genug für einen Blick auf das Phänomen Insektenstiche. Denn Expert:innen sprechen von einem guten Bienenjahr und einem starken Wespensommer, wenn die kommenden Wochen warm und trocken bleiben. Wenn es warm und eher trocken ist, können Wespen & Co genug Nahrung für die Aufzucht ihrer Larven in ihre Nester eingetragen, wodurch sich die Völker gut entwickeln. Doch wie können kleine Insekten, ein oder zwei Zentimeter lang, bis zu zehn Zentimeter große Schwellungen, Entzündungen, Brennen und Schmerzen hervorrufen und den Kreislauf zum Absturz bringen? Warum hat das bisschen Gift so große Auswirkungen?
Wespen naschen an unserer Nahrung, daher begegnen wir ihnen öfter als Bienen. Wer sie verscheuchen will, sollte dabei keine unachtsamen Bewegungen machen. Denn die Wespen stechen zur Verteidigung. Wenn sie sich bedroht fühlen, machen sie pendelartige Bewegungen im Flug, um ihre Augen auf ihr Ziel auf unserer Haut einzuschärfen. Dann setzt es Wespengift.
Komplexe Mischung geht unter die Haut
Nur ein winziger Tropfen der komplexen Mischung aus Proteinen, Peptiden, Aminosäuren und Enzymen geht nur einen bis zwei Millimeter unter die Haut. Etwa drei Mikrogramm Wespengift zerstören das umliegende Gewebe und regen den Körper dazu an, das Gewebshormon Histamin auszuschütten. „Dadurch kommt es zu einer Gefäßerweiterung mit dem Ziel, dass die Abwehrzellen schneller in die Einstichstelle geschwemmt werden, um den Entzündungsprozess zu lindern“, sagt Gunter Sturm vom Department für Dermatologie der Medizinischen Universität Graz zur WZ.
Im Normalfall erzeugt der Stich eine Schwellung von einem bis zwei Zentimetern Durchmesser. Auch eine Rötung der Haut, Schmerzen oder ein Brennen zählen zu den üblichen Reaktionen. „In der Regel tut das zwar weh, ist aber nicht gefährlich und klingt nach zwei bis drei Tagen wieder ab“, sagt Sturm.
Anders wirkt Wespen-, Bienen- oder Hornissengift bei Allergiker:innen. Bei ihnen kann es bis zu zehn Zentimeter große Schwellungen erzeugen, die mindestens 24 Stunden bestehen, meist aber sieben bis zehn Tage brauchen, um abzuklingen. Wenn die Insekten ihr Gift injizieren, erkennt dies das Immunsystem. Bei Allergiker:innen kann die Abwehrreaktion so heftig und überschießend sein, dass sie Krankheitssymptome auslöst. Der Körper weitet die Gefäße noch stärker und schneller als sonst, um möglichst viele Abwehrzellen an den Ort des Geschehens zu schicken. „Solche Reaktionen nennt man gesteigerte Lokalreaktionen. Sie sind zumeist lästig und bei entsprechender Größe auch sehr beeinträchtigend, aber in der Regel ungefährlich für Leib und Leben“, erklärt Sturm.
Von Wespen-, Bienen- und Hornissengift
Gefährlich wird es dann, wenn nach einem Insektenstich Symptome in mehreren Organsystemen auftreten. Eine anaphylaktische Reaktion kann sich zum Beispiel durch Hautsymptome am ganzen Körper, Atembeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blutdruckabfall oder Bewusstlosigkeit zeigen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand.
Von jenen 300.000 Personen in Österreich, die allergisch gegen die Stiche sind, erfährt etwa ein Fünftel solch schwere Reaktionen. Zwischen einem und fünf Todesfällen pro Jahr seien auf solche Symptome nach Wespen-, Bienen- oder Hornissenstichen zurückzuführen, erklärt der Allergie-Experte.
Bienen können nur einmal stechen, dafür geben sie aber mehr Gift ab. Die Ladung von 60 Mikrogramm Bienengift verursacht eine stärkere lokale Gewebereizung, die allergischen Reaktionen seien aber nicht schwerer als bei Wespenstichen. Hornissenstiche wiederum seien zwar „schmerzhafter, weil der Stachel der Hornisse größer ist und bestimmte Giftbestandteile mehr Schmerzen verursachen". Sie kämen jedoch seltener vor als Wespenstiche, weil Hornissen gutmütiger seien. „Nur, wenn sie sich in einem Zimmer verirren und bedroht fühlen, kann es sein, dass sie angreifen und zustechen“, erläutert Sturm.
Die Jagd nach der Blutmahlzeit
Und wie steht es um die guten alten Gelsen, die uns jedes Jahr aufs Neue piesacken? Gegen sie sind wir noch machtloser als gegen alle gestreiften Stachelträger. Sie nähern sich uns mit 300 bis 500 Flügelschlägen pro Sekunde – eine Geschwindigkeit, die ein nervig-hohes Sirren erzeugt, und hinterlassen Quaddeln, Entzündungen und Juckreiz auf der Haut. Ihr Überlebenskonzept ist nicht Verteidigung, sondern Angriff, denn sie wollen ihre Blutmahlzeit. Die Gelsen nehmen unsere Körperwärme wahr, spüren mit feinen Haaren auf dem Körper die Luftbewegungen, die wir aufwirbeln, und riechen das CO2, das wir ausatmen.
Wenn sie uns haben, rammen sie ihren Stechrüssel unter die Haut, öffnen unsere Blutgefäße und jagen ihren Speichel in die Wunde, dessen Enzyme die Blutgerinnung stoppen und den Blutfluss erhöhen, was sie leichter trinken lässt. Zugleich betäuben die Enzyme die Einstichstelle, damit wir die unverfrorene Attacke nicht sofort bemerken. Erst wenn der Körper des Weibchens voll ist mit unserem Blut, beginnt es auf der Haut zu jucken. Dann hat sich die satte Gelse aber schon wieder in die Lüfte erhoben, auf der Suche nach einem Ort, an dem sie das Eisen und die Proteine aus dem Blut zu Eiern machen kann.
Fast alle reagieren auf einen Mückenstich, indem es juckt. Bei besonders empfindlichen Menschen fällt die Schwellung allerdings größer aus und kann auch einige Tage bestehen bleiben. Reaktionen, die den ganzen Körper betreffen, sind aber extrem selten.
Faktum ist: Insektenstiche sind für manche Menschen besonders gefährlich, und sie können nichts dafür. Selbst wenn es manchmal so aussieht, als würden sie durch übertriebene Angst vor Insekten die Lage verschlimmern, ist es nur fair, ihnen gegenüber verständnisvoll zu sein, und sich von gelegentlich hektischem Wacheln bei Tisch nicht die Stimmung zerstören zu lassen. Und wenn dieser Sommer tatsächlich besonders gute Bedingungen für Insekten bietet, müssen wir alle aufpassen, dass wir keine stechenden Insekten versehentlich verschlucken, zumal jeder Mensch an einem Stich in die Luftröhre ersticken könnte.
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Infos und Quellen
Gesprächspartner
- Gunter Sturm, Associate Professor am Department für Dermatologie der Medizinischen Universität Graz, Leiter des Allergieambulatoriums Reumannplatz, Wien
- Stefan Wöhrl, Facharzt für Dermatologie und Venerologie mit Spezialisierung in Allergologie, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums in Wien
Daten und Fakten
- Insekten gehören zu den ältesten Landtieren. Sie entstanden vor rund 480 Millionen Jahren. Somit mussten sich schon die Dinosaurier mit ihnen herumschlagen. Neuesten Berechnungen zufolge leben heute zwischen 14 und 20 Millionen Insektenarten überall auf der Erde.
- Weltweit sind es etwa 3.500 bis 3.600 Stechmückenarten bekannt, und global existieren insgesamt rund 14.000 blutsaugende Insektenarten.
- Von den Gelsen stechen nur die Weibchen. Sie brauchen das Eisen und die Proteine im Blut, um Eier produzieren zu können, die sie dann in stillen, brackigen Gewässern ablegen. Die Männchen stechen nicht. Sie haben gefiederte Antennen, mit denen sie das Singen der Weibchen wahrnehmen können.
Quellen
- Proceedings of the National Academy of Sciences: There may be 3 times more insect species than previously thought
- Universitätsspital Zürich: Insektengiftallergie
- Initiative Insektengiftallergie Deutschland: Allergie gegen Insektenstiche?
- AOK Gesundheitsmagazin: Das hilft bei einem Wespenstich
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