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Seit fünf Jahren arbeitet die Europäische Zentralbank an einem digitalen Zahlungsmittel. Dieses soll sicherer und inklusiver sein als andere Zahlungsmittel, die Umsetzung dauert aber noch.
Die Revolutionierung des Finanzsystems durch Kryptowährungen lässt noch auf sich warten und auch eine andere Innovation scheint nur langsam voranzukommen. Seit fünf Jahren beschäftigt sich die Europäische Zentralbank mit dem digitalen Euro – Spoiler: Wann er tatsächlich eingeführt wird, ist noch immer nicht bekannt. Das Projekt nimmt jedoch immer mehr Formen an und die EZB fühlt sich Berichten zufolge mittlerweile unter Druck, den digitalen Euro rasch umzusetzen. Doch wofür brauchen wir ihn überhaupt?
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Die Folgen des bargeldlosen Zahlens
Anlass für diese Idee war die Tatsache, dass in der Eurozone immer weniger Menschen mit Bargeld zahlen. Laut einer EZB-Studie ging der Anteil von Bargeldzahlungen an Verkaufsstellen (sogenannte Point-of-Sale-Transaktionen) von 79 Prozent im Jahr 2019 auf 52 Prozent im Jahr 2024 zurück. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Kartenzahlungen von 24 auf 39 Prozent, während der Anteil mobiler Apps mittlerweile 6 Prozent ausmacht.
Was die Europäische Union an dieser Entwicklung stört? Die nicht-physischen Zahlungen werden größtenteils von nicht-europäischen Unternehmen wie Visa, Mastercard oder PayPal abgewickelt. Das heißt, unser Zahlungsverkehr ist zunehmend von Dienstleistern außerhalb Europas abhängig. Außerdem sind digitale Zahlungen mit Kosten verbunden, etwa durch Transaktions- oder Kreditkartengebühren.
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Digitales Zahlen ohne Karte und Konto
Der digitale Euro soll diese Probleme lösen, verspricht die EZB: „Ein digitales Zahlungsmittel, das im gesamten Euroraum für Zahlungen in Geschäften, im Internet oder von Person zu Person allgemein akzeptiert wird. Wie Bargeld wäre auch der digitale Euro risikofrei, allgemein zugänglich, benutzerfreundlich und für die grundlegende Nutzung gebührenfrei.“ Außerdem soll der digitale Euro die „monetäre Souveränität“ fördern, also die Kontrolle über die Währung und das Zahlungssystem stärken. Kurz gesagt: Der europäische Zahlungsverkehr sollte nicht von den großen Playern aus den USA gesteuert werden.
Bargeldloses Zahlen soll durch den digitalen Euro auch zugänglicher werden. Die Projektgruppe erklärt, dass dafür kein Bankkonto notwendig sein wird. Stattdessen könnte man etwa in einer Postfiliale Bargeld in die mobile Geldbörse einzahlen. Der digitale Euro soll nicht nur am Point-of-Sale funktionieren, sondern auch in Online-Shops. Damit die Einlagen aber nicht von den Banken verschwinden, will die EZB den digitalen Euro mit einem Limit in der virtuellen Geldbörse versehen. Die digitale Zahlung soll auch offline, also ohne Internetverbindung möglich sein, was laut der EZB die Sicherheit des Zahlungsmittels erhöhen soll. Um weitere Bedenken zu Sicherheit und Privatsphäre auszuräumen, hält die Projektgruppe fest, dass der digitale Euro resistent gegen Cyberattacken und verschlüsselt sein werde.
Technische Umsetzung noch unklar
Wie diese Vorstellungen der EZB in die Realität umgesetzt werden, wird laut dem jüngsten Fortschrittsbericht mithilfe technischer Tests geprüft. Die Projektgruppe hat sich dafür Unterstützung von rund 70 Innovationspartnern aus der EU geholt, darunter Banken und Zahlungsabwickler:innen. Aus Österreich ist die Erste Group in der Vorbereitungsphase dabei. Bis Ende 2025 sollen fünf Ausschreibungsverfahren zur Auswahl von Anbietern für die Plattform und für die Infrastruktur abgeschlossen werden.
In den vergangenen Wochen dürfte EU-Insider:innen zufolge Dynamik in das Projekt gekommen sein. Grund dafür ist, dass die USA im Juli einen gesetzlichen Rahmen für Stablecoins geschaffen haben. Dabei handelt es sich um Kryptowährungen, die an den Wert einer Währung gebunden sind. Mit der neuen Regulierung könnten US-Unternehmen ihre eigenen digitalen Zahlungsmittel einführen. Im Vergleich zu einer Stablecoin würde der digitale Euro nur von der EZB ausgegeben und nicht von privaten Anbietern.
Laut einem Bericht der Financial Times sehe die EU durch das Stablecoin-Gesetz die Gefahr, dass die Dominanz von US-Zahlungsdienstleistern noch weiter steigen werde. Um die Umsetzung zu beschleunigen, erwägt die EZB, den digitalen Euro auf einer öffentlichen Blockchain – also einer Verschlüsselungstechnologie – und nicht auf einer eigens entwickelten, geschlossenen Blockchain zu entwickeln. Damit könnte der digitale Euro schneller Realität werden, allerdings müssten dabei auch Kompromisse bei der Sicherheit und Unabhängigkeit eingegangen werden. Das Projekt „Digitaler Euro“ kostet zudem nicht nur Zeit, sondern auch Geld: 1,5 Milliarden Euro könnte die Umsetzung laut Politico kosten.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Die Europäische Zentralbank bereitet seit November 2023 die Entwicklung eines digitalen Euros vor.
- Bis Ende 2025 soll festgelegt werden, welche Dienstleister das digitale Zahlungsmittel mit welcher technischen Infrastruktur umsetzen, parallel dazu werden die Regeln für den digitalen Euro verhandelt.
- Bargeld war 2024 laut EZB-Studie gemessen an der Anzahl der Transaktionen mit 52 Prozent noch immer das häufigste Zahlungsmittel in der Eurozone, gefolgt von Karten mit 39 Prozent und mobilen Apps mit 6 Prozent.
- Beim Wert der Transaktionen überwiegen allerdings Kartenzahlungen mit 45 Prozent, gefolgt von Bargeld mit 39 Prozent.
- Menschen mit höherer Bildung und höherem Einkommen zahlen tendenziell häufiger mit Karten oder anderen Zahlungsmitteln.
Quellen
- Europäische Zentralbank: Der digitale Euro
- Europäische Zentralbank: Progress Report Digital Euro
- Europäische Zentralbank: Digital Euro innovation partners
- Europäische Zentralbank: Study on the payment attitudes of consumers in the euro area (SPACE) – 2024
- Euro Retail Payments Board: Engagement on digital euro fit in the payment ecosystem
Das Thema in anderen Medien
- Financial Times: EU speeds up plans for digital euro after US stablecoin law
- Politico: ECB bets on barnstorming start for digital euro
- Euronews: Why does the eurozone need a digital euro?
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