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Ein Viertel der Bevölkerung fühlt sich isoliert. Das schadet Gesundheit, Demokratie und Wirtschaft. Ein großes EU-Projekt soll helfen.
Jede:r Vierte in Österreich fühlt sich zumindest gelegentlich einsam, 8 Prozent (das ist eine halbe Million) sogar immer oder meistens. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 18- bis 74-Jährigen durch Statistik Austria. Auffällig ist dabei ein Detail: Der Anteil jener, die sich in den vergangenen vier Wochen einsam gefühlt haben, war bei den Jüngsten am höchsten. Gerade sie sind durch Änderungen im Job oder Umzüge besonders anfällig dafür.
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Mehr Armut bedeutet mehr Einsamkeit
Einsamkeit kann der Gesundheit schaden. Die Folgen reichen von Herz-Kreislauf-Problemen bis zu Schlafstörungen. Und Depressionen können so schädlich sein wie 15 Zigaretten pro Tag, hat die EU-Abgeordnete Evelyn Regner (SPÖ) jüngst vorgerechnet. „Außerdem schwächt Einsamkeit die Demokratie durch geringere Teilhabe der Betroffenen und hat Auswirkungen auf die soziale Ungleichheit.“ Denn überproportional betroffen sind jene Gruppen, die ohnehin sozial benachteiligt sind. Deshalb ist auch Einsamkeit „tendenziell in Ländern stärker verbreitet, die ökonomisch und sozial weniger gut aufgestellt sind, also zum Beispiel mehr Armut haben“, erläutert Maike Luhmann. Die Psychologin vom Happiness Research Hub der Uni Bochum hat nicht nur gerade das Buch „Einsamkeit“ veröffentlicht, sondern koordiniert auch das europaweite Forschungsprojekt „LONELY-EU“, dessen Schirmherrin Regner ist.
Einsamkeit kostet 1 Prozent der Wirtschaftsleistung
Luhmann kann auf Nachfrage der WZ die volkswirtschaftlichen Kosten von Einsamkeit beziffern: Es liegen noch keine Zahlen für alle EU-Länder vor, aber „für Spanien zum Beispiel wurden die auf Einsamkeit zurückzuführenden gesundheitlichen Kosten auf 6,1 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, und weitere 8 Milliarden Euro pro Jahr gehen auf Produktivitätsverluste zurück.“ Zusammengerechnet ist das knapp 1 Prozent der spanischen Wirtschaftsleistung (BIP). Für die USA wurden sogar 1,6 Prozent ausgerechnet (480 Milliarden Dollar Kosten gegenüber 30 Billionen Dollar BIP). „Einsame Menschen sind tendenziell weniger gesund, fehlen häufiger und sind im Job weniger produktiv und kreativ. Deshalb sollten sich auch Unternehmen mit diesem Thema beschäftigen, schon aus eigenem Interesse“, mahnt Luhmann.
Handlungsanleitungen für die Politik
Das Projekt „LONELY-EU“, an dem sechs Universitäten beteiligt sind, soll neben Daten auch Lösungsansätze aufzeigen. Ein EU-weites Monitoring und ein eigenes Beratungsgremium sollen dafür sorgen, dass alle Erkenntnisse am Ende in politische Maßnahmen gegen Einsamkeit einfließen. „Und wir möchten ein EU-weites Netzwerk aufbauen“, erklärt Luhmann, „in dem sich alle Menschen und Organisationen, die sich für das Thema Einsamkeit interessieren, miteinander vernetzen können.“ Österreichs Gesundheitsministerium fördert acht Modellprojekte unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ mit insgesamt zwei Millionen Euro. Ministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat dazu jüngst klargestellt: „Einsamkeit ist kein individuelles Versagen, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.
Was hilft gegen Einsamkeit?
Was Luhmann nicht liefern könne, sei ein Patentrezept gegen Einsamkeit, sagt sie. Weil „die Ursachen von Person zu Person recht unterschiedlich sind“. Ein paar Tipps hat sie aber schon, um langanhaltende, chronische Einsamkeit zu vermeiden: „Wir sollten möglichst oft, im Alltag genau wie bei großen Lebensentscheidungen, immer auch unsere sozialen Beziehungen mitdenken und sie mehr wertschätzen, als es viele heute tun. Bewusst in unsere Freundschaften investieren, bewusst auch neue Menschen einbinden – das stärkt uns selbst und unsere Gesellschaft.“
Für die Expertin ist aber auch klar: „Dass wir uns manchmal einsam fühlen, ist ein normaler und sogar nützlicher Teil des Lebens.“ Wenn sich allerdings Menschen immer seltener melden oder zurückziehen, sollten wir keine Scheu haben, den Kontakt zu suchen: „Studien zeigen, dass wir unterschätzen, wie sehr sich andere Menschen – egal ob alte Freunde oder eine fremde Person im Bus – freuen, wenn wir sie ansprechen. Dabei kann man nicht verlieren, nur gewinnen.“
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Innenpolitik-Journalist Georg Renner über Österreichs Politiklandschaft.
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Infos und Quellen
Gesprächspartnerinnen
- Maike Luhmann ist Professorin am Happiness Research Hub der Ruhr Universität Bochum. Sie koordiniert das Projekt „LONELY-EU“, an dem auch die Vrije Universiteit Amsterdam (Niederlande, Judith Merkies), das Annecy Behavioral Science Lab (Frankreich, Hans Ijzerman), die Università Cattolica del Sacro Cuore (Italien, Patrizia Catellani), die SWPS University (Polen, Katarzyna Growiec), die University of Milan (Italien, Cristiano Vezzoni) sowie das Kommunikationsunternehmen FIOTI von Rob Blaauboer beteiligt sind.
Quellen
- Statistik Austria: Befragung zu Einsamkeit
- Projekt „LONELY-EU“
- Buchtipp: Maike Luhmann: „Einsamkeit – Warum sie uns alle betrifft“ (S. Fischer Verlage, 2026)
Das Thema in der WZ
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