Software-Entwicklung galt in den vergangenen Jahrzehnten als eine der wichtigsten Kompetenzen, doch KI sorgt für einen Umbruch: Für komplexe Lösungen braucht es bald nur mehr einfache Sprache.
„Software frisst die Welt auf“: Mit dieser viel zitierten Aussage machte der Silicon-Valley-Investor Marc Andreessen im Jahr 2011 auf die Bedeutung der Fähigkeit, programmieren zu können, aufmerksam. So sehr, dass Programmieren zum Schulfach werden sollte und auch anderen Branchen, wie etwa Journalist:innen, empfohlen wurde, ebenfalls programmieren zu lernen. Software-Entwickler:innen zählen zu den gefragten und gut bezahlten Jobs. Technische Studienrichtungen werden noch immer wegen ihrer Jobgarantie empfohlen.
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Programmieren mit einfacher Sprache
Heute lautet die Ansage allerdings „KI frisst die Software auf“. Das Zitat kommt von Nvidia-CEO Jensen Huang. Denn Künstliche Intelligenz wird nicht nur viele klassische, administrative Bürojobs ersetzen, sondern auch die bisher so wichtigen Software-Entwickler:innen. KI-Tools schreiben nicht nur Emails und Werbebroschüren, sondern auch Code. Und das funktioniert in der Theorie mittlerweile so einfach, dass dafür keine Programmierkenntnisse mehr notwendig sind.
Zumindest behaupten das die Betreiber dieser sogenannten No-Code- oder Low-Code-Anwendungen. Das Prinzip ist einfach: Man beschreibt das Problem und erhält eine Lösung. Die Begriffe sind nicht neu: In einer Studie aus dem Jahr 2014 beschäftigte sich die Marktforschung Forrester mit „Low-Code“-Plattformen, die eine effizientere Software-Entwicklung ermöglichen.
Anstatt Anwendungen von Grund auf neu zu entwickeln, bieten „Low-Code“-Plattformen ein Fundament sowie Bausteine. Sie kommen bei der Erstellung von Websites, mobilen Apps und beim Datenmanagement, wie bei der SAP-Software, zum Einsatz. Während „Low Code“ noch Programmierkenntnisse voraussetzt und deshalb eher als Unterstützung für die klassische Software-Entwicklung gesehen wird, richtet sich „No Code“ an Personen ohne Vorkenntnisse.
No-Code-Plattformen versprechen komplexe Anwendungen
Dieses „Programmieren ohne Programmieren“ war in der Vergangenheit beispielsweise mit Website-Baukästen möglich. Tools wie Zapier verbinden verschiedene Anwendungen und übertragen neue Kund:innenkontakte in eine Datenbank. Mit Tools wie Airtable können Tabellen erstellt werden, ohne dass Excel-Kenntnisse erforderlich sind. Mit dem KI-Boom geht das Versprechen einen Schritt weiter. Die Benutzerin beschreibt ein Problem und die KI baut eine Lösung dafür. Was früher einen Programmieraufwand von Wochen bedeutete, kann nun innerhalb weniger Minuten umgesetzt werden.
„Was sollen wir heute bauen?“ steht auf der Startseite der No-Code-Plattform Bolt. „Erstelle Websites und Apps, indem du mit KI sprichst“, wirbt der Mitbewerber Lovable auf seiner Seite. Anwendungsbeispiele sind interne Tools für das Projektmanagement oder die Kommunikation sowie öffentliche Bildgeneratoren. Nach dem Prinzip „Prompt to App“ fragen Bolt und Lovable ihre Nutzer:innen nach den benötigten Spezifikationen und Funktionen. Schlanke Prototypen können schon mit der kostenlosen Version gebaut werden. Wer das Tool dann tatsächlich in der Praxis umsetzen möchte, braucht eine kostenpflichtige Version der No-Code-Anbieter.
Welche Skills es in Zukunft braucht
In den sozialen Medien wird das einfache Programmieren mittlerweile als „Vibe Coding“ bezeichnet. Der Begriff wurde von dem KI-Entwickler Andrej Karpathy geprägt: „Ich sehe Dinge, sage Dinge, führe Dinge aus und kopiere Dinge, und meistens funktioniert es.“ Wie groß dieser Trend ist, zeigt die Marktentwicklung: Lovable ging erst vergangenes Jahr an den Start, das schwedische Unternehmen dahinter ist mittlerweile 1,8 Milliarden US-Dollar wert. Bis 2028 soll der gesamte No-Code- und Low-Code-Markt laut Forrester 50 Milliarden US-Dollar wert sein.
Die klassische Software-Entwicklung wird dennoch nicht obsolet, sondern sie wird sich, wie viele andere Bereiche auch, durch KI maßgeblich verändern. Laut einem Gartner-Report müssen Entwickler:innen ihre Fähigkeiten ausbauen und eine „KI-First“-Denkweise verfolgen. Es brauche weiterhin menschliche Expertise und Kreativität. Auch wenn Nicht-Entwickler:innen keine Programmiersprache kennen müssen, um Tools zu erstellen, benötigen sie eine neue Fähigkeit: das Prompting, also die richtige Eingabe von Befehlen für KI-Tools. Denn nur wenn die Fragen und Aufgaben so konkret und ausführlich wie möglich sind, ist der Output gut.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Der Begriff „Low Code“ wurde zuerst 2014 verwendet und beschreibt Software-Entwicklung, ohne alles von Grund auf zu programmieren.
- „No Code“ steht für die KI-gestützte Entwicklung ohne Programmierkenntnisse.
- Das schwedische Unternehmen hinter Lovable, einer No-Code-Plattform, die erst letztes Jahr gestartet ist, ist mittlerweile 1,8 Milliarden US-Dollar wert.
Quellen
- Forrester Trend Report 2014: New Development Platforms Emerge For Customer-Facing Applications
- Andrej Karpathy auf X: Vibe Coding
- Marc Andreessen: Why Software Is Eating the World
- Jensen Huang auf Linkedin: AI Is Eating Software
- Lovable: Lovable Raises $200M, Valued at $1.8B, Just Eight Months After Launch
- Gartner: Gartner Says Generative AI will Require 80% of Engineering Workforce to Upskill Through 2027
- Forrester: The Low-Code Market Could Approach $50 Billion By 2028
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