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Österreich wollte im Kalten Krieg (1947 bis 1989) mit Bunkern einem Angriff der Sowjets begegnen. Anfang dieses Jahres stand eine dieser Anlagen auf willhaben.at zum Verkauf, nach Abnehmer:innen wird weiterhin gesucht.
Interessent:innen gibt es viele, sagt Immobilienmakler Adam Brandis zur WZ, wirklich zugeschlagen hat bis dato aber noch niemand: Zum Verkauf steht eine unterirdische Bunkeranlage des Bundesheeres aus den 60er-Jahren, die zeitweise auch auf willhaben.at um rund 50.000 Euro angeboten wurde.
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Die Immobilie befindet sich unweit der burgenländischen Gemeinde Hornstein, weist laut Annonce eine Nutzfläche von 40 Quadratmetern auf, ist zweigeschoßig und mit Stromaggregat, elektrischer Lüftung und einem Holzofen ausgestattet. Mit dabei ist ein 1000 Quadratmeter großes Grundstück. Eine Freizeitimmobilie, wie Makler Brandis sagt, ideal etwa für Grillereien. Den meisten sei die Idee eines Kaufs dann doch „zu verrückt“, erklärt er die zahlreichen Rückzieher.
Ein Stück Zeitgeschichte zum Schnäppchenpreis
Ganz sicher aber würde man mit dem Bunker ein Stück Zeitgeschichte erwerben: Er ist ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges, als in Österreich die Angst vor einem sowjetischen Angriff groß war. Damals errichtete das Bundesheer in der Nähe des Eisernen Vorhangs hunderte Betonfestungen, um auf einen Frontalangriff der Roten Armee und ihrer Verbündeten vorbereitet zu sein. Die meisten dieser Bauten sind heute abgetragen oder zugeschüttet.
Die große Frage lautet: Glaubte damals irgendjemand ernsthaft daran, dass das österreichische Bundesheer der Supermacht Sowjetunion Paroli bieten könnte? Die Rote Armee war eine riesige Streitmacht mit zahllosen Soldat:innen, Panzern, Kampfjets, Kanonen und Atomwaffen und damit dem österreichischen Bundesheer hundert- bis tausendfach überlegen.
Der Vietcong lässt grüßen
Hier kommt ein Mann namens Emil Spannocchi ins Spiel, ein österreichischer General, der große Entscheidungsschlachten gegen übermächtige Feinde für aussichtslos hielt. Seine Strategie: ein militärisches Konzept, das voll auf Guerillataktiken auf der einen und auf Betonbunker auf der anderen Seite setzte.
Angeregt durch die Erfolge irregulärer Streitkräfte etwa im Vietnamkrieg setzte der General in dem nach ihm benannten Plan, der „Spannocchi-Doktrin“, auf die „Raumverteidigung“. Der haushoch überlegene Aggressor sollte durch die Aussicht auf ständige Angriffe von schnell auf- und wieder abtauchenden Trupps von vornherein davon abgehalten werden, durch Österreich durchzumarschieren. Das Bundesheer plante – ganz im Geiste des vietnamesischen Revolutionärs Hồ Chí Minh – den Einsatz einer Zermürbungstaktik mit Überraschungsangriffen aus dem Hinterhalt. Vorbild war auch die finnische Armee, die den Sowjets im Zweiten Weltkrieg mit einer Hit-and-Run-Taktik große Verluste zufügte.
Braten statt kämpfen
Abseits davon sah der Spannocchi-Plan auch vor, dass sogenannte „Schlüsselzonen“ mit Nachdruck verteidigt werden. Die befanden sich vor allem im schwer zugänglichen alpinen Gelände, aber auch in der Gegend zwischen Hainburg und dem Leithagebirge. Genau dort wurden Bunker mit Panzertürmen und Maschinengewehr-Kuppeln errichtet, und einer davon ist jener, der jetzt als Freizeitimmobilie zum Verkauf steht.
Im Nachhinein kann man heilfroh sein, dass die von Spannocchi angedachten Ideen nie in die Realität umgesetzt werden mussten. Und dass die Bunkeranlage bei Hornstein demnächst vielleicht als Unterstand für friedliche Grillmeister:innen Verwendung finden wird. Dann könnte dort das eine oder andere Bier geöffnet und auf den mittlerweile verstorbenen Spannocchi angestoßen werden.
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Infos und Quellen
Gesprächspartner
- Adam Brandis, Immobilienmakler
Quellen
- Franz-Stefan Gady: Die Rückkehr des Krieges, Quadriga, 2024
- Heeresgeschichtliches Museum: Bunkeranlage Ungerberg Bruckneudorf
- Bundesheer: Die Jägertruppe
- Wikipedia: Emil Spannocchi
- Mao Tse Tung: Über den Guerillakrieg, Rezension in „Truppendienst“
Daten und Fakten
- Als Kalter Krieg wird der Konflikt zwischen den Westmächten unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika und dem sogenannten Ostblock unter Führung der Sowjetunion bezeichnet, den diese von 1947 bis 1989 austrugen: nur zu einer direkten militärischen Konfrontation, einem „heißen Krieg“, kam es nie.
- Der Warschauer Pakt war ein militärisch-politisches Bündnis sozialistischer Staaten unter sowjetischer Führung, das von 1955 bis 1991 bestand.
- Hồ Chí Minh war ein bedeutender vietnamesischer Revolutionär, Gründer der Kommunistischen Partei Indochinas und von 1945 bis 1969 Präsident Nordvietnams. Er führte Vietnam im Unabhängigkeitskampf gegen Frankreich und die USA an.
- Der Vietcong war eine kommunistische Guerilla-Organisation, die im Vietnamkrieg (ca. 1960–1975) gegen Südvietnam und die USA kämpfte. Er agierte als bewaffneter Arm Nordvietnams im Süden, nutzte Taktiken wie Hinterhalte und Tunnelsysteme und war entscheidend für den Sieg Nordvietnams.
- Laut dem Militäranalytiker Franz-Stefan Gady sieht sich Österreich heute mit folgendem, wenig erbaulichen russischen Bedrohungsszenario konfrontiert: Russland greift NATO-Territorium im Baltikum an, NATO-Truppen werden, etwa aus Italien, über Österreich Richtung Norden verlegt. Russland wartet nicht, bis diese Truppen im Baltikum einlangen, sondern greift diese gleich mit Marschflugkörpern und ballistischen Raketen an, um die Kolonnen schon in Österreich zu zerstören. Dazu kommen Sabotageangriffe und Cyberattacken auf Österreich.
Das Thema in der WZ
- YouTube-Video: Kann sich Österreichs Militär verteidigen?
Das Thema in anderen Medien
- Heute: Bundesheer verkauft Bunkeranlage zum Hammerpreis
- ORF Burgenland: Bunker in Hornstein steht zum Verkauf
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