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Drei Tonnen CO2 für dich, drei Tonnen CO2 für mich

3 Min
Eine stilisierte Transaktion mit einer Kreditkarte wo CO2 draufsteht.
Je reicher ein Mensch ist, desto mehr CO2 verbraucht er.
© Illustration: WZ

Die Idee eines CO2-Budgets für Einzelpersonen könnte uns dem Klimaziel von 1,5 Grad näher bringen. 


Energie. Industrie. Verkehr. Das sind die größten CO2-Verursacher. Aber auch Gebäude oder Landwirtschaft sind große Emittenten. Und während sich in Dubai Expert:innen und Politiker:innen über Sinn und Unsinn von Maßnahmen streiten, um die Erderwärmung zu stoppen, treibt viele von uns die Frage um: Was können wir als Einzelne bewirken? 

Der renommierte deutsche Klimaforscher Hans Joachim Schelnhuber plädiert für ein begrenztes CO2-Budget – auch für Individuen. Seine Überlegung ist einfach: Die Erderwärmung ist nur deshalb noch nicht hoffnungslos aus dem Ruder gelaufen, weil der Konsum der ärmeren Welt, im Globalen Süden, noch nicht annährend auf dem Niveau der westlichen Welt ist. Wollen wir das 1,5-Grad Ziel erreichen, dürfte jeder Mensch nicht mehr als drei Tonnen CO2 (Kohlenstoffdioxid) im Jahr ausstoßen. Wer mehr braucht, müsse es jenen abkaufen, die weniger ausstoßen. Ein Zertifikate-Handel, wie bei den großen Unternehmen. Verbraucher:innen müssten mit ihrem begrenzten Budget haushalten. Kaufen sie etwa eine Waschmaschine, verringert sich ihr CO2-Budget. Wollen Hersteller:innen attraktiv bleiben, müssten sie die umweltschädliche Belastung ihrer Produkte so weit wie möglich senken. 

Das würde nicht nur das Klima retten, sondern auch zur Umverteilung von Reichtum führen. Denn je reicher ein Mensch ist, desto mehr CO2 verbraucht er. In Deutschland und Österreich stößt der oder die Durchschnittsbürger:in rund zehn Tonnen pro Jahr aus.

 „Klimakiller Reichtum“ 

Die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam veröffentlicht internationale Studien mit dem Titel: „Klimakiller Reichtum“. Sie stellt Berechnungen an, wonach das reichste Prozent der Weltbevölkerung zwischen 1990 und 2015 ungleich viel mehr CO2 ausgestoßen hat als die komplette ärmere Hälfte der Welt - Nämlich gleich mehr als doppelt so viel. 

Doch es sind nicht nur die Privatjets, die Privatjachten und die beheizten Outdoor-Pools im Winter für die CO2-Emissionen verantwortlich. Auch die wohlhabende Mittelschicht macht sich zum Teil weniger Gedanken – oder wiegt sich in der vermeintlichen Sicherheit, dass es die Politik schon richten wird? 

„Ich glaube, ein CO2-Budget wäre insofern sinnvoll, um sich bewusst zu machen, was man selber in der Hand hat“, meint die deutsche Klimaforscherin Julia Pongratz zur WZ. Wenn man seinen Konsum herunterbreche und sich überlege: „Was würde ich mit so einem Budget machen? Was sind meine Prioritäten? Was ist verzichtbar, wo sind gute Alternativen?“ Etwa bei Mobilität oder Ernährungsgewohnheiten könnten andere Entscheidungen getroffen werden. Aber auch wie man wohne, kann auf den Prüfstand gestellt werden. 

Gleichzeitig erinnert die Professorin, die gerade am Gipfel in Dubai ist, dass die Politik die Rahmenbedingungen stecken muss: „Viele Dinge liegen nicht in der Hand des Einzelnen.“ Das Budget für Einzelne sei zwar sinnvoll, aber es müsse national und international forciert werden. 

Für den deutschen Klimaforscher Jan Minx ist besonders der soziale Ausgleich des Zertifikate-Handels interessant. „Die Oxfam-Berichte zeigen ja, dass die reichsten Menschen die meisten CO2-Emissionen ausstoßen“, streicht er hervor. Wenn die Zertifikate nun gekauft werden müssten, könnte es zu einer Umverteilung kommen, denn der soziale Spagat ist im Klimaschutz eine große Herausforderung. Gerade weil oft Förderprogramme für Individuen – etwa Wärmedämmung, Solaranlagen, und dergleichen – dann doch wieder nur von jenen genutzt werden, die es sich leisten können. 

Es sei aber dahingestellt, ob die Transaktionskosten den Aufwand eines Zertifikate-Systems rechtfertigen würden. 

Das wirft die Entscheidungen zum Konsum wieder auf eine persönliche Ebene zurück. Um informierte Entscheidungen treffen zu können, fordern Experten schon länger, dass eine CO2-Ausschilderung verpflichtend sein muss. Damit im Supermarkt schnell gehandelt werden kann, ohne lang mit dem Handy die Lieferketten berechnen zu müssen. Wo wurde produziert? Unter welchen Bedingungen wurde produziert? Was wurde dafür alles aufgewendet beziehungsweise verbraucht. Die wahren Kosten des Konsums sollen sichtbar gemacht werden. 

Für eine ungefähre Berechnung des persönlichen CO2-Verbrauchs existieren viele Rechner im Internet, etwa www.co2-rechner.at und https://secure.umweltbundesamt.at/co2mon/co2mon.html.