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Eine brüderliche Ermahnung in Sachen Geschenke

2 Min
Meine Brüder glänzen beim Schenken vor allem durch Abwesenheit.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser. Bildquelle: Getty Images.

Ein offener Brief an alle Geschwister, die geschenketechnisch auf ihre große Schwester setzen.


So weit ist es also gekommen: Ich muss mich an die Öffentlichkeit wenden. Die Interventionen in der WhatsApp-Gruppe haben nichts gebracht und die anschließenden passiv-aggressiven Meldungen meinerseits irgendwie auch nicht. Kleine Brüder sind dagegen sowieso immun, aber im Sinne eines geschwisterlichen Pflichtgefühls wollte ich auch das abgehakt wissen. Als letzter Schritt bleibt mir nur mehr: öffentliche Anprangerung.

Vorneweg: Dieser Text basiert auf einer Menge Ironie und der chronischen Selbstgerechtigkeit eines älteren Geschwisterteils, namhaft, einer großen Schwester. Das gilt es auszuhalten. Guter Journalismus lebt und liebt den Widerspruch. Und er sagt, frei nach Spiegel-Gründer Rudolf Augstein, was ist. Im Fall vorweihnachtlicher Geschenkeinkäufe wäre das nun eben folgendes: Liebe kleine Geschwister, get your shit together!

Ein wichtiger Einwurf: Auch in diesem Kommentar gilt die Unschuldsvermutung. Wir sind schließlich immer noch in Österreich. Es mag durchaus jüngere Geschwister geben, die sich aktiv an der Ideenfindung und Ausführung des kollektiven Elterngeschenks beteiligen. Getroffen habe ich so jemanden bisher ein einziges Mal, also genauso oft wie Ex-SPÖ-Tirol-Chef Georg Dornauer sein Gewehr im Auto vergessen hat – nur so als Input.

Der Rest verlässt sich in der Regel auf die großschwesterliche Güte. Und guess what, ich habe auch wenig Lust, mir jedes Jahr im Alleingang zu überlegen, welche Geschenke dem hobbymäßig ungebundenen Vater am meisten zusagen könnten, vor allem seit die „Gutscheine für eine Umarmung“ keine gesellschaftstaugliche Option mehr darstellen.

Dieser Text ist neben einer Anklage also in erster Linie ein Appell. Liebe kleine Geschwister, das Christkind ist nicht real, aber die überforderte älteste Tochter mit einem leichten Hang zur Dramatik und einer undiagnostizierten Zwangsstörung schon. Und die möchte heuer nicht allein für das elterliche Glück unterm Christbaum verantwortlich sein.

Für meine zwei Spezialisten zuhause heißt das: Wir sehen uns in der WhatsApp-Gruppe.


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