)
Medizinerin Kate White erzählt von ihrem Einsatz gegen die Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo.
Es war eine Meldung, die jüngst durch die Medien ging, bei den meisten Leser:innen in Europa aber wohl bloß ein Achselzucken hervorrief: Der Osten der Demokratischen Republik Kongo erlebt seit Mitte Mai 2026 den bisher schlimmsten Ausbruch von Ebola mit bald 4.000 bestätigten Infektionen und mehr als 2.000 Todesfällen, darunter mehr als 300 Kinder.
- Kennst du schon?: Wie gefährlich das Hantavirus wirklich ist
Es ist der bereits 17. Ausbruch in jenem Land, in dem 1976 – also vor genau 50 Jahren – zum ersten Mal ein Ebola-Virus dokumentiert wurde. Doch die Epidemie war und ist weitgehend auf Westafrika beschränkt, weshalb wir im Globalen Norden uns nicht wirklich betroffen fühlen. Außer, es tauchen vereinzelte Fälle auf europäischen Flughäfen, auf oder die USA verweigern – wie jüngst – einer Maschine mit einem Passagier aus einem Ebola-Gebiet die Einreise.
Dieser Zwiespalt ist Kate White nur allzu bewusst. Die britische Ärztin war bis vor wenigen Tagen als Medizinische Einsatzleiterin für Ärzte ohne Grenzen in der DR Kongo im Einsatz. Im Interview schildert sie, wie anstrengend sowohl körperlich als auch mental der Kampf gegen die oft tödliche Krankheit ist und wie schrecklich eine Infektion in vielen Fällen verläuft. Sie spricht aber auch darüber, warum die Medizin dieser Zoonose, die von Tieren auf den Menschen überspringt, immer mindestens einen Schritt hinterher ist.
Es ist wirklich schrecklich mitanzusehen.Kate White über Ebola-Patient:innen mit inneren Blutungen
Das Gesundheitssystem ist unglaublich fragil.Kate White erklärt, warum sich Ebola in der Demokratischen Republik Kongo so rasch ausbreitet
Ich denke, wir können einen Punkt erreichen, wo niemand mehr durch Ebola stirbt.Kate White auf die Frage, ob die Krankheit jemals besiegt sein wird
Es gibt auch gute Nachrichten – jede Woche im Newsletter.
)
Na gut
Der Newsletter mit den guten Nachrichten: Kleine Geschichten über Fortschritte und Erfolg.
Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.
Infos und Quellen
Gesprächspartnerin
Kate White ist Public-Health-Expertin aus Großbritannien und seit über 15 Jahren für Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen im Bereich hochansteckende Infektionskrankheiten und Migration tätig.
Daten und Fakten
Die Bezeichnung Ebola für die Erkrankung, die durch Viren ausgelöst wird, geht auf den gleichnamigen Fluss in der Demokratischen Republik Kongo zurück. Dort wurde 1976 der erste große Ausbruch gemeldet. Seither kam es zu zahlreichen Ebola-Epidemien, die allerdings meist auf Westafrika begrenzt waren. Ab 2014 tauchten allerdings auch vereinzelte Fälle in Europa auf. Seit Mai 2026 tobt im Osten der Demokratischen Republik Kongo erneut eine Infektionswelle – es ist die insgesamt 17. in jenem Land, in dem die Epidemie ihren Ausgang genommen hat.
Das Ebola-Fieber ist eine Zoonose, die durch Viren von Tieren – mutmaßlich von Nilflughunden, die mit den Fledermäusen verwandt sind – auf Menschen überspringt. Die Übertragung erfolgt durch den Verzehr von „Buschfleisch“, durch Körperflüssigkeiten oder durch kontaminierte Gegenstände. Die Inkubationszeit zwischen Infektion und Auftreten von Symptomen liegt meist zwischen 2 und 21 Tagen, am häufigsten sind es 8 bis 10 Tage. In dieser Zeit kann sich das Virus weiter ausbreiten. Bisher werden fünf Viren unterschieden, die Ebola auslösen: Das Zaire-, das Sudan-, das Taï-Forest- (früher Elfenbeinküste-) und das Bundibugyo-Virus (das gerade in der DR Kongo wütet) führen allesamt beim Menschen zu hohem Fieber in Verbindung mit Blutungen (hämorrhagisches Fieber). Bei der fünften Variante, dem Reston-Virus, ist der Ebola-Verlauf nicht ganz so schlimm. Je nach Virus liegt die Sterblichkeitsrate bei Ebola zwischen 25 und 90 Prozent. Im Durchschnitt stirbt rund die Hälfte der Infizierten.
Gegen einige Ebola-Viren gibt es prophylaktische Impfstoffe, jedoch nicht gegen das derzeit im Ostkongo grassierende Bundibugyo-Virus. Drei Hersteller arbeiten allerdings bereits intensiv an einem Impfstoff. Bisher können lediglich die Symptome behandelt werden. Seit 2018 werden in der Region auch immer wieder neue, noch nicht etablierte Medikamente experimentell eingesetzt, begleitet von klinischen Studien.
Quellen
- UNICEF über den aktuellen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo
- Ärzte ohne Grenzen über die Hintergründe des Ebola-Ausbruchs
- Karte der bisherigen Ebola-Ausbrüche
Das Thema in der WZ
Das Thema in anderen Medien
- Kronen Zeitung: Wie grausam ist Ebola, Herr Dr. Kühnel?
- ORF: Kein Impfstoff gegen aktuellen Ebola-Typ
- Frankfurter Rundschau: Passagier löst Ebola-Alarm in Flugzeug aus – Boeing darf nicht landen
- ORF: Ebola breitet sich ungewöhnlich rasant aus
)
)