Zum Hauptinhalt springen

Alle Infos und Quellen zum Inhalt

Engelbert Dollfuß – Versuch eines gerechten Porträts

Daten und Fakten 

  • Chronologie zu Engelbert Dollfuß 

    4. Oktober 1892: Engelbert Dollfuß wird als unehelicher Sohn der Bauerntochter Josepha Dollfuß und des Müllergehilfen Josef Wenninger in Texing (Niederösterreich) geboren. 

    1904-1913: Besuch eines Priesterseminars. 

    1913: Matura 

    1914: Aufnahme des Studiums der Rechtswissenschaften und der Nationalökonomie in Wien und Berlin. 

    Juni 1914: Dollfuß meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst, wird jedoch für untauglich befunden. Nach abermaliger Meldung zum Fronteinsatz wird er am 9. September 1914 für tauglich befunden. Er wird zum k.k. Landesschützen-Regiment Nr. II (den späteren k.k. „Kaiser-Schützen“ Nr. II) nach Südtirol beordert. Er erhält vier nachweisliche Auszeichnungen für besondere Tapferkeit (1916 die silberne Tapferkeitsmedaille Erster Klasse, 1917 das Karl-Truppenkreuz und die bronzene Militär-Verdienstmedaille, 1918 das Militär-Verdienstkreuz Dritter Klasse). 1918 beendet er seine militärische Karriere im Rang eines Oberleutnants.

    1919-1920: Dollfuß setzt sein Studiums in Berlin und Wien fort und engagiert sich in der katholischen Studentenbewegung (Cartellverband/CV). Er schließt das Studium mit der Promotion zum Dr. ab. 

    1920-1930: Dollfuß wird Mitglied des Christlich-Sozialen Niederösterreichischen Bauernbundes. Er arbeitet zunächst als Sekretär des Niederösterreichischen Bauernbundes. 1927 wird er Direktor der von ihm mitorganisierten Niederösterreichischen Landes-Landwirtschaftskammer und setzt gegen den Widerstand der eigenen Partei eine Pensionsreform für Bauern und Bäuerinnen sowie Landarbeiter:innen durch. Die weitsichtige Reform sichert ihm internationales Ansehen als Agrarfachmann und den Aufstieg in der Hierarchie der Christlich-Sozialen Partei. 

    1930: Dollfuß wird Präsident der Österreichischen Bundesbahn. 

    18. März 1931: Ernennung zum Bundesminister für Landwirtschaft und Forsten im Kabinett von Bundeskanzler Otto Ender und seines Nachfolgers Karl Buresch. 

    20. Mai 1932: Dollfuß wird an der Spitze einer konservativen Regierungskoalition österreichischer Bundeskanzler. 

    1932-1932: Dollfuß nimmt Kontakt zu Benito Mussolini, dem faschistischen Machthaber Italiens, auf: Italien solle als Schutzmacht die Unabhängigkeit Österreichs von Deutschland sicherstellen, was Mussolini zusagt. Dollfuß wirbt auch in Frankreich um Unterstützung in der Hoffnung, zum Schutz Österreichs eine anti-deutsche Allianz bilden zu können. Innenpolitisch tendiert Dollfuß zunehmend zu autoritären Vorgehensweisen. 

    1. Oktober 1932: Dollfuß umgeht erstmals das Parlament, indem er sich auf das Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz des Jahres 1917 stützt: Im Auftrag von Dollfuß erlässt Justizminister Kurt Schuschnigg im Einvernehmen mit Finanzminister Emanuel Weidenhoffer eine Verordnung über die Haftung der Verantwortlichen für den Zusammenbruch der Creditanstalt. 

    4. März 1933: Es kommt zu einer Panne im Parlament: Nach einer lautstarken Diskussion über die Geschäftsordnung treten nacheinander alle drei Parlamentspräsidenten zurück. In der für 15. März 1933 einberufenen Parlamentssitzung wäre die Panne reparierbar gewesen. Allerdings nützt Dollfuß das Vakuum, um, gestützt auf das Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz aus dem Jahr 1917, das Zusammentreten des Parlaments zu verhindern, indem er es mit der Polizei umstellen lässt. In der Folge entmachtet er auf der Basis von Notverordnungen den Nationalrat, suspendiert die parlamentarische Verfassung und verbietet in den nächsten Monaten zunächst die Kommunistische Partei (KPÖ) und danach den österreichischen Flügel der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). 

    21. Mai 1933: Mittels eines Appells in der „Wiener Zeitung“ gründet Dollfuß die „Vaterländische Front“ als Sammelpartei „aller Staatsangehörigen, die auf dem Boden eines selbständigen, christlichen, deutschen, berufsständisch gegliederten Bundesstaates Österreich stehen“. 

    11. September 1933: Erster General-Appell der von Dollfuß im Mai ins Leben gerufenen „Vaterländischen Front“ 

    3. Oktober 1933: Dollfuß wird vom Nationalsozialisten Rudolf Drtil durch zwei Schüsse verletzt. Der Attentäter wird „unter Berücksichtigung ‚geistiger Minderwertigkeit‘“ zu fünf Jahren Kerker verurteilt.

    10. November 1933: In einer Sitzung des Nationalrats wird die Verhängung des Standrechts in Österreich beschlossen. Damit wird die 1919 abgeschaffte Todesstrafe wieder eingeführt.

    1934: Im Februar versuchen Einheiten des sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbundes einen Aufstand, den Dollfuß in bürgerkriegsähnlichen Vorgängen blutig niederschlagen lässt. In der Folge werden für Anstifter und Teilnehmer am Aufstand zahlreiche Todesurteile ausgesprochen und vollstreckt. Zudem verbietet Dollfuß die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs.

    17. März 1934: Dollfuß unterzeichnet die „Römischen Protokolle", in denen er Österreich eng an das faschistische Italien und das ebenfalls faschistische Ungarn bindet. Am 1. Mai verkündet Dollfuß eine neue Verfassung für Österreich: Sie beseitigt die parlamentarische Demokratie, definiert Österreich als „christlichen Staat“ auf „ständischer Grundlage“ und erhebt die Vaterländische Front zur Staatspartei.

    25. Juli 1934: Engelbert Dollfuß wird bei einem Putschversuch österreichischer Nationalsozialisten im Bundeskanzleramt in Wien ermordet. 

  • Das Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz wurde während des Ersten Weltkriegs im Jahr 1917 erlassen. Es bevollmächtigt die Regierung der österreichischen Reichshälfte, Notverordnungen mit Gesetzeskraft ohne Beiziehung des Parlaments zu erlassen. Nach Kriegsende wurde das Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz von der provisorischen österreichischen Staatsregierung weiter angewendet. 1920 wurde es per Verfassungs-Übergangsgesetz in die Rechtsordnung der Republik übernommen. 

  • Der Gordische Knoten der griechischen Sage bestand in Seilen, die die Deichsel des Streitwagens des phrygischen Königs Gordios mit dem Zugjoch verbanden. Der Knoten war dermaßen kunstvoll geknüpft, dass ihn niemand lösen konnte. Einem Orakel zufolge sollte der, der es schaffte, die Herrschaft über Asien erlangen. Alexander der Große versuchte nicht, den Knoten aufzuknoten, sondern zerschlug ihn mit dem Schwert. Davon leitet sich die Redewendung ab, „den gordischen Knoten durchschlagen“, was die Überwindung eines Problems mit unkonventionellen Mitteln bedeutet. 

  • CV steht abgekürzt für Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen und ist ein Verband nichtschlagender, farbentragender Studentenverbindungen. Der CV ist der größte interdisziplinäre Akademikerverband Europas mit aktuell etwa 32.000 Mitgliedern in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien und Polen. Befreundete Verbindungen existieren in Belgien, Frankreich, Japan und Kamerun. Nachdem vom nationalsozialistischen Deutschland ausgehend alle CV-Dependancen in nationalsozialistischem Sinn gleichgeschaltet wurden, spaltete Engelbert Dollfuß den österreichischen Ableger ab. Deshalb gibt es seit 1933 den Österreichischen Cartellverband (ÖCV). 

  • Gyula Gömbös (1886-1936) war ein ungarischer General und ein führender Politiker des rechtsextremen Horthy-Regimes. Von 1932 bis 1936 war er Ministerpräsident Ungarns. 1918 war er Mitbegründer und Leiter der antisemitisch-nationalistischen Organisation „Erwachendes Ungarn“, 1923 gründete er die rechtsextreme Partei der ungarischen nationalen Unabhängigkeit, die ein antisemitisches Programm verfolgte. Durch seine Einführung der Wehrpflicht vergrößerte er die Königlich Ungarische Armee. 

Quellen 

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien