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"Ex-Prinz” Andrew, ein Hyatt-Erbe, ein CEO aus Dubai, und europäische Politiker, sie alle tauchen in den Epstein-Files auf. Jetzt kommen erste politische und persönliche Konsequenzen. Warum die juristischen Folgen aber noch auf sich warten lassen.
Immer mehr prominente Namen tauchen in den veröffentlichten Epstein-Dokumenten auf – etwa in Kontaktlisten, E-Mails oder Flugprotokollen. Im Januar und Februar 2026 wurden über drei Millionen neue Seiten Dokumente veröffentlicht. Eine große Welle an strafrechtlichen und sonstigen Konsequenzen bleibt bislang aus - allerdings kommt es nach und nach zu Hausdurchsuchungen und Rücktritten. Vorab: Trotz seiner bekannten Verurteilung als Sexualstraftäter blieb Epstein für viele offenbar weiterhin Teil ihres Netzwerks, wurde von ihnen nicht nur akzeptiert, sondern gar hofiert, was grundsätzlich schwierige moralische Fragen aufwirft.
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Die wichtigste Frage zuerst: “Warum sind die Konsequenzen bisher so lasch?”
Einerseits, weil viele der Dokumente noch ausgewertet werden, und vieles weiterhin unklar ist. Ob daraus noch weitere Konsequenzen entstehen, dürfte sich erst in den nächsten Wochen oder Monaten zeigen. Außerdem liegen viele der Ereignisse lange zurück, was Ermittlungen schwierig macht und teilweise auch rechtliche Grenzen wie Verjährung mit sich bringt. Ein Austausch mit Epstein allein reicht dafür nicht aus, konkrete Strafhandlungen schon, Für strafrechtliche Verfahren braucht es aber konkrete Beweise. Deshalb bleiben juristische Folgen bisher selten, während politischer Druck und Imageschäden oft schneller wirken.
Und wenn du dich fragst: “Warum treten diese Menschen zurück, wenn sie nicht juristisch belangt wurden?“
Viele treten zurück, auch wenn sie nicht verurteilt wurden, weil allein die Verbindung zu Epstein ihrem Ruf schadet. In Politik und Wirtschaft zählt Vertrauen, und das kann schneller verloren gehen, als ein Gerichtsverfahren dauert. Oft geht es weniger um Schuld im juristischen Sinn, sondern darum, ob jemand noch glaubwürdig ist. Ein Rücktritt soll dann verhindern, dass das Amt oder das Unternehmen dauerhaft unter Druck steht. Außerdem kann der Rückhalt in der Partei oder dem Unternehmen eben schnell wegbrechen, selbst wenn rechtlich noch nichts bewiesen ist.
Wer sind nun die Personen, deren Verbindungen zu Epstein politische und berufliche Konsequenzen mit sich ziehen?
Andrew Mountbatten-Windsor
Bruder des Britischen König Charles
Konsequenz: Kurzfristig verhaftet, wieder auf freiem Fuß, Ermittlungen laufen
Der ehemalige Prinz pflegte jahrelang ein vertrautes Verhältnis zu Epstein. Er kommt in den Epstein Files zahlreich vor. Darin schwadronierte Andrew unter anderem auch über Investitionsmöglichkeiten in Afghanistan, als dort noch der Krieg der NATO lief. Neu veröffentlichte Mails legen nahe, dass es während seiner Zeit als britischer Handelsgesandter in den Jahren 2010/2011 vertrauliche Handels- und Reisedokumente an Epstein weitergeleitet haben könnte. In Großbritannien kann das als Amtsmissbrauch gewertet werden. Auf Grundlage dieser Hinweise leitete die britische Polizei Ermittlungen gegen Andrew ein, die am 19. Februar letztendlich zu seiner Verhaftung führten - er durfte allerdings unter Auflagen wieder nach Hause. Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei führte zudem Durchsuchungen an mehreren seiner Wohnsitze in Norfolk und Berkshire durch. Für das britische Königshaus ist die Epstein-Andrew-Verbindung ein laufender Reputationsschaden. Klar ist auch, dass Epstein über Andrew exklusiven Zugang zu den britischen Royals und deren Immobilien hatte, wie mehrere Fotos mittlerweile belegen. Bereits vor den jüngsten Entwicklungen hatte der Fall um die US-australische Klägerin und Missbrauchsbetroffene Virginia Giuffre international für Aufmerksamkeit gesorgt. Giuffre warf Prinz Andrew vor, sie als Minderjährige sexuell missbraucht zu haben, nachdem sie über Epstein in sein Umfeld geraten sei. Andrew wies die Vorwürfe stets zurück. 2021 reichte Giuffre in den USA eine Zivilklage gegen ihn ein. 2022 wurde der Fall außergerichtlich beigelegt – ohne Schuldeingeständnis. Im Zuge der Affäre verlor Andrew bereits zuvor seine offiziellen royalen Aufgaben und militärischen Ehrentitel. Giuffre starb im April 2025 durch Suizid.
Tom Pritzker
“Hyatt”-Erbe
Konsequenz: Rücktritt
US-Milliardär und Luxushotel-Erbe Tom Pritzker verstand sich prächtig mit Epstein und kommt in zahlreichen Mails explizit vor. Unter anderem dank der Berichterstattung der WZ ist mittlerweile eine Mail bekanntgeworden, die er an Epstein in Afghanistan verfasst hat. Aus dieser geht hervor, dass Pritzker von den NATO-Truppen vor Ort als eine Art Kriegstourist hofiert wurde. Andere Mails verdeutlichen, dass Pritzker für Epstein als wichtiger Zwischenmann für Kontaktplanungen fungierte und in zahlreiche Unternehmungen des Sexualstraftäters involviert gewesen ist. Anfang der Woche trat Pritzker als langjähriger Vorstandsvorsitzender seiner internationalen Hotelkette Hyatt zurück. Strafrechtliche Ermittlungen gegen Pritzker wurden bis dato nicht eingeleitet.
Sultan Ahmed bin Sulayem
CEO in Dubai
Konsequenz: Rücktritt
Bin Sulayem ist ein einflussreicher Emirati und langjähriger Vorsitzender sowie CEO des globalen Hafen- und Logistikunternehmens DP World mit Sitz in Dubai. Er hat laut aktuellem Kenntnisstand Tausende von Mails mit Epstein ausgetauscht. Sie verdeutlichen eine langjährige geschäftliche als auch persönliche Beziehung. Epstein bezeichnete bin Sulayem unter anderem als „engen Vertrauten" und stellte über ihn zahlreiche andere Kontakte her. Berichten zufolge soll bin Sulayem Epstein auch ein Foltervideo geschickt haben. Am 13. Februar trat bin Sulayem von all seinen Positionen zurück. Es gab bis dato keine strafrechtlichen Anklagen gegen ihn.
Kathryn Ruemmler
Goldman Sachs Chefjuristin
Konsequenz: Rücktritt
Kathryn Ruemmler war unter Barack Obama von 2011 bis 2014 Chefjuristin des Weißen Hauses und damit oberste Rechtsberaterin des Präsidenten. Danach wechselte sie in die Privatwirtschaft und übernahm später den Posten der Chefjuristin bei der Investmentbank Goldman Sachs. Auch ihr Name tauchte in den Epstein Files auf. Dabei ging es konkret um ihre Kommunikation mit Epstein nach dessen erster Verurteilung im Jahr 2008. Sie nannte Epstein in den Mails „Onkel Jeffrey”. Laut „Wall Street Journal“ taucht Ruemmler in FBI-Notizen als eine der Personen auf, die Epstein unmittelbar nach seiner Festnahme kontaktiert haben sollen. Jetzt ist auch sie von ihrem Posten zurückgetreten. Strafrechtliche Ermittlungen gegen Ruemmler wurden nicht eingeleitet.
Mona Juul im Zusammenhang mit Terje Rød-Larsen
Diplomatie
Konsequenz: Rücktritt
Mona Juul ist eine norwegische Politikerin und frühere Diplomatin. Ihr Ehemann Terje Rød-Larsen leitete über viele Jahre das International Peace Institute (IPI) in New York. Terje Rød-Larsen war eine zentrale Figur bei den sogenannten Oslo-Verhandlungen Anfang der 1990er-Jahre. Er spielte eine maßgebliche Rolle bei den geheim geführten Gesprächen zwischen Israel und der PLO, die 1993 in den Oslo-Abkommen mündeten und damals als Durchbruch im Nahost-Friedensprozess galten. Auch seine Ehefrau Mona Juul war diplomatisch eingebunden. Sie unterstützte die vertraulichen Kontakte im Hintergrund und war Teil des kleinen Kreises, der die Gespräche organisatorisch und politisch absicherte.
In den veröffentlichten Epstein-Dokumenten tauchen beide im Zusammenhang mit Epsteins Kontakten und finanziellen Zuwendungen an das IPI auf. Epstein hatte die Organisation über Jahre unterstützt und nahm an Veranstaltungen teil. In Norwegen löste das eine Debatte über Transparenz und den Umgang mit Epsteins Netzwerk aus. Juul trat schließlich von ihrem politischen Amt zurück. Strafrechtliche Ermittlungen gegen Juul oder Rød-Larsen sind bislang nicht bekannt.
Jack Lang
Ex-Kulturminister Frankreich
Konsequenz: Rücktritt
Jack Lang ist ein französischer Politiker und war unter anderem Kulturminister Frankreichs sowie Präsident des Institut du Monde Arabe in Paris. Er taucht über 800 Mal in den Epstein-Akten auf. Laut Ermittlern hatte seine Familie offenbar enge Kontakte zu Epstein, auch finanziell. Die französische Finanzstaatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen Lang und seine Tochter Caroline Lang. Es geht um den Verdacht auf Geldwäsche und schweren Steuerbetrug. Im Fokus steht unter anderem eine Offshore-Firma, die Caroline Lang gemeinsam mit Epstein gegründet haben soll. Lang weist alle Vorwürfe zurück: Er habe eine „reine Weste“ und hoffe auf eine schnelle Aufklärung. Sein Anwalt betont, es habe keine Geldflüsse gegeben.
Caroline Lang trat bereits als Chefin eines Produzentenverbandes zurück. Jack Lang legte nun auch sein Amt als Präsident des Institut du monde arabe nieder.
Peter Mandelson & Morgan McSweeney
Ex-Minister Großbritannien
Konsequenz: Rücktritt McSweeney
Der britische Labour-Politiker Peter Mandelson war unter Premierminister Tony Blair mehrfach Minister sowie später EU-Handelskommissar. Auch er taucht mehrfach in den Files auf. Mandelson hat in der Vergangenheit bestätigt, Epstein gekannt und ihn auch getroffen zu haben.
Die Debatte um seine Person setzte zuletzt auch Premierminister Keir Starmer unter Druck, nachdem Mandelson zum britischen Botschafter in den USA ernannt worden war. Starmers Stabschef Morgan McSweeney erklärte nun seinen Rücktritt. In einer Stellungnahme räumte McSweeney ein, Starmer zur Ernennung Mandelsons geraten zu haben, und bezeichnete diese Entscheidung im Nachhinein als Fehler. Er übernehme dafür die volle Verantwortung. Strafrechtliche Ermittlungen gegen Mandelson sind bislang nicht passiert.
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Infos und Quellen
Transparenzhinweis
Der Text enthält nicht die vollständige Liste aller involvierten Personen und der damit zusammenhängenden Konsequenzen, die durch die Veröffentlichung der Epstein-Files bisher bekannt sind. Eine Erwähnung in den Akten bedeutet nicht automatisch strafrechtliches Fehlverhalten. Die Dokumente enthalten unter anderem Kontaktlisten, E-Mails, Flugprotokolle und Zeugenaussagen.
Daten und Fakten
- Jeffrey Epstein war ein US-Finanzier und verurteilter Sexualstraftäter. Epstein war vor einem weiteren Prozess im Jahr 2019 tot in seiner Haftzelle aufgefunden worden. Die Behörden gehen von einem Selbstmord aus.
- Epsteins langjährige Vertraute Ghislaine Maxwell wurde 2021 wegen Sexhandels verurteilt und zu 20 Jahren Haft verurteilt.
- Die Epstein-Akten umfassen Tausende von Seiten mit Dokumenten zu strafrechtlichen Ermittlungen wegen Sexhandels durch Jeffrey Epstein.
- Hinweise auf sexuellen Missbrauch erreichten das FBI bereits Mitte der 1990er-Jahre, erste Ermittlungen begannen 2005.
- Im Januar und Februar 2026 wurden über 3 Millionen neue Seiten Dokumente veröffentlicht.
- Prominente Namen in den Files sind auch unter anderem Donald Trump, Bill Clinton, Elon Musk, Bill Gates und die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit.
- Nach neuen Veröffentlichungen im Fall Epstein hat Microsoft-Gründer Bill Gates seinen geplanten Auftritt beim KI-Gipfel in Indien abgesagt. Die Gates Foundation erklärte, man wolle sicherstellen, dass der Fokus des Treffens nicht von anderen Debatten überlagert werde. Konkrete Gründe wurden nicht genannt. In den veröffentlichten Akten findet sich ein E-Mail-Entwurf aus dem Jahr 2013, der offenbar an Gates gerichtet war und auf Epsteins Konto gespeichert war. Darin werden unter anderem persönliche Vorwürfe erwähnt – Belege dafür gibt es nicht. Die bloße Nennung in den Dokumenten ist kein Beweis für Fehlverhalten.Gates wies die Vorwürfe zurück und sagte, die Mail sei nie verschickt worden. Er bezeichnete seine Treffen mit Epstein rückblickend als „Fehler“ und erklärte, es sei dumm gewesen, Zeit mit ihm verbracht zu haben.
Quellen
Das Thema in anderen Medien
- Tagesschau: Starmers Stabschef tritt wegen Mandelson-Affäre zurück
- Süddeutsche: Ex-Prinz Andrew nach Festnahme wieder freigelassen
- CNN: Powerful Dubai tycoon replaced after DOJ reveals sexually explicit emails with Epstein
- DerStandard: Hotel-Erbe Pritzker verlässt Hyatt wegen Epstein-Kontakten
- Der Spiegel: Geschenke von "Onkel Jeffrey" - Goldman-Chefjuristin tritt zurück
- Die Zeit: Norwegische Polizei ermittelt gegen Diplomatin Mona Juul
- ORF: Epstein-Akten: Razzia an Pariser Institut du Monde Arabe
Das Thema in der WZ
- Podcast: Was los? Mit den Epstein Files
- Wenn dein Idol in den Epstein-Files auftaucht
- Mit "Boys with Toys" in Afghanistan
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