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Erstes Gehalt und schon investieren?

9 Min
Schon zehn bis fünfzehn Prozent des monatlichen Netto-Einkommens zur Seite zu legen, kann den Weg zu einer finanziell abgesicherten Zukunft ebnen.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Adobe Stock

Sparen verdrängen viele, weil sie nicht wissen, wo oder wie sie anfangen sollen. Doch man muss nicht zum Finance Bro werden, um für eine abgesicherte Zukunft zu sorgen. Für Frauen spielt finanzielle Selbstbestimmung überdies eine besondere Rolle.


    • Sparen und Investieren ist wichtig, aber in Österreich verlassen sich viele noch immer nur auf die staatliche Pension.
    • Frauen sind besonders von Altersarmut betroffen, unter anderem wegen niedrigerer Pensionen und dem Gender Pay Gap.
    • Finanzberaterin Marietta Babos empfiehlt, früh mit Vorsorge zu beginnen, eine Notreserve zu bilden und verschiedene Anlageformen zu nutzen.
    • Sparquote in Österreich 2024: 11,7 %, in der Eurozone: 8,3 %
    • 32 % der alleinlebenden Pensionistinnen sind armutsgefährdet, 16 % der alleinlebenden Pensionisten
    • Frauen erhielten 2024 35,6 Prozent weniger Pension als Männer
    • Gender Pay Gap 2023 in Österreich: 18,3 %
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

„Wenn sorgsam umgehst du mit allen Dingen und dazu auch noch sparsam bist, dann wirst du’s bald zu etwas bringen, weil Sparefroh dein Helfer ist.“ Mit diesem Werbeslogan einer Bankengruppe Österreichs und ihrem Maskottchen Sparefroh, dem kleinen Männchen mit der Münze im Bauch, haben viele Generationen einen finanziell bewussten Umgang fast schon in die Wiege gelegt bekommen. Während das Sparen als Kind Spaß gemacht hat – dank der rasselnden Münzen im Sparschwein und des Geschenks am Weltspartag – wird es, je älter man wird, von Freude zur Notwendigkeit. Und man soll ja nicht nur sparen, sondern auch investieren.

Zwischen Zinsen, Inflation, Fonds, Versicherungen und Brokern verliert man allerdings schnell den Überblick. Doch wer zum Kopf-in-den-Sand-Stecken tendiert, kann finanzielle Selbstbestimmung verlieren, vor allem, wenn es um die Zukunft geht. Schon allein aufgrund der Tatsache, dass die Bevölkerung immer älter wird, kann man sich nicht mehr nur auf die staatliche Pension verlassen. Und auch, wenn wir in der Gegenwart vielleicht nicht aktiv vom Sparen profitieren – die Zukunft kann ganz anders ausschauen.

Wann wir wie viel gespart haben

Durchschnittlich werden in Österreich 11,7 Prozent des verfügbaren Einkommens auf die Seite gelegt, wie eine Erhebung der Wirtschaftskammer Österreich aus dem Jahr 2024 zeigt. Laut Statistik Austria lag der Durchschnitt in der Eurozone zur selben Zeit bei 8,3 Prozent. 2019 – also vor der Corona-Pandemie – wurden in Österreich 7,2 Prozent gespart, im Jahr darauf 13,6, was den höchsten Wert seit 1995 darstellt. 2022 wurde es mit 9,1 Prozent wieder weniger. Am wenigsten gespart wurde im Jahr 2017 mit 7,1 Prozent.

Wie wichtig den Österreicher:innen Sparen grundsätzlich ist, zeigt eine Umfrage der Erste Bank aus dem Jahr 2025. 80 Prozent der Befragten gaben demnach an, Sparen wichtig oder sehr wichtig zu finden – bei der Generation Z waren es sogar 85 Prozent. Außerdem verspürt mehr als die Hälfte der Österreicher:innen Sicherheit, was ihre finanzielle Zukunft betrifft, wie das Eurobarometer von 2022 zeigt: Mit 56 Prozent liegt Österreich über dem europäischen Durchschnitt von 45 Prozent.

Trotz Pension armutsgefährdet

Dennoch sind 16 Prozent der alleinlebenden Pensionisten und 32 Prozent der alleinlebenden Pensionistinnen von Altersarmut betroffen, so die Zahlen der Statistik Austria von 2024. Dass Frauen so viel stärker betroffen sind als Männer, kann mehrere Gründe haben: Sie übernehmen unbezahlte und zeitaufwändige Care-Arbeit, erhalten schlechtere Gehälter und auch das verzögerte Wiedereintreten in den Beruf nach der Geburt der Kinder, die Tendenz zur Teilzeitbeschäftigung und eine niedrigere Durchschnittspension spielen hier eine Rolle.

Vor allem bei Letzterem schneidet Österreich EU-weit nicht gut ab: Frauen beziehen hier laut einem Eurostat-Ranking von 2024 um 35,6 Prozent weniger staatliche Pension als Männer. Damit liegt Österreich an dritter Stelle und über dem europäischen Durchschnitt von 24,5 Prozent.

Marietta Babos weiß, wie es ist, wenn eine Frau von einem auf den anderen Tag von Altersarmut betroffen ist – so sei es ihrer Mutter ergangen, sagt sie im Gespräch mit der WZ. Deshalb gründete die Makroökonomin und Finanzberaterin „Damensache“, eine unabhängige Finanzberatungsplattform, die sich an Frauen richtet. „Mich hat stark beschäftigt, ob das Schicksal meiner Mutter ein Einzelfall ist. Dann bin ich draufgekommen, dass es gesellschaftlich verankert ist“, sagt sie. Per Gesetz basiert das Pensionssystem in Österreich auf drei Säulen: der staatlichen, der betrieblichen und der privaten Säule. Doch viele würden nur auf die staatliche Pension zugreifen, so Babos. Auch ihre Mutter gehöre dazu. „Das ist die verlorene Generation, die noch dachte, man kann von der Pension leben.“

Die Biografie spielt eine Rolle

Neben den niedrigeren Pensionen gibt es weitere Besonderheiten in weiblichen Biografien, die dazu führen, dass Frauen anders über Vorsorge nachdenken sollten, so Babos. Beispielsweise die statistisch höhere Lebenserwartung von Frauen. Dazu komme die Tendenz, sich ältere Partner:innen zu suchen. „Durchschnittlich müssen Frauen also die letzten zehn Jahre ihres Lebens allein finanzieren.“ Außerdem werden Frauen auch in den Jahren, in denen sie arbeiten, häufig geringer bezahlt, Stichwort Gender Pay Gap. Laut Statistik Austria lag dieser in Österreich 2023 bei 18,3 Prozent.

Deshalb sei es wichtig, sich früh mit Vorsorge auseinanderzusetzen. Wann genau? „Heute“, antwortet Babos. Man müsse aber nicht zu Expert:innen werden, dazu bleibe neben dem Job ja auch keine Zeit. „Es ist echt keine Rocket Science.“ Und wie viel sollte man monatlich sparen? Babos rät zu zehn bis 15 Prozent des Netto-Einkommens. Wer diesen Anteil nicht zur Verfügung hat, könne natürlich auch weniger sparen.

Und welche Sparformen gibt es nun eigentlich genau?

Das Sparbuch

Das Sparbuch ist nach wie vor unangefochtene Nummer eins in Österreich. Laut Studien der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) und der Erste Bank aus 2025 steht dieses an erster Stelle für Österreicher:innen. Es garantiere Einlagensicherung und das Geld stehe jederzeit zur Verfügung, sagt Finanzberaterin Babos. Sie empfiehlt das Sparbuch daher, um eine Reserve zu haben, und nicht für Pensionskapital. Eine Alternative ist laut Babos die österreichische Staatsanleihe, der Bundesschatz: Er garantiert eine uneingeschränkte Einlagensicherung. Das bedeutet, dass auch Beträge über 100.000 Euro abgesichert sind – im Gegensatz zu Banken, bei denen man im Insolvenzfall alle Beträge, die über die 100.000 Euro hinausgehen, verliert, erklärt sie. Doch die Einlagensicherung allein reiche nicht, dass man sich für diese Variante zur Altersvorsorge entscheidet, denn selbst der beste Zinssatz gleiche die aktuelle Inflation nicht aus: „Man kann nur Schadensbegrenzung machen.“ Der Zinssatz ist bei beiden Angeboten ähnlich.

Wertpapiere

Als zweite Investitionsmöglichkeit nutzen Österreicher:innen laut EY und Erste Bank Wertpapiere. Hier unterscheidet man zwischen einzelnen Aktien und Wertpapierfonds oder ETFs. Letzteres sind ein Sammelsurium an Wertpapieren verschiedener Unternehmen – geht eines insolvent, wird dies durch die anderen abgefedert. Man kann diese bei Banken oder bei Versicherungen kaufen, wobei es Unterschiede bei der zeitlichen Gebundenheit und den Steuern gibt, erklärt Babos. Bei Banken und Online-Brokern könne man sich das Geld jederzeit auszahlen lassen, müsse aber die Kapitalertragssteuer von 27,5 Prozent bedenken. Kaufe man dasselbe Produkt, etwa Wertpapierfonds oder ETFs, bei Versicherungen, und verzichte man 15 Jahre lang auf den Zugriff, so sei man von der Kapitalertragssteuer zur Gänze befreit, und das Finanzamt verlange nur vier Prozent Steuern bei der Einzahlung. Wofür man sich entscheidet, hänge vom Verwendungszweck ab, sagt Babos. „Letzteres macht für die Pensionsvorsorge Sinn, aber wenn man für eine Wohnung ansparen möchte, ist man mit einem Bankdepot besser beraten.“

Edelmetalle

Gold hat weltweit den größten Vermögenswert und hat auch in Österreich weiterhin Beständigkeit. Babos sowie die Studien von EY und Erste Bank bestätigen, dass es hierzulande weiterhin eine beliebte Investitionsmöglichkeit ist. Die Popularität erklärt sich Babos damit, dass Unsicherheiten in der Welt immer auch Preistreiber seien. Das sei auch beim Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 so gewesen. „Von einem Tag auf den anderen sind die Kapitalmärkte eingebrochen, es herrschte Weltuntergangsstimmung. Zu so einem Zeitpunkt suchen die Anleger:innen dann immer etwas, was sie verstehen und in die Hand nehmen können. Und das ist Gold.“ Außerdem zahle man in Österreich bei physischem Gold keine Steuer auf den Gewinn; Voraussetzung sei aber, frühestens nach einem Jahr zu verkaufen.

Immobilien und Bausparer

In den beiden Umfragen werden Immobilien und Bausparverträge zwar nicht erwähnt, sie zählen aber ebenfalls zu den Investitionsmöglichkeiten. Für Immobilien braucht man 20 Prozent Eigenmittel vom Kaufpreis. Kaufe man beispielsweise eine Wohnung noch in jungen Jahren, so könne es durchaus sein, dass der preisliche Unterschied zwischen einer monatlichen Kreditrate und einer monatlichen Miete nicht groß sei. Babos sei sich aber natürlich dessen bewusst, dass das nicht für alle möglich sei: „Wenn ich einen Zauberstab hätte, besäße jeder Mensch eine Immobilie, weil das ein wesentlicher Schutzfaktor vor Altersarmut ist.“ Den Bausparvertrag erklärt sie für tot und empfiehlt ihn nicht als Anlageform, da der Zinssatz weit unter der Inflation liege und man sechs Jahre lang gebunden sei, auch wenn „Österreich das Land der Bausparverträge ist“.

Notreserve

Bevor man überhaupt investiert, sei es aber erstrangig, eine Notreserve am Konto zu haben. Die „Damensache“-Chefin empfiehlt dafür etwa das Dreifache der monatlichen Kosten. Das sei vor allem dann wichtig, wenn man sich beruflich neu orientieren will oder ungeplante Kosten anfallen könnten.

Als Credo gilt laut Babos: Je früher man beginnt, desto weniger muss man monatlich beiseitelegen. Studiert man beispielsweise noch, so würden 50 Euro schon reichen. Grundsätzlich empfiehlt sie, mehrere Absicherungsmöglichkeiten zu haben. Ein Sparbuch wäre nach wie vor empfehlenswert; möchte man wirklich aktiv investieren, so sollte man sowohl Aktienfonds als auch Gold besitzen. Und kommt man beispielsweise durch den Verkauf einer Immobilie oder durch eine Erbschaft ungeplant an viel Geld und weiß noch nicht, wohin damit, dann würde sich der Bundesschatz zur Zwischenverwahrung eignen.

Tatsache ist aber freilich auch: Nicht jede:r will oder kann sich das Sparen leisten. Jene, die ohnehin armutsgefährdet sind, müssen sich um andere Dinge als um Vorsorge kümmern. Es geht darum, tagtäglich zu überleben. Wenn wesentliche finanzielle Mittel fehlen, so hilft selbst die beste Finanzbildung nicht.

Sparen und Investieren sind also individuell – abhängig von Verwendungszweck und Lebensplan. Zu wissen, was möglich ist und was man will, ist dabei wohl das Wichtigste. Und so wie es Sparefroh schon geraten hat: „Bedenke, dass die schönsten Stunden nicht unbedingt mit Geld verbunden. Genieß den Urlaub, ruh dich aus, doch wirf nicht all dein Geld hinaus.“


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Infos und Quellen

Gesprächspartnerin

  • Marietta Babos ist Makroökonomin, Finanzberaterin und Managing Director der Beratungsplattform „Damensache”.

Daten und Fakten

  • In der Ö3-Jugendstudie wurden 16 bis 25-Jährige gefragt, welches Fach sie einführen würden, wenn die Bildungsminister:in wären. Mit 83 Prozent Zustimmung lag Finanzbildung auf Platz 1. (Ö3-Jugendstudie)
  • Mit Beginn des Schuljahres 2025/2026 wurde vom Finanzbildungsrat, dem Entscheidungsgremium der nationalen Finanzbildungsstrategie, das Fach „Wirtschaft, Innovation und Nachhaltigkeit“ in wirtschaftskundlichen Realgymnasien eingeführt. Laut Bildungsministerium handelt es sich um einen schulautonomen Gegenstand, wird aber aktuell von allen wirtschaftskundlichen Realgymnasien in Österreich flächendeckend unterrichtet und ist demnach verpflichtend. (Bundesministerium für Finanzen)
  • Der Medianpreis für Wohnhäuser lag 2024 in Österreich bei 2.709 Euro pro Quadratmeter. Wohnungen sind mit 4.000 Euro pro Quadratmeter teurer. (Statistik Austria)
  • 2022 wurde die KIM-Verordnung, die Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung, von der Finanzmarktaufsicht eingeführt. Sie besagte, dass man zum Kauf von Immobilien mindestens 20 Prozent Eigenkapital haben müsste, die Kreditrate aber nicht mehr als 40 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens ausmachen dürfte. Ziel war es, die Banken vor Kreditausfällen zu schützen. Im Juni 2025 wurde die Verordnung abgeschafft, weil es zu einem Immobiliencrash kam; die Menschen konnten sich eine Immobilie nicht mehr leisten. (Der Standard, WZ)
  • Die Kreditrate betrug 2024 im Jahresschnitt 61 Prozent des monatlichen Nettogehalts, Juni 2025 waren es 53 Prozent. (Durchblicker)

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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