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Europas Sicherheitsnetz gegen Krankheitskeime im Essen

3 Min
Mathias Ziegler beleuchtet in seiner Kolumne alle zwei Wochen EU-Themen.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

Intensive Kontrollen und ein EU-weites Schnellwarnsystem machen unsere Lebensmittel möglichst sicher.


    • In Europa sorgt ein umfassendes Kontrollsystem wie das RASFF für schnelle Reaktionen bei Lebensmittelsicherheitsproblemen.
    • Striktere Regeln und Kontrollen haben lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche in Österreich von 609 auf 33 pro Jahr reduziert.
    • Legionella pneumophila breitet sich durch Kühlanlagen von Rechenzentren aus und stellt eine wachsende Gesundheitsgefahr dar.
    • In Österreich wurden lebensmittelbedingte Ausbrüche von 609 (2006) auf 33 gesenkt.
    • Pro Jahr werden rund 30.000 Lebensmittelproben in Österreich untersucht.
    • Das EU-Schnellwarnsystem RASFF existiert seit 1979.
    • EFSA wurde 2002 nach mehreren Lebensmittelskandalen gegründet.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Lebensmittelsicherheit ist gerade ein großes Thema in den USA. Der Grund dafür ist eine Durchfallwelle mit mehr als 10.000 Erkrankten und zumindest zwei Toten. Die mutmaßliche Ursache sind einerseits Fäkalkeime in Eisbergsalat und andererseits Salmonellen in Eiern aus Bodenhaltung. Betroffen sind bisher 17 Bundesstaaten. In beiden Fällen handelt es sich um die Produkte von Branchenriesen mit dominanter Marktposition. Genau diese Abhängigkeit von einzelnen großen Anbietern kann bei solchen Kontaminationen fatal sein, weil diese sich dadurch umso leichter ausbreiten können, warnen Expert:innen.

Da drängt sich die Frage auf: Wie sicher sind eigentlich die Lebensmittel in Europa? Natürlich können auch bei uns landwirtschaftliche Produkte verunreinigt werden. Ein umfassendes System an Kontrollen, Überwachungen und Analysen soll aber das Risiko vom Acker beziehungsweise Stall bis zum Teller minimieren. Dazu gehört das bereits 1979 eingeführte EU-weite Schnellwarnsystem RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed), an dem auch Drittstaaten außerhalb Europas beteiligt sind. Über das RASFF stehen die Lebensmittelbehörden der einzelnen Mitgliedstaaten in ständigem Kontakt. Taucht also in einem EU-Land ein Problem auf, wissen alle anderen sofort darüber Bescheid und können entsprechend reagieren.

EU-Kommission überprüft Mitgliedstaaten

Betrieben und koordiniert wird das Schnellwarnsystem von der EU-Kommission, die auch Warnmeldungen veröffentlicht. Das Food and Veterinary Office (FVO) der EU-Kommission überprüft zudem regelmäßig die Mitgliedstaaten, die ihrerseits die Einhaltung der Vorschriften kontrollieren müssen. Die FVO-Berichte werden regelmäßig publiziert.

Im gesamten EU-Binnenmarkt unterliegen alle Lebensmittel – auch importierte Produkte aus Drittstaaten – denselben Sicherheits- und Kennzeichnungsvorschriften. Eine wichtige Rolle in diesem Gefüge spielt auch die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die als unabhängige Institution wissenschaftliche Daten zu Risiken erhebt. Gegründet wurde sie im Jahr 2002 als Folge mehrerer Lebensmittelskandale in den 1990ern, von BSE („Rinderwahn“) über Glykol im Wein bis „Gammelfleisch“.

Von 609 auf 33 Ausbrüche reduziert

In Österreich sind mehrere Behörden für die Lebensmittelsicherheit zuständig. Das Gesundheitsministerium überträgt die Aufgabe der Lebensmittelüberwachung an die Bundesländer, daneben gibt es die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES), eine Gesellschaft im Eigentum der Republik. Diese fungiert als Kontaktstelle zu den EU-Schnellwarnsystemen. Ob Supermarkt oder Gastronomie: Pro Jahr werden in Österreich rund 30.000 Lebensmittelproben untersucht – und verunreinigte Produkte aus dem Verkehr gezogen beziehungsweise zurückgerufen.

In den vergangenen 20 Jahren konnte die Zahl der lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüche in Österreich von 609 im Jahr 2006 auf zuletzt 33 drastisch gesenkt werden. Und in der EU werden zwar immer noch jährlich mehr als 90.000 Mal Salmonellen gemeldet (und zwar nicht nur bei Hühnerfleisch oder Eiern, sondern zum Beispiel auch bei Paradeisern durch kontaminiertes Wasser), aber bereits in den 2000er-Jahren hat sich deren Zahl durch striktere Regeln und Kontrollen europaweit nahezu halbiert.


Legionellen auf dem Vormarsch – auch dank Rechenzentren

Abseits der Lebensmittelsicherheit macht den Gesundheitsbehörden übrigens noch ein ganz anderer Keim immer größere Sorgen: das Bakterium Legionella pneumophila, das die Legionellen-Pneumonie (eine schwere Form der Lungenentzündung) oder das Pontiac-Fieber (grippeähnliche Beschwerden, manchmal auch Brustschmerzen und Husten) auslösen kann. Übertragen wird der Erreger, der sich bei Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad Celsius besonders wohlfühlt, durch das Einatmen von Wassertröpfchen in der Luft, etwa beim Duschen, durch Whirlpools oder Klimaanlagen.

Zwar kann man sich daheim schützen, indem man das Heißwasser auf mehr als 60 Grad erwärmt, um Legionellen abzutöten, und das Kaltwasser unter 20 Grad hält, um ihre Vermehrung zu verhindern. Doch Expert:innen warnen gerade mit Blick auf die Digitalisierung vor einer neuen Gefahr: Datencenter nutzen nämlich Verdunstungsgeräte zur Kühlung, und die dort herrschenden Temperaturen und Feuchtigkeit sind der ideale Nährboden für Legionellen, die dann durch die oft riesigen Ventilatoren der Kühlanlagen kilometerweit verteilt werden können.


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Infos und Quellen

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