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Exorzismus am Smartphone: US-Predigerin erreicht Österreich

5 Min
Die 5F Church aus den USA missioniert jetzt auch in Österreich.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Adobe Stock

Die 5F Church rund um US-Predigerin Kathryn Krick bewirbt angebliche Wunderheilungen und Dämonenaustreibungen auf Social Media. Kritiker:innen warnen vor Personenkult und gefährlichen Heilungsversprechen. Jetzt ist die Bewegung auch in Österreich.


„Das Erweckungsfeuer ist hier in Österreich. Halleluja. Es ist nicht mehr aufzuhalten. Es bricht durch alle Ecken und Enden.“ Wir befinden uns im Zoom-Meeting der österreichischen Kleingruppe der 5F Church, auch „Five-Fold Church“ genannt. Gruppenleiter Marcus appelliert freudestrahlend an die Teilnehmenden, sich „vorzubereiten“ und Teil der weltweiten Bewegung zu werden.

Die neocharismatische, pfingstliche Gruppierung wurde 2017 in Los Angeles gegründet. Bei ihr steht das Wirken des Heiligen Geistes im Zentrum. An ihrer Spitze steht die US-amerikanische Predigerin Kathryn Krick, die sich selbst Apostelin nennt. Ihren Durchbruch erlebte sie inmitten der Coronapandemie: Während reguläre Kirchen schließen mussten, verlagerte Krick ihre Predigten in Parks – und auf Social Media, wo sie angebliche Dämonenaustreibungen und Wunderheilungen emotional in Szene setzte. Das tut sie auch heute noch. Jeder Sonntags-Gottesdienst wird live übertragen. Ihre Social-Media-Kanäle erreichen heute mehrere hunderttausend Follower.

Die TikTok-Kirche betreibt ein internationales Netzwerk, mit Kleingruppen in vielen Ländern. Seit letztem Jahr hat sie auch einen österreichischen Ableger, der aus wöchentlichen Zoom-Meetings und gelegentlichen analogen Treffen besteht. Die Bewegung ist bereits auf dem Radar der Bundesstelle für Sektenfragen, die die Werbungen für Wunderheilungen kritisiert, wie sie dem Magazin campus a mitteilte. „Ich sehe hier auf jeden Fall einen Personenkult“, sagt auch Edith Schiemel, Beauftragte für Sekten- und Weltanschauungsfragen der evangelischen Kirche in Österreich, im WZ-Interview. „Es ist fraglich, wenn sich alles um eine einzelne Person dreht und diese als zentrale Vermittlerin von Heilung oder göttlicher Macht wahrgenommen wird.“

Die Verheißung der Heilung

„Healed of HIV!“, lautet der Titel eines Videos von Kathryn Krick auf YouTube. Darin legt sie einem jungen Mann die Hand auf den Kopf. „Gott befreit dich jetzt!“, ruft sie. Er beginnt zu zittern, fällt zu Boden, die Menge jubelt. „Ich erkläre, dass HIV jetzt von dir verschwunden ist, im Namen Jesu“, sagt Krick ein paar Wochen später zu ihm. Der Mann erzählt vor laufender Kamera, er sei vollständig geheilt.

Eigentlich wollte Kathryn Krick Schauspielerin und Sängerin christlicher Popmusik werden. 2013 zog sie dafür nach Los Angeles, der große Erfolg blieb jedoch aus. Später lernte sie den tansanischen Prediger Geordavie kennen, der heute als ihr spiritueller Mentor gilt. Er prophezeite ihr, dass sie zur „Apostelin Jesu Christi“ berufen sei. Eine klassische theologische Ausbildung thematisiert Krick öffentlich nicht.

Kathryn Krick in a green blouse holds a microphone, touching a man's head during a 5F Church gathering, with an audience clapping and praying nearby.
Kathryn Krick erreicht mit Videos von angeblichen Heilungen und Exorzismen tausende Menschen auf Social Media.
© Screenshot/Youtube-Kanal "ApostleKathrynKrick"

In Österreich wird die 5F-Kleingruppe vom jungen Ehepaar Vanessa und Marcus geleitet. Sie reisten 2023 selbst nach LA, um Kricks „Salbung“ zu erhalten. Auch im Zoom-Meeting dreht sich alles um die US-Predigerin: Sie bezeichnen sie als „geistliche Mutter“, als Sprachrohr Gottes, teilen emotionale Predigten und Ausschnitte aus Kricks Livestreams. „Wir sahen, wie Menschen von jahrzehntelangen Süchten befreit wurden, von Depressionen und Suizidgedanken“, schildert die Predigerin darin eindringlich.

Für Expert:innen wie Schiemel sind solche Aussagen problematisch. „Ich finde es schwierig, wenn sich jemand als Wunderheilerin darstellt und Heilungen auch bei schweren oder potenziell lebensbedrohlichen Krankheiten in Aussicht stellt.“ Denn dadurch bestehe die Gefahr, dass Menschen medizinische Behandlungen abbrechen oder verzögern. Auch Dämonenaustreibungen können laut der Pfarrerin bedenklich sein, „insbesondere, weil sie oft psychisch belastete oder vulnerable Menschen ansprechen.“

Exorzismus im TikTok-Format

Aber warum können solche Heilungs- und Befreiungsrituale überzeugend wirken? Laut Religionswissenschaftlerin Nicole Bauer liegt das daran, dass sie Krisen oder Leid „in eine klare religiöse Ordnung einbetten“ und dadurch „Sinnstiftung und Handlungsfähigkeit“ vermitteln.

Durch „körperlich sichtbare Formen religiöser Ergriffenheit“ wie Zittern, Weinen, Schreien oder Umfallen könne religiöse Erfahrung „kollektiv nachvollziehbar gemacht werden“. Charakteristisch für pfingstlich-charismatische Bewegungen sei zudem ein „ausgeprägter Dualismus zwischen Gut und Böse“. „Dämonen werden als reale Kräfte verstanden, die aktiv in das Leben von Menschen eingreifen könnten“, erklärt Bauer.

Social-Media-Plattformen wie TikTok oder Instagram seien zentral. „Sie ermöglichen eine enorme Emotionalisierung und Dramatisierung religiöser Inhalte in kurzen, visuell eindrücklichen Formaten.“

Kritik als Werk des Teufels

Kritik begegnet Kathryn Krick mit scharfer Ablehnung. In einem im Zoom-Meeting geteilten Video beschreibt sie Widerstand gegen die Bewegung als Teil eines geistlichen Kampfes. Der Teufel versuche mit seiner „Munition“, die „Erweckung aufzuhalten“. Sie vergleicht ihre Situation mit den biblischen Geschichten von David und Josef, die wegen ihrer göttlichen Berufung verfolgt worden seien.

Die Kleingruppenleiter Marcus und Vanessa werben im Meeting auch immer wieder für Kricks neues Buch „Ignite Revival“. Außerdem bitten sie um Spenden für Projekte und Veranstaltungen. Genau solche finanziellen Aufrufe sind unter anderem Teil der öffentlichen Kritik. „Wenn für bestimmte religiöse Angebote Geld verlangt wird, stellt sich die Frage nach der Seriosität“, sagt Schiemel.

Die WZ hat 5F Austria für den Artikel um Stellungnahme gebeten, jedoch keine Antwort erhalten. Im Zoom-Meeting werden die Aussagen der selbsternannten Apostelin Krick jedenfalls nicht hinterfragt. Im Gegenteil. Es endet mit einem gemeinsamen Gebet und Halleluja-Rufen.


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Infos und Quellen

Gesprächspartner:innen

  • Edith Schiemel, Pfarrerin und Beauftragte für Sekten- und Weltanschauungsfragen der evangelischen Kirche in Österreich
  • Nicole Bauer, Religionswissenschaftlerin

Daten und Fakten

  • Der Name der 5F Church bezieht sich auf den „fünffältigen Dienst“. Nach diesem wird die Kirche durch fünf Rollen aufgebaut: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer.
  • In Österreich befindet sich die 5F-Kleingruppe erst im Aufbau. Im Zoom-Meeting, das die Autorin besuchte, waren rund zehn Personen anwesend. Es werden manchmal auch analoge Treffen organisiert.
  • Pfingstler:innen und Charismatiker:innen sind Christ:innen, die besonderen Wert auf die Wirkung des Heiligen Geistes legen. Dazu gehören etwa Erfahrungen wie Heilungen, Prophetie oder das Sprechen in unbekannten Sprachen (Zungenrede).
  • Die Pfingstbewegung entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als eigene christliche Bewegung. Die charismatische Bewegung verbreitete ähnliche Glaubensvorstellungen später auch in bestehenden Kirchen, etwa der katholischen Kirche. Die Grenzen zwischen beiden Gruppen sind dabei oft fließend.
  • Weltweit zählen pfingstlich-charismatische Bewegungen zu den dynamischsten Strömungen des Christentums. Laut einer Analyse des Pew Research Center gab es bereits 2011 rund 279 Millionen Pfingstler:innen und 305 Millionen Charismatiker:innen weltweit. Zusammen machten sie damals rund 27 Prozent aller Christ:innen aus.
  • Neuere Schätzungen gehen von weiterem Wachstum aus: Laut dem Compact Atlas of Global Christianity stieg der Anteil pfingstlich-charismatischer Christ:innen an der Weltbevölkerung von unter zwei Prozent im Jahr 1975 auf rund acht Prozent im Jahr 2025. Besonders stark verbreitet sind die Bewegungen in Afrika südlich der Sahara und in Südamerika.
  • Ein weiterer Report des Pew Research Center bezeichnete Pfingstkirchen und charismatische Bewegungen bereits 2006 als „eine der am schnellsten wachsenden Strömungen des globalen Christentums“. Charakteristisch seien Wunderheilungen, Exorzismen, Prophetie und die direkte Wirkung des Heiligen Geistes im Alltag.
  • Gleichzeitig verlieren viele traditionelle Großkirchen in Europa Mitglieder. Laut dem Pew Research Center sank der Anteil der Christ:innen an der Weltbevölkerung zwischen 2010 und 2020 trotz absolutem Wachstum von 30,6 auf 28,8 Prozent. Gründe sind vor allem Kirchenaustritte und religiöse Entfremdung in Europa und Nordamerika.

Quellen

Das Thema in der WZ

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