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Feral Pop: Slayyyters wütende Musik für wütende Frauen

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Slayyyter zeigt, dass der kompromisslose Spirit des „Brat Summer“ noch lange nicht vorbei ist.
© Illustration: WZ / Paul Kremsleithner. Bildquelle: Getty Images.

Auch zwei Jahre nach dem „Brat Summer“ lebt der Spirit der ungezähmten Pop Girls weiter. Allen voran zeigt Slayyyter gerade, was es bedeutet, keine Kompromisse mehr einzugehen.


„Feral“, das bedeutet zu Deutsch so viel wie „wild“, „ungezähmt“ oder „widerspenstig“. Aktuell wird dieser Begriff gerne genutzt, um eine immer mehr beachtete Strömung im Pop zu beschreiben – und treffender hätte man das Subgenre des „Feral Pop“ nun wirklich nicht taufen können. Was das genau heißt? Es geht sowohl inhaltlich als auch musikalisch um Zügellosigkeit, Maximalismus und Rockstar-Attitude. Bloß keine falsche Zurückhaltung, keine Anstalten, als „brave“ Frau wahrgenommen zu werden. Die Vorreiterinnen der wilden Pop-Girls: Slayyyter, Kim Petras, Kesha und – natürlich – Charli xcx.

Das Type-B-Girl in der A-Liga

Letztere hat sich den Stempel der Ungezähmten in den letzten zehn Jahren hart erarbeitet und mit „Brat“ endgültig die Ära der Messy Girls eingeläutet. „Brat“ war krachig und tiefgründig zugleich, eine eindeutige und kompromisslose Ansage an alle Clean Girls da draußen, die elektronisch-hedonistischen Dance Pop in den Mainstream bugsiert hat. Im Windschatten dieses Pop-Moments blüht zwei Jahre später der „Feral Pop“ auf – insbesondere ein Verdienst der US-Künstlerin Slayyyter.

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Über Jahre hinweg baute sie sich eine treue Fangemeinde auf und genoss vor allem unter queeren Popliebhaber:innen Kultstatus. Der große Durchbruch, der ihre Karriere auch finanziell rentabel machen sollte, blieb aber aus – bis sie einen letzten Wurf wagte. Für ihr drittes Album „Wor$t Girl in America“ nahm sie sich vor, auf alle Anforderungen von außen zu pfeifen, und fragte sich: „Wenn ich morgen sterbe, was ist das letzte Stück Kunst, das ich in der Welt hinterlassen möchte? Ich will Dinge machen, die ich in der High School cool gefunden hätte und die ein bisschen Punk-Electronic in sich tragen.“ Der Rest ist schon jetzt Popgeschichte: Nach einem viralen Auftritt beim Coachella-Festival spielt das Type-B-Girl des Pop jetzt in der A-Liga. Hätte sie „Wor$t Girl in America“ vor ein paar Jahren veröffentlicht, sähe das Ganze vermutlich ein bisschen anders aus. Heute treffen der dreckige Sound und die arrogant-fotzigen Lyrics den Zeitgeist.

Die unkontrollierbare Frau

Auch mit ihrer Ästhetik trifft Slayyyter ins Schwarze: Sie spielt mit den 00er-Jahren, aber auf ihre ganz eigene Art. Statt der glamourösen Hüfthosen-und-Strassstein-Nostalgie, wie wir sie von Stars wie Zara Larsson kennen, nutzt Slayyyter lieber Einflüsse und Elemente, die früher belächelt oder gar als „White Trash“ abgewertet wurden. Denn auch das ist Teil des „Feral-Pop“-Hypes: ein Look and Feel, den manche vielleicht als „trashig“ bezeichnen würden. Nicht nur visuell will Slayyyter den Trash-Stempel reclaimen: In ihrem Song „Brittany Murphy“ zollt sie der verstorbenen 00er-Ikone Tribut, in Interviews spricht sie über ihre Liebe zu Britney Spears oder „The Hills“-Popstar Heidi Montag.


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Genau dieses Spiel mit der frühen, skandalösen und wilden 00er-Promi-Kultur macht den „Feral Pop“ so spannend, wie Pop-Podcasterin Charlie Harding dem Guardian erzählt: Früher wurden Stars wie Paris, Britney oder Brittany wahlweise gerne als „dümmlich“ oder „außer Kontrolle“ geframed – und Fan ihrer ganz speziellen Art des „Internet-Glamour“ zu sein, galt als „geschmacklos“. Die „Feral-Pop“-Girls würden beweisen, dass sie mit diesem Vibe spielen können und trotzdem alles andere als „dumm“ sind. Sie sind die Masterminds hinter ihrer Kunst und stehen symbolisch für die unkontrollierbare Frau.

Seit dem „Brat Summer“ hat sich der „Feral Pop“ also ganz klar weiter radikalisiert – genauso wie die Welt, in der wir leben: Wohin wir blicken, ist von Selbstoptimierung die Rede, von Ozempic, Protein und Longevity. Von Tradwives, der Manosphere und Misogynie, die viel zu oft in Femiziden gipfelt. Kein Wunder also, dass wir wütend sind – und wütende Musik von Frauen wollen, von der wir uns verstanden fühlen.

Die freie Journalistin, Autorin und Popkultur-Expertin Verena Bogner schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne für die WZ.


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