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Arbeitszeit: Fleißig, fleißig?

3 Min
Georg Renner schreibt jede Woche einen sachpolitischen Newsletter. Am Samstag könnt ihr den Beitrag online nachlesen.
© Fotocredit: Georg Renner

Die vergangenen Tage waren innenpolitisch von der Arbeitszeitdiskussion geprägt: von der Industriellenvereinigung, die die gesetzliche Höchstarbeitszeit gern von 40 auf 41 Stunden pro Woche erhöhen würde.


Mehr arbeiten ohne mehr dafür bezahlt zu bekommen? Die Industriellenvereinigung schlu kürzlich vor, die Arbeitszeit von 40 auf 41 Stunden zu erhöhen, ohne mehr dafür zu bezahlen, natürlich. Die Diskussion darüber war geprägt von ihren gewerkschaftlichen Gegenübern, die eher für eine Arbeitszeitverkürzung zu haben wären – ohne dafür weniger bezahlt zu bekommen, natürlich –, und den Parteien, die sich in diesem Spannungsfeld mal mehr, mal weniger geschickt bewegen.

Die ganze Debatte findet nicht in einem luftleeren Raum statt. Ich würde gern der Frage nachgehen, wie viel die Österreicher:innen jetzt schon arbeiten, wie wir im internationalen Vergleich liegen und welche Trends sich bei der Arbeitszeit bemerkbar machen.

Wir haben dazu ziemlich gute Daten, und zwar dank des Arbeitskräfte-Mikrozensus der Statistik Austria. Der Mikrozensus, das ist eine Hochrechnung von Daten auf sehr, sehr breiter Basis: Rund 1.500 Haushalte werden jede Woche von der Statistik Austria zu ihrem Erwerbsleben (bzw. auch dem Mangel an demselben) befragt und sind verpflichtet, Auskunft zu geben. Die daraus gesammelten Daten werden dann auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet, das gibt sehr solide Auskunft über Trends wie Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Einkommen – und eben auch die Arbeitszeit.

Und wie hat sich die Arbeitszeit in den vergangenen Jahren entwickelt? Schauen wir uns als erstes das Volumen tatsächlich geleisteter Erwerbsarbeit (sowohl von unselbständig als auch selbständig Beschäftigten) an – in absoluten Zahlen:

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Auf den ersten Blick schaut das recht vertraut aus, wie viele wirtschaftliche Statistiken: Nach Einbrüchen in der Finanzkrise und während der Pandemiemaßnahmen sind wir in den vergangenen Jahren wieder auf dem Weg in Richtung Vorkrisenniveau.

Allerdings ist in diesem Zeitraum dank Migration auch die Erwerbsbevölkerung stark gewachsen:

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Wenn wir beide Grafiken zusammen anschauen, sehen wir, dass die Erwerbstätigen weit schneller mehr geworden sind als das geleistete Arbeitsvolumen. Und das wiederum muss heißen, dass die durchschnittlich geleistete Arbeitszeit pro Person sinkt. Und genau so ist es:

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Wir sehen: Sowohl bei Männern als auch bei Frauen (die durch die hohe Teilzeitquote – mehr als 50 Prozent – seit jeher weniger Stunden verzeichnen) sinkt die Zahl der geleisteten Erwerbsarbeitsstunden seit Jahren – seit 2020 ist sie auch bei den Männern unter den 40 Stunden im Arbeitszeitgesetz angelangt.

Es gibt dafür eine Reihe von Gründen, und wer diese wie gewichtet, sagt schon viel darüber aus, wo jemand wirtschafts- und sozialpolitisch steht: Fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind ein Faktor (allerdings nur für einen relativ kleinen Teil der Frauen), die hohe Steuerbelastung der Erwerbsarbeit ein anderer. Und dann ist da noch der schwer messbare Faktor Kultur: Wie viel Teilzeit Lifestyle, wie viel Notwendigkeit bzw. Effizienzsache ist, lässt sich gesamt gesehen nur schwer festmachen.

Tatsache ist jedenfalls: Die Menschen in Österreich arbeiten im Schnitt immer weniger. In den vergangenen Jahren hat unsere Wirtschaft das durch Zuwachs der Erwerbspersonen noch halbwegs kompensieren können, weil viele neue Erwerbskräfte dazugekommen sind – aber das wird auf Dauer nicht so weitergehen: Die Prognosen für die nächsten 20, 30 Jahre sagen eine Stagnation bzw. sogar Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung voraus.

Das ist die Ausgangslage, vor der die Arbeitszeitfragen verhandelt werden.


Infos und Quellen

Genese

Innenpolitik-Journalist Georg Renner erklärt einmal in der Woche in seinem Newsletter die Zusammenhänge der österreichischen Politik. Gründlich, verständlich und bis ins Detail. Der Newsletter erscheint immer am Donnerstag, ihr könnt ihn hier abonnieren. Renner liebt Statistiken und Studien, parlamentarische Anfragebeantwortungen und Ministerratsvorträge, Gesetzes- und Verordnungstexte.

Quellen

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