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Freiwillige im Rettungsdienst: Nachtschicht mit Freund:innen

11 Min
Fast jede:r Zweite in Österreich engagiert sich ehrenamtlich. Allein beim Roten Kreuz sind mehr als 44.000 Freiwillige aktiv.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Adobe Stock

Ehrenamt beim Roten Kreuz bedeutet Schlafverzicht, Leben retten und sich über den Föderalismus wundern.


    • Erni Lippert und Thomas Rinnhofer leisten ehrenamtlich Nachtdienst beim Roten Kreuz und helfen Menschen in Not.
    • In Niederösterreich dürfen Notfallsanitäter:innen wie Thomas Rinnhofer eigenständig lebensrettende Maßnahmen durchführen und über Transporte entscheiden, in anderen Bundesländern jedoch nicht.
    • Unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern erschweren einheitliche Standards und die Finanzierung von Rettungseinsätzen ohne Transport.
    • Über 44.000 Freiwillige beim Roten Kreuz in Österreich, ein Drittel Frauen
    • 80 % der 86 Rotkreuz-Fahrzeuge in Niederösterreich mit NKV (Notfallsanitäter:innen mit Kompetenz für Venenpunktion) besetzt
    • Nachtdienst von 20:00 bis 6:00 Uhr, insgesamt 10 Stunden
    • Unterschiedliche Regelungen und Kompetenzen je Bundesland
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Die Sonne strahlt noch warm vom sommerlichen Abendhimmel, als Erni Lippert und Thomas Rinnhofer sich um 20 Uhr bei ihrem Rettungsauto in der Rotkreuz-Station Wolkersdorf treffen. Und sie wird auch wieder warm strahlen, wenn die beiden am nächsten Morgen um 6 Uhr ihren gemeinsamen Nachtdienst beenden. Dazwischen liegen zehn Stunden eines typischen Nachtdienstes, in denen sie Menschen in Not helfen werden. Und in denen sich zeigen wird, welche Blüten der Föderalismus auch im Rettungswesen treibt.


Sanitäter Thomas Rinnhofer prüft den Patientenraum im Rettungswagen
Sanitäter Thomas Rinnhofer checkt den Patient:innenraum im Rettungswagen.
© WZ/Mathias Ziegler

Zunächst aber überprüfen Lippert und Rinnhofer das Fahrzeug, das sie von der Tagmannschaft übernehmen, die alles geputzt und Materialien wieder aufgefüllt haben sollte. Die beiden sind ein eingespieltes Team: Lippert, deren Stammplatz der Fahrersitz ist, arbeitet sich von dort über den linken Stauraum nach hinten vor. Rinnhofer steigt gleich einmal rechts hinten im Patient:innenraum ein und kontrolliert dort alle Geräte und Medikamente. Die Materialliste ist zwölf A4-Seiten lang. „Wir haben sehr vieles in doppelter Ausführung: einmal im Notfallrucksack und einmal im Auto“, erklärt Lippert. Gut eine halbe Stunde dauert die Vorbereitung auf den Nachtdienst.

Das Schöne ist auch, dass das Ehrenamt alle Generationen vereint.
Rettungssanitäterin Erni Lippert

Es ist ein ruhiger Abend, was für Lippert und Rinnhofer erst einmal bedeutet, dass sie im Aufenthaltsraum herumsitzen. Langweilig wird ihnen aber nicht. „Man hat hier Dienst mit Freund:innen“, sagt Rinnhofer. „Das Schöne ist auch, dass das Ehrenamt alle Generationen vereint“, ergänzt Lippert. „Da arbeiten 20-Jährige mit 60-Jährigen zusammen.“ Unter den österreichweit mehr als 44.000 Freiwilligen des Roten Kreuzes (davon ein Drittel Frauen) entstehen nicht nur langjährige Freundschaften – Rinnhofer war gerade erst gemeinsam mit Rotkreuz-Kolleg:innen auf Urlaub –, sondern auch Beziehungen. Lippert zum Beispiel hat ihren Ehemann beim Roten Kreuz kennengelernt. Und auf ihre Kinder haben ihr langjähriger Einsatzpartner Rinnhofer und seine Frau schon oft aufgepasst.

Voll bepackt zum Patienten

Allzu lange bleibt es an diesem Abend nicht ruhig in Wolkersdorf. Um 21:45 Uhr geht der erste Alarm ein, sowohl am Pager als auch am Handy. Mitgeschickt werden die wichtigsten Basisinformationen zum Einsatz: Der Patient ist 75 Jahre alt und leidet unter akuter Atemnot, vermutlich aufgrund der chronischen Lungenerkrankung COPD. Während Lippert wie immer hinter dem Lenkrad Platz nimmt, greift Rinnhofer zum Einsatz-Tablet, auf das sie von der Leitstelle noch mehr Daten bekommen – inklusive Navigation zum Einsatzort. „Ich fahre immer mit Navi“, bekennt Lippert, die sich an ihre erste Zeit als Rettungssanitäterin vor 20 Jahren erinnert, „als wir noch eine ganze Mappe an Umgebungsplänen mithatten. Das war oft sehr mühsam.“


Erni Lippert prüft die Fahrerseite des Rettungswagens
Die Fahrerseite ist das Reich von Erni Lippert. Wenn sie mit Thomas Rinnhofer unterwegs ist, sitzt immer sie am Steuer.
© WZ/Mathias Ziegler

Zehn Minuten später marschieren die beiden vollbepackt mit Sauerstoff, Notfallrucksack, Monitoring-Ausrüstung, Absaugeinheit, Funkgerät und Fahrzeughandy ins Wohnzimmer des Mannes, der verkrampft in einem Sessel sitzt und nach Luft ringt. Nach einem raschen Monitoring (Sauerstoffsättigung, Blutdruck, Puls, EKG, Blutzucker, Körpertemperatur) durch Lippert steht fest: Ein akuter Infekt dürfte das COPD verschlimmert haben. Rinnhofer hat bereits die entsprechende Behandlung vorbereitet, um den Patienten für die notwendige Fahrt ins Spital zu stabilisieren: Er bekommt über eine Verneblermaske Sauerstoff mit einem Notfallmedikament. Außerdem verabreicht ihm der Notfallsanitäter eine Kortisoninfusion.

Mehr Kompetenzen als früher

„Vor zehn Jahren hätte ich jetzt bloß danebensitzen können und auf die Notärztin beziehungsweise den Notarzt warten müssen“, sagt Rinnhofer. „Heute darf ich als NKV lebensrettende Medikamente verabreichen.“ NKV steht für Notfallsanitäter:in mit Kompetenz für Venenpunktion – eine hochspezialisierte Zusatzausbildung, die in der Regel zwei bis drei Jahre dauert. „Wir reden hier von ein paar tausend Praxisstunden“, erläutert Christian Kohl, Ausbildungsleiter beim Roten Kreuz Niederösterreich, im Gespräch mit der WZ. Inzwischen sind 80 Prozent der 86 Rotkreuz-Fahrzeuge im Bundesland mit NKV besetzt. „Dadurch ist die notfallmedizinische Versorgung viel engmaschiger geworden, weil wir die akuten ersten Minuten weitaus besser überbrücken können als früher. Gerade auf dem Land gibt es Regionen, in denen der Notarzt eine Viertelstunde oder länger braucht, bis er da ist.“

Manche Bundesländer sind noch nicht auf dem Stand von Niederösterreich.
Christian Kohl, Ausbildungsleiter beim Roten Kreuz Niederösterreich

Was Rettungssanitäter:innen wie Lippert und Notfallsanitäter:innen wie Rinnhofer dürfen und wie der Rettungsdienst aufgebaut ist, ist in jedem der neun Bundesländer unterschiedlich geregelt. Hier schlägt also wie so oft der Föderalismus zu. „Manche Bundesländer sind aktuell noch nicht auf dem Stand, den wir in Niederösterreich inzwischen etabliert haben, gerade was die Notfallsanitäter:innen und ihre Kompetenzen betrifft“, meint Kohl. Und Thomas Rinnhofer, der seit 2013 Sanitäter ist, ergänzt: „Jetzt ist der Rettungsdienst in Niederösterreich so, wie ich ihn mir vor 13 Jahren vorgestellt habe.“

Das System gibt sogar das Krankenhaus vor

Zurück zum COPD-Patienten, der inzwischen abfahrbereit ist. Bevor Lippert und Rinnhofer ihn im Transportsessel durchs enge und verwinkelte Vorzimmer aus dem Haus und ins Auto bringen (zum Glück brauchen sie nicht die Trage, mit der das Ganze viel schwieriger wäre), geben sie alle Daten auf dem Tablet ein und bekommen gleich die Rückmeldung, welches Spital aufgrund der Symptome anzufahren ist. „Das ist schon klasse“, findet Lippert. „Früher mussten wir überlegen, wo wir am besten hinfahren, jetzt sucht das System für uns das passende Krankenhaus aus.“


Thomas Rinnhofer prüft die Medikamente
Als Notfallsanitäter mit Kompetenz für Venenpunktion (NKV) darf Thomas Rinnhofer nicht nur zahlreiche Medikamente verabreichen, sondern auch Infusionen setzen.
© WZ/Mathias Ziegler

Nachdem sie den Patienten in der Notaufnahme abgeliefert haben, kehren die beiden zurück zum Stützpunkt, wo sie erst einmal das Auto putzen und Material auffüllen. Kurz vor Mitternacht liegen sie dann in ihren Zimmern, und während der eine rasch eingedöst ist, findet die andere noch länger keinen Schlaf. Weil das bei Lippert immer so ist, legt sie ihre Nachtdienste grundsätzlich vor freie Tage. „Das ist ein totaler Luxus, weil es viele gibt, die am nächsten Tag im Job volle Leistung bringen müssen, egal wie sie geschlafen haben.“

„Es wird immer schwieriger für Freiwillige“

Rinnhofer muss zwar am nächsten Tag in die Arbeit, „aber ich kann auch einmal früher gehen, wenn ich nicht ausgeschlafen bin. Oder nach einer harten Nacht auch einmal kurzfristig zu Hause bleiben.“ Arbeitsrechtlich spielen ehrenamtliche Tätigkeiten in der Freizeit keine Rolle. Kohl hat das Gefühl, „dass es immer schwieriger für Freiwillige wird. Es gibt inzwischen Arbeitgeber:innen, die dezidiert sagen: ‚Du kommst gefälligst ausgeschlafen in den Job!‘“



Ein wesentlicher Faktor im Rettungswesen ist der Zivildienst. Mehr darüber kannst du hier nachlesen:


Gleichzeitig müsse die Rettung auf dem Land heute öfter ausrücken als früher. Auch, weil die Hemmschwelle, 144 anzurufen, gesunken sei, meint der Rotkreuz-Ausbildner. Für eine Entlastung sorgt hier die Gesundheitshotline 1450, an die Anrufe oft weitergegeben werden können. „Wir haben sogar Patient:innen, die am Freitagabend prophylaktisch die Rettung rufen, weil am Wochenende der Hausarzt nicht da ist. Und die Indikation ist immer öfter eher eine soziale als eine medizinische“, erzählt Kohl, der auch selbst viele Einsätze fährt und dabei Patient:innen erlebt, die einsam und mit ihrer Situation überfordert sind. „Es geht auch darum, ihnen eine Strategie aufzuzeigen, wie sie damit umgehen können und wo sie gerade am besten aufgehoben sind: im Spital oder doch daheim“, sagt Kohl.

Kein Transport – weniger Geld

So wie beim nächsten Einsatz von Lippert und Rinnhofer, für den sie kurz nach 1 Uhr aus dem Halbschlaf gerissen werden. Bei ihrer Ankunft klagt die Patientin über erhöhten Blutdruck, der „schon den ganzen Tag immer weiter raufgegangen ist“. Da sie ansonsten symptomfrei ist, das obligatorische Monitoring keine Auffälligkeiten zeigt und der aktuelle Blutdruckwert weder Rinnhofer noch Lippert tatsächlich beunruhigt, entscheiden sie sich für eine Lösung, die in mehreren anderen Bundesländern gar nicht erlaubt wäre: Sie machen der Patientin klar, dass eine Fahrt ins Spital mitten in der Nacht in ihrem Fall nicht wirklich hilfreich wäre, sondern dass sie sich am besten wieder ins Bett legen und am nächsten Tag in der Früh ihre Hausärztin aufsuchen soll. Nicht, weil sie keine Lust hätten oder weil es billiger wäre – im Gegenteil: Bei einer Fahrt ins Spital bekäme das Rote Kreuz sogar mehr Geld.

Am Ende sind alle angefressen: das Spital, die Ehrenamtlichen und der Patient.
Peter Kaiser, Vize-Generalsekretär des Roten Kreuzes, über sinnlose Transportfahrten

„Wir haben eine Mischfinanzierung“, erklärt Kohl. „Die Krankenkasse bezahlt den Transport, das Bundesland die Bereitstellung der Rettungsinfrastruktur. Finanziell ist eine Behandlung vor Ort ohne Transport für den Rettungsdienst somit eigentlich unattraktiv, weil die Transportkomponente wegfällt. In Niederösterreich haben wir aktuell ein Projekt mit der ÖGK laufen, bei dem sie durch einen Kostenbeitrag zumindest einen geringen Teil der Einsatzkosten abdeckt, die für das Rote Kreuz anfallen.“ Er betont: „Die Entscheidung, jemanden nicht ins Spital zu transportieren, dauert meist länger als ein Transport.“ Als Entscheidungshilfe dient eine standardisierte Checkliste für Symptome, auf die sich die Sanitäter:innen berufen können.

Andere Bundesländer, andere Regeln

Hier schlägt erneut der Föderalismus zu, wie ein Bundesländervergleich zeigt. Während Notfallsanitäter:innen in Niederösterreich ebenso wie in Oberösterreich seit einigen Jahren genügend rechtliche Sicherheit haben, aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung selbst zu entscheiden, ob die Fahrt ins Krankenhaus sinnvoll ist, wird der Rettungsdienst in anderen Bundesländern wie Salzburg, Kärnten oder der Steiermark „de facto auf eine Transportleistung reduziert“, kritisiert Peter Kaiser, Stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. Zum Teil besteht sogar eine Transportverpflichtung – auch dann, wenn im Spital nicht mehr für die Patient:innen getan werden könnte als von den Rettungskräften daheim oder später im niedergelassenen Bereich.

Kaiser sieht darin „die größte Schwächung des Ehrenamts im Rettungsdienst“. Er erinnert sich an Dienste, in denen sein Team wegen solcher Einsätze in einer einzigen Nacht dreimal zwischen Ternitz und Wiener Neustadt jeweils 20 Minuten hin- und wieder zurückfahren musste. „Und am Ende waren alle angefressen: das Krankenhaus, das genau wusste, dass der Patient dort falsch war, aber trotzdem das volle Untersuchungsprogramm machen musste, und zwar mitten in der Nacht, mit entsprechenden Folgekosten; die Ehrenamtlichen, die kurz vor dem Einrücken von der Leitstelle wieder zurück zum Spital geschickt worden sind, um den Patienten abzuholen und nach Hause zu bringen; und der Patient selbst, der mitten in der Nacht stundenlang unterwegs war.“ Zum Nachtdienst als Ehrenamtlicher gehört natürlich dazu, dass man nicht zum Schlafen kommt, weil man Leben rettet. „Aber wenn es wegen solcher unnötiger Fahrten ist, dann frustriert das.“

„Medizinische Dienstleistung und kein reiner Transporteur“

Ins selbe Horn stößt die zweite große österreichweite Rettungsorganisation, der Samariterbund. Ein moderner Rettungsdienst sei „eine medizinische Dienstleistung und kein reiner Transporteur“, heißt es dort auf Nachfrage der WZ. Man dürfe ihn daher nicht an der Zahl der Spitalsfahrten messen, sondern es gehe um die richtige Versorgung zur richtigen Zeit am richtigen Ort. „Unsere Aufgabe ist es nicht, möglichst viele Menschen zu transportieren“, betont Daniel Unger, der Leiter der Stabsstelle Rettung & Krankentransport beim Samariterbund Österreich, „sondern sie in den richtigen Versorgungspfad zu bringen.“

Was fehlt, sind österreichweit einheitliche gesetzliche Rahmenbedingungen.
Daniel Unger, Stabstellenleiter beim Samariterbund

Wenn dieser zu niedergelassenen Ärzt:innen führe, entlaste dies einerseits überfüllte Notaufnahmen und verbessere andererseits die Versorgungsqualität für die Betroffenen. Und im Rettungsdienst selbst würden mehr Kapazitäten für echte Notfälle geschaffen. „Was hier fehlt, sind österreichweit einheitliche gesetzliche Rahmenbedingungen, ein zeitgemäßes, modernes Sanitäter:innengesetz und eine Finanzierung, die diese Leistung auch abbildet“, kritisiert Unger. Die Rettungsorganisationen fordern daher von den Sozialversicherungsträgern eine Finanzierung als anerkannter Gesundheitsdienstleister unabhängig von der Transportleistung und verweisen auf die entsprechende Kompetenz der Notfallsanitäter:innen.

Die ÖGK versteht die Problematik

Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) zeigt sich auf Anfrage der WZ verständnisvoll: „In einzelnen Bundesländern wurden im Rahmen regionaler Projekte und Vereinbarungen Lösungen geschaffen, die auch die medizinische Versorgung von Patient:innen vor Ort ohne den anschließenden Transport ins Krankenhaus abgelten. Die ÖGK sieht solche Modelle grundsätzlich positiv. Ist nach der medizinischen Beurteilung durch den Notarzt oder den Notfallsanitäter vor Ort kein Transport erforderlich, kann dies sowohl für die Betroffenen als auch für das Gesundheitssystem Vorteile bringen und zur Entlastung von Spitalsambulanzen beitragen.“

Aber im föderalistischen Österreich habe eben jedes Bundesland „eigene rechtliche Rahmenbedingungen und Finanzierungsmodelle“. Und: „Nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen werden von der Sozialversicherung grundsätzlich Patiententransporte übernommen. Eine Vergütung von Rettungseinsätzen ohne anschließenden Transport ist im Regelfall nicht vorgesehen.“ Um daran etwas zu ändern, bräuchte es auch „entsprechende gesetzliche Grundlagen“, so die ÖGK.

Detail am Rande: Selbst in Bundesländern mit einer Transportverpflichtung ist es natürlich möglich, dass Patient:innen zu Hause bleiben – nämlich dann, wenn diese einen Revers unterschreiben, in dem sie erklären, den Transport zu verweigern.

Durchschlafen bis Dienstende

Lippert und Rinnhofer in Niederösterreich jedenfalls bleiben weitere Hin- und Herfahrten erspart. Müde, aber zufrieden fallen sie um 2:30 Uhr erneut in ihre Betten – und können in dieser Nacht sogar bis zum Dienstende um 6 Uhr durchschlafen. Lippert hat es aber auch schon anders erlebt: „Der Klassiker ist ein Alarm um 5 Uhr früh. Da weiß ich dann, dass es sich fix nicht ausgehen wird, dass ich rechtzeitig daheim sein werde, um die Kinder für die Schule fertig zu machen.“ So aber kommt die zweifache Mutter pünktlich nach Hause und bringt auch gleich frische Semmeln vom Bäcker mit. Damit hat auch der Rest der Familie etwas von ihrem Nachtdienst beim Roten Kreuz.



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Infos und Quellen

Compliance-Anmerkung: Die WZ konnte die Ausfahrten aus einsatztechnischen Gründen nicht direkt begleiten; Erni Lippert und Thomas Rinnhofer schilderten ihre Einsätze später am Stützpunkt.

Gesprächspartner:innen

  • Erni Lippert ist ehrenamtliche Rettungssanitäterin beim Roten Kreuz in Wolkersdorf (NÖ).
  • Peter Kaiser ist stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes.
  • Christian Kohl ist Ausbildungsleiter beim Roten Kreuz Niederösterreich.
  • Thomas Rinnhofer ist ehrenamtlicher Notfallsanitäter beim Roten Kreuz in Wolkersdorf (NÖ).
  • Daniel Unger leitet die Stabsstelle Rettung & Krankentransport beim Samariterbund Österreich.
  • Die Pressestelle der ÖGK beantwortete eine Anfrage der WZ zur Transportverpflichtung.

Daten und Fakten

Rund 3,7 Millionen Menschen in Österreich – das entspricht 48 Prozent der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren – engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich. Die Hälfte von ihnen ist in Vereinen oder Organisationen aktiv, wobei hier der Anteil der Männer etwas höher ist. Insgesamt üben 50,7 Prozent aller Männer und 45,8 Prozent aller Frauen freiwillige Tätigkeiten aus. Bei Personen ab 60 Jahren sinkt der Anteil etwas, dafür nimmt die Zahl der ehrenamtlichen Stunden zu. Knapp eine halbe Million Menschen engagieren sich im Katastrophen- und Rettungsdienst (30,9 Prozent der Männer, aber nur 13,1 Prozent der Frauen). Von den zuletzt 44.216 Freiwilligen beim Roten Kreuz (Stand: 2025) waren 28.384 männlich, 15.822 weiblich und 10 Personen divers.


Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien


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