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Es gibt noch einige Tiere, die Nico gerne erlegen würde: eine Pferdeantilope, eine Säbelantilope, vielleicht irgendwann noch weitere. Seine Leidenschaft ist Teil eines lukrativen Geschäftsmodells. Anbieter vermarkten Jagdreisen inklusive Abschuss.
Während viele ihren Urlaub am Strand oder in den Bergen verbringen, fliegen bestimmte Jäger:innen ins Ausland, um Wildtiere zu erlegen. Einer von ihnen ist Nico, dessen Name für den Artikel geändert wurde. Der 26-Jährige war bereits sechsmal auf Jagdreise in Namibia. „Mein Hauptantrieb ist meine Wunschliste“, sagt er. Wenn das Budget es zulässt, sollen weitere Trophäen dazukommen. Als Erinnerungen nehmen sie nicht nur Fotos von erlegten Tieren mit nach Hause, sondern oft auch Trophäen.
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Rund um diese Jagdreisen hat sich ein internationales Geschäftsmodell entwickelt. Spezialisierte Anbieter organisieren Flüge, Unterkünfte, Jagdführer:innen und Abschüsse. Auf ihren Websites werben sie mit Abenteuern in unberührter Wildnis: „Namibia ist geheimnisvoll und wild! Dieses Land wird Ihnen ein unvergessliches Erlebnis bieten. Die aufregende Jagd auf das harte afrikanische Wild lässt das Herz eines Jägers höherschlagen.“
Verkauft wird hier also nicht nur der Abschuss eines Tieres, sondern ein Erlebnis in Form einer Luxusreise. Besonders Namibia gilt dabei als beliebtes Ziel europäischer Jagdtourist:innen. Nico erzählt, dass dort auf einer Jagdreise häufig drei bis vier Tiere pro Person erlegt werden.
Die exklusive Welt der Jagdreisen
Billig ist dieses Hobby nicht. Allein die Abschussgebühr für eine Oryxantilope kann mehrere hundert Euro betragen. Die Jagd auf Löwen kostet mehrere zehntausend Euro, und für einen Elefanten werden auf manchen Farmen bis zu 65.000 Euro fällig. Hinzu kommen Flug, Unterkunft, Verpflegung, Jagdführer:innen und der spätere Transport der Trophäen.
Wer sich diese Reisen leisten kann, verschafft sich Zugang zu einer exklusiven Welt. Nico erzählt, dass der Einstieg oft von den richtigen Kontakten abhänge: „Es ist schon wirklich mit Connections verbunden.“
Die Vorstellung, dass ausschließlich ältere Männer auf Trophäenjagd gehen, greift dabei zu kurz. Nico gehört zu einer jüngeren Generation von Jäger:innen, die durch Familie und Bekanntschaften früh mit der Jagd in Kontakt kommen. Bei ihm begann alles mit seinem Großvater. Zum ersten Mal war Nico mit neun Jahren in Namibia, einem Land, dessen Tierwelt ihm damals noch völlig fremd war.
Naturschutz durch Abschuss?
Die Jagdindustrie begründet ihr Geschäftsmodell häufig mit dem Schutz von Wildtieren. Nach dieser Logik werden Tiere und Lebensräume dadurch wirtschaftlich genutzt. Das Geld aus Jagdreisen finanziere Farmen, sorge für Arbeitsplätze und unterstütze Maßnahmen gegen Wilderei. „Man schaut außerdem darauf, dass man ältere oder kranke Tiere erlegt“, sagt Nico.
Auch das Argument der Bestandsregulierung spielt eine zentrale Rolle. Wenn Populationen zu groß werden, so die Befürworter:innen, könnten sich Krankheiten leichter ausbreiten und ökologische Schäden zunehmen. Der WWF Deutschland bewertet die Trophäenjagd überwiegend kritisch, da sie aus Sicht der Organisation oft weder dem Arten- noch dem Naturschutz dient. Zugleich erkennt der WWF an, dass die kontrollierte Jagd Teil eines nachhaltigen Wildtiermanagements ist und in Einzelfällen einen positiven Effekt auf den Artenschutz haben kann.
Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN bezweifelt diese Darstellung der Befürworter:innen jedoch. Wildtierexpertin Denise Ocampo sieht die wirtschaftlichen Vorteile der Trophäenjagd kritisch: „Es wurde wiederholt nachgewiesen, dass nur ein sehr geringer Teil der Einnahmen aus kostspieligen Trophäenjagden direkt den lokalen Gemeinschaften zugutekommt.“ Der Großteil der Einnahmen fließe an Unternehmen im Ausland, während lokale Arbeitskräfte oft nur begrenzt davon profitierten.
Gut gemanagter Jagdtourismus kann einen positiven Effekt für die Art haben.Martin Rose, Abteilung Nationalparks, Natur- und Artenschutz
Martin Rose von der Abteilung Nationalparks, Natur- und Artenschutz im österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) verweist hingegen darauf, dass die Auswirkungen stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen abhängen würden. „Ein schlecht gemanagter Jagdtourismus hat erhebliche negative Auswirkungen auf die jeweilige Art. Allerdings gibt es durchaus Beispiele, wo ein gut gemanagter Jagdtourismus tatsächlich einen positiven Effekt für die Art hatte“, sagt er. Entscheidend sei, dass Einnahmen tatsächlich bei der lokalen Bevölkerung und beim Artenschutz ankommen.
Nach dem Schuss beginnt für Nico der Teil der Jagd, über den in Werbebroschüren selten gesprochen wird. Das Tier wird zerlegt, das Fleisch verarbeitet und gemeinsam gegessen. Er erzählt von gemeinsamen Mahlzeiten auf den Farmen und von Suppen, die aus Mägen und anderen Innereien gekocht werden. Die Trophäe sei nur ein Teil dessen, was von der Jagd übrig bleibe.
Gerade darin sehen viele Jäger:innen ein Gegenargument zu dem Vorwurf, Tiere würden ausschließlich für ein Foto oder die Trophäe getötet werden.
Wenn Töten zum Geschäft wird
Die Debatte über Trophäenjagd endet nicht bei Fragen des Tierwohls. Sie berührt auch die Geschichte Namibias. Viele Jagdfarmen befinden sich bis heute im Besitz weißer Farmer:innen. Das Land war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Die Anbieter werben mit deutschsprachigen Jagdführer:innen, die das Jagderlebnis noch zugänglicher machen. Die damalige Enteignung großer Flächen wirkt bis in die Gegenwart nach. Noch immer ist Landbesitz in Namibia ungleich verteilt.
Für Kritiker:innen, etwa von der Organisation Pro Wildlife, wirft das Fragen auf: Wer verdient am Jagdtourismus? Wer besitzt das Land? Und wer profitiert letztlich von den Einnahmen internationaler Jäger:innen?
Die Schwarzen sind nicht in der Lage ein Unternehmen zu führen.Nico
Das hinter der Jagd in Namibia nach wie vor rassistische Strukturen und postkoloniale Eigentumsverhältnisse stehen, wird auch im Gespräch mit Nico deutlich: „Die Schwarzen sind nicht in der Lage ein Unternehmen gescheit zu führen, weil sie einfach die Erfahrungswerte nicht haben und damit nie in Berührung gekommen sind.“ Der Rassismus in dieser Aussage zeigt, die Debatte über Trophäenjagd ist nicht nur eine Frage des Naturschutzes, sondern auch eine Frage von Macht, Besitz und eine Folge des Kolonialismus in Afrika.
Die Trophäe kommt nach Österreich
Dass Jagdreisen kein Randphänomen sind, zeigt ein Blick auf die Importzahlen: Zwischen 2014 und 2024 wurden laut CITES-Datenbank insgesamt 1.312 Jagdtrophäen von Tieren geschützter Arten nach Österreich eingeführt. Zu den Arten, von denen am häufigsten Trophäen importiert wurden, gehören Löwen, Hartmann-Bergzebras, Leoparden, Bärenpaviane und Afrikanische Elefanten. Aus Namibia stammten in diesem Zeitraum die meisten dieser Trophäen.
Außerdem zählte Österreich in diesem Zeitraum bei der Einfuhr von Jagdtrophäen geschützter Arten zu den Spitzenreitern Europas. Innerhalb von zehn Jahren wurden umgerechnet 14,3 Trophäen pro 100.000 Einwohner:innen importiert. Im EU-Vergleich liegt Österreich damit auf Rang drei von 27 Mitgliedstaaten. Erfasst sind ausschließlich Importe geschützter Arten aus Drittstaaten, die in der CITES-Datenbank unter dem Handelscode für Jagdtrophäen registriert wurden.
Damit Hörner, Klauen, Zähne oder Felle nach Österreich eingeführt werden können, müssen sie umfangreiche Vorgaben erfüllen, sagt das Bundesamt für Verbraucher:innengesundheit (BAVG). Dass die Vorschriften streng sind, hat seuchenhygienische Gründe. „Von Trophäen geht, wenn sie nicht vernünftig behandelt wurden, eine hohe Gesundheitsgefahr aus“, sagt Rose vom BMLUK. In einzelnen Fällen seien Trophäen an österreichischen Flughäfen sogar zurückgewiesen worden, weil Gesundheitsbestimmungen nicht eingehalten wurden.
Die Einfuhr wird laut BAVG meist von spezialisierten Speditionen organisiert. Sie kümmern sich um Zollformalitäten, Artenschutzdokumente und Transport. Am Ende landet die Trophäe dort, wo man sie von Anfang an haben wollte: im Wohnzimmer, oft an der Wand.
Für Nico ist sie eine Erinnerung an ein Jagderlebnis. Für Ocampo ist sie das sichtbare Ergebnis eines Geschäfts, bei dem der Tod eines Tieres zum Souvenir geworden ist.
Die Frage nach den moralischen Grenzen
Nico setzt sich dabei eigene Grenzen: „Einen Elefanten oder Löwen zu töten, könnte ich nicht mit mir vereinbaren.“ Gleichzeitig ist die Größe einer Trophäe ein wichtiges Kriterium bei der Jagd. „Sie muss einem gefallen“, so der 26-Jährige.
Darin zeigt sich ein Widerspruch, der die gesamte Debatte begleitet. Manche Tiere gelten als tabu, andere landen auf der persönlichen Wunschliste.
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Infos und Quellen
Gesprächspartner:innen
- Nico, Jäger
- Martin Rose, Abteilung VI/4 – Nationalparks, Natur- und Artenschutz des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft
- Denise Ocampo, Wildtierexpertin bei VIER PFOTEN
Daten und Fakten
Als Mitgliedsland der Europäischen Union (EU) meldet Österreich seine Handelsdaten auf Basis der Verordnung der Europäischen Gemeinschaft (EG) 338/97 an die EU-Kommission, die die Handelsdaten aller EU-Mitgliedsländer gesammelt an das CITES-Sekretariat übermittelt und die Daten auch gesondert auswertet. Die aufbereiteten Ergebnisse dieser Auswertungen werden auf der CITES-Website der EU veröffentlicht. Der Handel mit von CITES erfassten Exemplaren innerhalb der EU ist „Binnenhandel“ und daher nicht in den Berichten an das CITES-Sekretariat enthalten. (Handelsstatistik - Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft)
Mitte der 1990er-Jahre waren die Wildtierbestände in Namibia auf einem historischen Tiefstand. Dann übergab die Regierung die Verantwortung für den lokalen Naturschutz an die Gemeinden. Conservancies heißen die dabei entstandenen Gemeindeschutzgebiete. Sie erstrecken sich über eine Gesamtfläche von etwa der halben Größe Deutschlands und schaffen Einkommen für über 180.000 Menschen. Seit dort eine streng regulierte Trophäenjagd erlaubt ist, haben sich die Wildtierbestände wieder erholt. Heute zählen die Populationen von Geparden und Spitzmaulnashörnern in Namibia zu den weltweit größten, außerdem verzeichnet das Land eine wachsende Zahl an Elefanten, Löwen und Giraffen. (Trophäenjagd: Jagdtourismus regulieren)
Für geschützte Arten sind artenschutzrechtliche Genehmigungen notwendig. Dabei prüfen die Behörden, ob die Entnahme den Erhaltungszustand einer Art oder Population beeinträchtigen könnte. Ist das der Fall, wird die Genehmigung nicht erteilt. Hörner, Klauen und Zähne müssen gereinigt und desinfiziert werden, Knochen ausgekocht und behandelt werden. Häute und Felle müssen getrocknet oder gesalzen sein. Zusätzlich sind veterinärmedizinische Bescheinigungen erforderlich. (Bundesamt für Verbrauchergesundheit (BAVG) - Lebensmittel und Waren tierischen Ursprungs - BAVG)
Bereits mehrere europäische Staaten haben in den vergangenen Jahren Importbeschränkungen eingeführt oder diskutiert. Die Niederlande, Finnland, Belgien und Frankreich haben bereits bestimmte Verbote für den Import von Jagdtrophäen. Politisch könnte ein österreichisches Verbot Signalwirkung entfalten. Ein weiterer Mitgliedstaat mit einem Verbot würde den Druck auf die EU erhöhen, einheitliche Regelungen zu schaffen. (Interview mit Denise Ocampo)
Quellen
- Tierschutzverein: Jagdreisen: Warum der Tourismus kein Argument ist
- Jagdreisen.at: Jagen in Namibia
- Hunter meets Hunter: Neueste Angebote für Jagdreisen
- Diana Hunting Tours: Namibia | Atemberaubende Natur und phantastische Jagd
- Jagdreisen.at: Jagen in Namibia
- Bmluk.gv.at: Handelsstatistik
- BAVG: Import von Jagdtrophäen
- Bmf.gv.at: Artenschutzrechtliche Beschränkungen für Tiere und Pflanzen
Das Thema in der WZ
Das Thema in anderen Medien
- Ndr.de: Tiere als Trophäen - Wer rettet Elefant, Löwe & Co.?
- Der Standard: Wegen Hungers, Dürre und getöteter Menschen: Namibia jagt dutzende Elefanten und Zebras - Afrika
- DIE ZEIT: Das Land meiner Familie. Und die Menschen, die dort ermordet wurden
- WAZ: Löwe für 30.000 Dollar: Trophäenpreise der „Jagd & Hund“-Anbieter
- Krone: Gnu-Abschuss als Preis - Großarl: Aufregung um Jagdreise nach Afrika
- WELT: Jagd-Safari-Tourismus: „Der Abschuss eines Tiers zum Spaß ist nicht normal“
- PIRSCH: Elefantenjagd in Afrika: Trophäenjagd für den Artenschutz
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