Echte Unterstützung heißt helfen, kritisieren, aufmuntern und nicht jeden Fehler beklatschen.
Eine Influencerin bewirbt ein Online-Casino mit personalisiertem Rabattcode für Freispiele. Eine andere verkauft überteuerte Glaskügelchen, die einem eine bessere Gesundheit versprechen. Also das kann man doch kritisieren, oder? Wenn man der Hashtag-Ideologie „Girls support Girls“ folgt, dann nicht. Wenn du es doch wagst, dann bist du schnell ein Pick-Me.
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Schließlich ist die Influencerin einfach ein „Girlboss“, und du? Du bist definitiv eifersüchtig und möchtest sie nur runtermachen, damit du bei Männern gut ankommst. Logisch.
Dass das absurd ist, müsste jedem klar sein. Ich bezeichne mich selbst als ein „Girls Girl“. Das bedeutet: Ich stehe gerne auf der Seite der Frauen, ich unterstütze sie, ich höre zu, ich gebe Rückhalt. Frauen bekommen nämlich seit Jahrtausenden zu wenig Anerkennung für ihr Geleistetes. Doch ehrlich gesagt habe ich genug von diesem oberflächlichen „Girls Support Girls“-Gerede.
Solidarität unter Frauen darf kein blindes Unterstützen von allem sein. Es geht nicht darum, sich gegenseitig ohne Nachfragen zu feiern, sondern darum, in richtigen Momenten füreinander einzustehen.
Beispielsweise hat jede Frau, die ich kenne, folgenden Instinkt: Wenn wir eine Frau sehen, die allein auf der Straße steht und ein Mann ihr zu nahe kommt oder sie bedrängt, sind wir sofort wachsam. Wir beobachten nicht nur die Situation, wir sind präsent, bis wir sicher sein können, dass sie nicht in Gefahr ist.
Das ist kein Lifestyle-Spruch, sondern gelebte Realität. Das ist "Girls help Girls". Das ist Womenhood.
Ehrlichkeit statt Harmonie-Kitsch
Womenhood bedeutet für mich nicht ständige Harmonie. Es bedeutet: helfen, wenn Hilfe gebraucht wird. Kritik geben, wenn sie nötig ist. Aufmuntern, motivieren, loben, aber eben auch ehrlich sein. Denn Solidarität heißt nicht, alles gutzuheißen, sondern füreinander einzustehen, auch wenn es unbequem wird. Und dafür muss es erlaubt sein, Fehler offen anzusprechen. Sonst kann es schnell passieren, dass moralisch verwerfliche Aktionen unter dem Deckmantel von „Girls support Girls“ unentdeckt bleiben.
Versteht mich nicht falsch: Unterstützung unter Frauen ist wichtig, gerade weil wir es oft schwerer haben. Aber nur mit ehrlicher, konstruktiver Kritik können wir wirklich wachsen. Jede kritische Stimme sofort als männerverehrendes „Pick-Me“ abzustempeln, ist alles andere als feministisch und wirklich geholfen ist damit auch niemandem.
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Infos und Quellen
Genese
Maria Lovrić-Anušić kann den Spruch „Girls support Girls“ nicht mehr hören und versucht zu erklären, warum Kritik manchmal auch angebracht ist.
Daten und Fakten
- Der Ausdruck „Girls Support Girls“ wurde insbesondere durch soziale Medien wie Instagram und TikTok populär. Er dient als positiver Hashtag, um Mädchen und Frauen zu ermutigen, sich gegenseitig zu unterstützen und gegen toxische Konkurrenz oder Mobbing vorzugehen. Auf TikTok beispielsweise wird der Spruch oft in den Kommentaren unter Videos verwendet, in denen Mädchen oder junge Frauen sich selbstbewusst zeigen oder ihre Kreativität ausdrücken.
- Der Ausdruck „Pick me-Girl“ hat sich auf Social Media etabliert und soll eine Frau beschreiben, die sich von deren Frauen abheben möchte. Sie sei unkomplizierter, habe Humor, weniger Bedürfnisse und sei nicht so kompliziert wie andere Frauen. Mode und Make-up würde sie auch nicht interessieren. Ein sogenanntes „Pick me-Girl“ möchte grundsätzlich Männern gefallen.
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