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Glück ist käuflich

3 Min
Wie viel Geld wir haben, bestimmt, ob wir glücklich sind.
© Illustration: WZ

Macht Geld wirklich glücklich? Viele Studien deuten darauf hin. Doch wie viel Geld wir brauchen, um uns zufrieden zu fühlen, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten.


Geld macht uns Sorgen. Besonders Jugendliche fühlen sich wegen finanzieller Probleme gestresst, und für Österreichs Bürger:innen ist die Inflation laut einer OGM-Umfrage die Hauptsorge in diesem Jahr. Im Umkehrschluss könnte dies bedeuten, dass wir mit Geld unsere größten Probleme lösen könnten und somit glücklich werden. Aber ist es wirklich so einfach?

Mehr Einkommen, mehr Zufriedenheit

Die kurze Antwort: ja. Das emotionale Wohlbefinden nimmt mit dem Einkommen zu, zu diesem Schluss kam der kürzlich verstorbene Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman in einer 2010 veröffentlichten und seither vielzitierten Studie – allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. „Jenseits eines Jahreseinkommens von rund 75.000 Dollar ist kein weiterer Fortschritt des Wohlbefindens zu verzeichnen”, erklärte Kahneman. Demnach würden Superreiche also nicht glücklicher sein als Normalverdienende, wenn man nur die Einkommenssituation betrachtet.

Doch angesichts der Tatsache, dass die Studie 14 Jahre alt ist, stellt sich die Frage, ob diese Summe heute noch ausreichen würde, um zufrieden zu sein. Allein in den vergangenen vier Jahren stiegen die Preise in Österreich um 23,8 Prozent. Wir brauchen heute also ein viel höheres Einkommen, um uns abgesichert und damit sorgenfrei zu fühlen, als noch vor ein paar Jahren.

Millennials brauchen mehr Geld als Gen Z

Mehr Einkommen bedeutet doch mehr Zufriedenheit, lautete das Ergebnis einer 2023 im Wissenschaftssjournal Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America veröffentlichten Studie, die Daniel Kahnemans Erkenntnisse und weitere Analysen verglich. Das Glück nimmt der Studie zufolge auch über einem Einkommen von 75.000 Dollar zu, nämlich bis zu 500.000 Dollar.

Wie unterschiedlich die Generationen Geld und Glück wahrnehmen, macht eine Umfrage des US-Finanzinstituts Empower deutlich. Millennials brauchen ein Jahreseinkommen von 525.000 US-Dollar, um sich glücklich zu fühlen, die jüngere Gen Z nur 128.000 Dollar. Außerdem gibt es geografische Unterschiede. In Westeuropa und Skandinavien braucht es laut einer Studie der Purdue Universität aus dem Jahr 2018 rund 91.000 Euro, um sich wohlzufühlen, in Osteuropa nur rund 41.000 Euro.

Zufrieden trotz geringer Einkommen

Dass Geld trotzdem nicht unbedingt ein entscheidender Faktor zum Glücklichsein ist, legt eine neue Studie der McGill University nahe. Dabei wurden 3.000 Menschen in 19 kleinen Kommunen in aller Welt nach ihrer Zufriedenheit befragt. Trotz der limitierten finanziellen Mittel wurde die Zufriedenheit auf einer Skala von eins bis zehn durchschnittlich mit sieben bewertet. „Unsere Forschung zeigt, dass die häufig beobachtete starke Korrelation zwischen Einkommen und Lebenszufriedenheit nicht universell ist und beweist, dass Wohlstand - wie er in den Industrieländern erzeugt wird - nicht grundsätzlich erforderlich ist, damit Menschen ein glückliches Leben führen”, erklärt die Studienautorin Victoria Reyes-Garcia.

Und auch Österreicher:innen sind grundsätzlich zufrieden, selbst wenn das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen mit 47.855 Euro unter den aufgelisteten Glückswerten liegt. In einer Eurostat-Auswertung der Zufriedenheit der EU-Länder war Österreich im Jahr 2022 trotzdem auf Platz eins. Aber auch die Eurostat-Analyse zeigt, dass die Bürger:innen mit dem höchsten Einkommen tendenziell zufriedener sind als jene mit dem niedrigsten Einkommen.

Theoretisch kann Geld also tatsächlich Glück kaufen – auch wenn es nur bedeutet, sieben Dollar für eine Tasse Kaffee ausgeben zu können, wie es die Millennials in der „Financial Happiness”-Umfrage sagen.


Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Die Lebenszufriedenheit steigt ab einem Jahreseinkommen von 75.000 US-Dollar nicht mehr, hieß es in einer 2010 veröffentlichten, vielzitierten Studie.

  • Diese Erkenntnisse wurden 2023 revidiert, demnach steigt das Glücksempfinden bis zu einem Einkommen von 500.000 Dollar.

  • In Österreich betrug das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen 2023 bei Vollzeitbeschäftigten 47.855 Euro, bei allen unselbstständig Erwerbstätigen 32.834 Euro.

Quellen

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