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Wenn Ikkimel rappt, scheiden sich die Geister. Einer der Gründe: Ihre derbe Sprache. Warum wir Mama Ikkis Fotzigkeit in Zeiten wie diesen mehr denn je brauchen.
Ikkimel ist nämlich für ihre vergleichsweise brachiale Sprache bekannt, singt gerne vom Poppen, davon, dass sie die größte Fotze der Stadt ist. Fans lieben sie dafür, und die anderen –, darunter viele Menschen, die sich selbst als gläubig bezeichnen, Männer und Konservative –, hassen sie.
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Ja, Hass ist ein starkes Wort, aber hier definitiv angebracht. Denn eigentlich sollte man meinen, dass wir als Gesellschaft im Jahr 2026 an dem Punkt angekommen sind, an dem wir alle wissen: Gefällt dir etwas nicht, scroll weiter. Geh deines Weges und befass dich mit den Dingen, die dich glücklich machen. Ikkimels Hater:innen haben dieses Memo nicht bekommen: Beleidigungen, Morddrohungen und oder Vergewaltigungswünsche erreichen Ikkimel regelmäßig, wie sie selbst immer wieder auf Social Media teilt.
Dass Ikkimel so sehr provoziert, liegt allem voran an der Sprache, die sie verwendet. Und mit der kennt sich Melina Gaby Strauß, wie Mama Ikki mit bürgerlichem Namen heißt, bestens aus. Sie hat Deutsche Philologie und Sozial- und Kulturanthropologie mit Schwerpunkt auf Sprachwissenschaften studiert, später in einem Labor für Gehirn- und Sprachforschung gearbeitet. Vielleicht hat sie dort festgestellt, dass das Wort „Fotze“ besonders starke Reaktionen in so manchen Gehirnen hervorruft.
„Cunt“ als Zeichen der Anerkennung
Ikkimel reiht sich mit ihrem Konzept neben deutschsprachigen Artists wie Lady Bitch Ray oder SXTN ein, die schon vor Jahren die Sprachzentren von getriggerten Männern mit dem Begriff „Fotze“ und schonungsloser sexueller Selbstbestimmung stimuliert haben. Auch Shirin David versuchte sich im Rahmen ihres Albums „Bitches brauchen Rap“ an der Verwendung des Stempels „fotzig feminin“, entschied sich im weiteren Verlauf dann doch für die gefälligere Clean-Girl-Iced-Matcha-Latte-Ästhetik. Wird im Deutschen von „Fotzen“ gesungen oder gerappt, ist der Aufruhr jedenfalls sicher. Im Englischen hingegen ist „Cunt“ längst fixer Bestandteil des popkulturellen Vokabulars von weiblichen und/oder queeren Musikfans.
„To serve Cunt“ hat hier nichts mit einem unfreiwilligen Höschenblitzer zu tun, sondern heißt so viel wie: Ssie hat geslayed, abgeliefert, gegessen und keine Krümel hinterlassen, allen gezeigt, wer die Fotzigste überhaupt ist. Das Adjektiv „cunty“ wird seit einigen Jahren vermehrt im Mainstream verwendet, zum Beispiel von Künstlerinnen wie Kesha, Miley Cyrus oder Beyoncé auf ihrem Album „Renaissance“. Kein Wunder, ist dieses doch von der queeren Ballroom-Szene der 80er inspiriert. Dorther stammen Begriffe wie „cunty“, wie Jules Gill-Peterson, Professorin für Transgender-Geschichte an der Johns Hopkins Universität, im „Rolling Stone“ erklärt. Der Begriff ist nicht nur ultimativer Ausdruck von Weiblichkeit, sondern laut Gill-Peterson ein regelrechtes Gütesiegel: eine „erstrebenswerte, energetische, sexuelle Art des Selbstbewusstseins“ – und Zeichen der „Anerkennung von Peers“.
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„Fotze“ als positive Selbstbeschreibung
Das checken nicht alle: Für viele Menschen sind das C-Wort und sein deutsches Äquivalent „Fotze“ kein Gütesiegel, sondern ein Schimpfwort, eine abwertende Bezeichnung des weiblichen Geschlechtsorgans und seiner Inhaberin. Abwertende Fremdbezeichnungen zu reclaimen und sie dadurch zur positiven Selbstbeschreibung zu machen, ist in der Popkultur keine Seltenheit, denkt man an „Bitch“ oder „Slut“. Und genau dasselbe macht Ikkimel mit ihrem Fotzenrap: Männern die Macht nehmen, sie mit dem Begriff „Fotze“ zu beleidigen. Ein Genie eben.
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WZ Weekly
Einblicke in die WZ-Redaktion. Ohne Blabla.
Wenn man schon einmal auf einer Live-Show von Ikkimel war, weiß man, dass der Plan sowas von aufgeht. Frauen und Queers brüllen sich auf diesen Konzerten zu Lyrics über Sex abseits von passiv-gefälligen Heteromann-Fantasien und Selbstverliebtheit ihre Seele aus dem Leib, und sind glücklich darüber, dass es noch Orte gibt, an denen man ungestraft Cunt servieren und queere, feministische Kultur feiern darf, ohne schief angeschaut zu werden. Diese Orte werden in Zeiten des konservativen Vormarsches, der Anti-Woke-Welle und Manosphere-Madness ohnehin immer weniger – umso wichtiger ist es, dass wir Fotzen laut bleiben.
Die freie Journalistin, Autorin und Popkultur-Expertin Verena Bogner schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne für die WZ.
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Infos und Quellen
Quellen
- Rolling Stone: The C-Word Is Everywhere Right Now — And Not in a Bad Way
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