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Kommentar: Mit „The Life of a Showgirl: Encore“ zieht Taylor Swift ihre wohl schlechteste Era in die Länge. Give us a break!
Wenn auf Taylor Swifts Website ein Countdown startet, bedeutet das für Swifties in der Regel erstmal etwas Gutes, weil nach Ablauf eigentlich nur zwei Dinge folgen können. Erstens: Es steht eine neue Ära ins Haus. Zweitens: Taylor releast eine neue Version eines schon bestehenden Albums. Aktuell haben wir es mit Zweiterem zu tun – in Form von „The Life of a Showgirl: Encore“. Uff.
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„Uff“ deswegen, weil es leider stimmt, wenn sie sagen: Es gibt auch zu viel des Guten. Versteht mich nicht falsch. Ich respektiere Taylor Swift als Popstar, ihr Songwriting ist unangefochten smart. Ich kann die 10-Minuten-Version von „All Too Well“ im Schlaf rezitieren, ich hing meine Freundschaftsarmbänder nach Absage der Wien-Shows an den Baum in der Corneliusgasse. Und trotzdem ist Taylor für mich mittlerweile wie ein Ex, den ich gerade nicht sehen will, der aber trotzdem ständig irgendwo aufpoppt.
Der Move, sein von Kritiker:innen und vielen Fans am meisten zerrissenes Album noch einmal hervorzuholen, als wäre es das ultimative Opus Magnum, ist erstmal wahnwitzig. Dass Taylor diese messy Era gut ein Jahr nach Release mit vier neuen Songs künstlich in die Länge zieht, zeigt zum einen, dass sich Taylor Swift sicher ist: Egal, was ich mache, meine Swifties are gonna eat this shit up. Das kann man selbstbewusst finden, aber auch unsympathisch.
Zum anderen zeigt es, dass es ihr egal ist, was ihre Fans von ihr und ihrer Musik halten. Es ist richtig, dass Popstars ihre Fans auch mal vor den Kopf stoßen, künstlerisch herausfordern oder mit Erwartungen brechen. Im Fall von Taylors „Encore“ hat das Ganze aber ein anderes Geschmäckle. Der überraschende Drop wirkt wie ein weiterer Cash Grab, der darauf baut, dass der kommerzielle Erfolg von Musik alles ist, was am Ende zählt. Egal, wie langweilig und austauschbar die Kunst ist, die dabei herauskommt.
Denn so kommerziell erfolgreich „The Life of a Showgirl“ auch war, so inhaltsleer und generisch war es auch. Kein Wunder: Wer am laufenden Band so viel – und vor allem so persönliche – Musik wie Taylor veröffentlicht, hat irgendwann nichts mehr zu sagen. Es ist nicht nur eine große Kunst, mitreißende, emotionale Songs zu schreiben, sondern auch, zu wissen, wann eine Geschichte auserzählt ist. Zu checken, wann man eine Pause einlegen und sich Raum und Zeit nehmen sollte, ist wichtiger als die dreizehnte Deluxe-Version auf Glitzer-Vinyl.
Ich bin müde. Ich bin müde von Taylor Swift, ihren Easter Eggs, die die Erwartungen der Fans manchmal grundlos ins Unermessliche steigern, von kryptischen Botschaften und Bonustracks. Es fühlt sich falsch und auf eine komische Art verräterisch an, das zu sagen, weil ich weiß, dass manche Swifties es antifeministisch finden werden. Die Frage, ob wir auch einen männlichen Popstar mit so großen Erwartungen konfrontieren würden, ist berechtigt. Trotzdem bin ich der Meinung, dass Taylor Swift selbst dazu beigetragen hat, dass wir Pop-Fans sie als larger than life wahrnehmen. Sie selbst nennt sich Mastermind. Das ist sie auch. Nur jetzt gerade nicht.
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