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Ich friere. Klimakatastrophe widerlegt!

3 Min
"It’s Giving Politics" ist der Titel der neuen Kolumne von Chiara Swaton und Nora Schäffler. Darin schreiben sie im wöchentlichen Wechsel über politische Themen.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

Ein verregneter Sommer widerlegt nicht den Klimawandel. Er ist Teil davon. Denn Extremwetter nimmt durch die Erderhitzung zu, in beide Richtungen.


Es ist Anfang August. In den letzten Wochen habe ich weder geschwitzt noch Eis gegessen. Ich war nicht schwimmen und bei meinen abendlichen Aperol-Drinks musste ich mir sogar eine Jacke anziehen. Und: Ich hab’ mir einen Matcha Latte statt einem Iced Matcha Latte genommen! Keine schlaflosen Tropennächte in Sicht, dafür Wolken, Wind und Regen. Also kam ich zu dem Schluss: An den Theorien ist doch was dran! Der Klimawandel ist eine Lüge!

Kalter Sommer, heiße Debatte

Warum diese Schlussfolgerung zu kurz gegriffen ist und warum gerade diesen Sommer Theorien wie diese auf besonders viel Resonanz stoßen, zeigt ein Blick auf den Regenradar im Sommer 2025.

Laut Wetteranalysen gab es in vielen Teilen Österreichs doppelt so viele Regentage wie im durchschnittlichen Juli. Plötzlich scheint für viele das ganze Gerede von Klimakrise und Erderhitzung übertrieben. Dazu titelt das rechte Onlinemedium Report24: „Klimapanik im Juli-Schneegestöber: Propheten der Klimakatastrophe blamierten sich erneut“. All das, weil es an einem Tag am Feuerkogel geschneit hat, auf über 1600 Metern Seehöhe. Für manche reicht das offenbar schon, um die gesamte Klimawissenschaft über Bord zu werfen. Es regnet? Na also, alles halb so wild. Problem gelöst. Dann war der ganze Aufwand um Mülltrennung und vegane Ernährung wohl doch übertrieben!

Nicht trotzdem, sondern deshalb

Was dabei übersehen wird: All das passiert nicht trotz, sondern gerade wegen der Klimakrise. Wärmere Luft speichert mehr Wasser, die Atmosphäre wird feuchter, es kommt zu intensiveren Niederschlägen. Klimawandel heißt auch: Mehr Extremwetter.

Der verregnete Sommer ist kein Zufall, sondern Teil eines globalen Musters, das Extremwetter wahrscheinlicher macht. Und zwar in beide Richtungen. Dieser Regensommer ist Teil der Klimakatastrophe.

Während wir nörgeln, brennt die Welt

Wir jammern in Österreich über Schlechtwetter (ich nehme mich da nicht raus), während in Südeuropa Menschen an der Hitze sterben. In Griechenland sind mehrere Tourist:innen bei 44 Grad zusammengebrochen und gestorben. In Italien verhängten Städte Hitzewarnstufe Rot, auch in Spanien und Frankreich kamen mehrere Menschen infolge der extremen Temperaturen ums Leben. Europaweit fordert die Klimakrise längst reale Opfer. Sogar in Island wurde im Mai 2025 mit Temperaturen bis zu 26,6 Grad ein nationaler Hitzerekord, deutlich über dem langjährigen Durchschnitt verzeichnet.

Trotzdem macht die FPÖ weiter gegen den „Klimawahn“ Stimmung. Anfang Juli warnte FPÖ-Energiesprecher Paul Hammerl vor einem „ideologisch motivierten Feldzug gegen Industrie und Wohlstand“ und bezeichnete das EU-Klimaziel als „brandgefährlich“.

Es drohe eine „Deindustrialisierung Österreichs“. Was bleibt, ist politische Blockade: Die ÖVP pendelt zwischen Wirtschaftsinteressen und Symbolpolitik, die Grünen kämpfen um Emissionsziele. Die SPÖ fordert verbindliche Klimaziele und soziale Ausgleichsmaßnahmen, die NEOS setzen auf marktwirtschaftliche Lösungen und ein CO₂-Budget.

Dabei wäre genau jetzt der Moment, die Diskussion vom Wettergefühl zur Realität zu verschieben. Denn während wir uns hierzulande bemitleiden, weil es eine Regenperiode gibt (ich zähle mich da dazu), zeigt der Rest der Welt, wie schlimm es werden kann.

Das Klima ist längst aus dem Gleichgewicht geraten. Wir auch?

In "It's giving politics" schreiben WZ-Redakteurinnen Nora Schäffler und Chiara Swaton über politische Themen.


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Infos und Quellen

Genese

Das schlechte Juli-Wetter hat auch bei WZ-Redakteurin Nora Schäffler die Stimmung gedrückt. Vor allem, weil dadurch wieder Zweifel an der Klimakrise lauter wurden.

Daten und Fakten

  • Report24 ist eine 2021 gegründete Online-Plattform mit Sitz in Linz, die sich als „Alternativmedium“ präsentiert, faktisch aber vor allem verschwörungsideologische, rechtspopulistische Inhalte verbreitet. Sie ist eng vernetzt mit Kanälen wie AUF1 und Wochenblick. Es nutzt emotional aufgeladene Formen der Desinformation , insbesondere zu Klimawandel, Corona, Migration und EU‑Politik.
  • In Griechenland starben im Juli mehrere Tourist:innen (u. a. in Rhodos, Samos und Amorgos) nach Wanderungen bei über 44 Grad Celsius.
  • In Spanien und Frankreich wurden ebenfalls mehrere Todesfälle im Zusammenhang mit extremer Hitze gemeldet.
  • In Mexiko wurden im Juni und Juli zahlreiche Kinder mit Hitzeschlag in Krankenhäuser eingeliefert, bei Temperaturen über 45 Grad.
  • In Kalifornien zerstörten außergewöhnlich heftige Waldbrände über 200.000 Hektar Land. Laut Behörden war das die die schwerste Brandsaison seit Beginn der Aufzeichnungen.

Quellen

Das Thema in anderen Medien

Das Thema bei der WZ

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