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Ich will laufen, nicht weglaufen

3 Min
Warum wird mein Laufgewand als Einladung verstanden, meinen Körper zu kommentieren?
© Illustration: WZ / Katharina Wieser. Bildquelle: Getty Images.

Warum wird mein Laufgewand als Einladung verstanden, meinen Körper zu kommentieren? Das fragt sich WZ-Redakteurin Nora in diesem Kommentar, nachdem sie beim Laufen wiederholt von Männern angesprochen, bewertet und sogar verfolgt wurde.


Hach, Frühling! Die Knospen blühen auf, die Tage werden länger, es riecht nach Zierkirschen. Hach, 20 Grad. Sportschuhe an, Sportgewand an, raus, laufen.

Hach, endlich kommentieren Männer wieder ungefragt meinen Körper.

Letzte Woche war ich dreimal laufen. Und ja, ich schreibe das nicht nur, um mir hier Anerkennung für meine High Performance abzuholen. (Nicht nur.) ((Folgt mir auf Strava.))
Bei diesen drei Läufen wurde ich dreimal angesprochen: Immer dann, wenn ich alleine war. Am Heimweg, bei der Bim-Station, im Supermarkt. Das waren herzerwärmende Kommentare wie: „Boah, na du hast ja eine „anzubetende” Figur. Oder der Klassiker wie: „Na, gehst laufen ;)?“

Einmal war ich mitten im Lauf, als ich bemerkt habe, dass ein Mann neben mir plötzlich begonnen hat, mitzulaufen. Erst nur ein paar Meter. Dann länger. Als ich das realisiert habe, bin ich in eine Gasse abgebogen, um ihn abzuhängen. Nach etwa einem halben Kilometer hat er mich angestupst und gesagt: „Das ist zu schnell, ich kann nicht mehr.” Rate mal, wieso ich so schnell laufe?????

Warum wird mein Laufgewand als Einladung verstanden, meinen Körper zu kommentieren, mich anzusprechen oder mir lächelnd zu nahe zu kommen? Und warum kommen diese Kommentare ausschließlich von Männern?

Ich habe versucht zu analysieren, warum ich zu perplex bin, um schlagfertig zu reagieren. Vielleicht, weil es kein Catcalling im klassischen Sinn ist: Es ist kein „Hey, Puppe!”, kein Hinterherpfeifen, keine Drohung. Es ist subtiler, freundlicher, netter formuliert.

Und ja: Ich weiß, dass das vielleicht sogar manchmal nett oder motivierend gemeint ist. Aber beim Sport fühlt es sich irgendwie noch intimer an. Ich bin outgezoned, ich gehe an meine Grenzen, bin außer Atem, bin verletzlicher. Dann bin ich ziemlich schnell zu einem Ergebnis gekommen, das ziemlich auf der Hand liegt: Ich bin doch wirklich so keck und trage beim Sport Sportgewand. Figurbetont, knapp, funktional. Und anscheinend reicht das, um meinen Körper zur öffentlichen Angriffsfläche zu machen und mich, das unterstelle ich jetzt mal, zu sexualisieren. Oder warum ist das meinem Freund noch nie passiert? Der läuft doch auch mit hautengem Sportgewand.

Aber, Schocker: Ich mache nicht draußen Sport, um gesehen zu werden. Ich bin draußen, um zu laufen. Ich will laufen und nicht weglaufen.


In einer Zeit, in der wir jeden Tag lernen, wie schnell Männer Grenzen überschreiten, finde ich es beachtlich, dass fremde Männer trotzdem denken, es käme cool, mir ihre Meinung bezüglich meines Körpers ungefragt aufs Auge zu drücken und naja…meine Grenzen überschreiten.

Liebe Männer, ich als Person, die weint, wenn sie die abgenudelten Karton-Schilder beim VCM liest, sage das mit viel Verständnis und Dankbarkeit für Motivation:

Wenn ihr nicht wisst, wohin mit eurer Energie, schnappt eure Laufschuhe und lauft selbst, danach könnt ihr gern euer Spiegelbild bejubeln, anstatt fremde Frauen auf der Straße auf ihr Aussehen anzusprechen, Fragen zu stellen oder sogar mitzulaufen.

Nicht, weil ihr böse seid. Sondern weil mein Körper euch nichts angeht, geschweige denn, ihn zu bewerten oder zu kommentieren. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen Motivieren und Sexualisieren, also hört auf, das als Motivation zu tarnen.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Laut einem Lauf-Newsletter der New York Times gaben 2023 in den USA 93 Prozent der Läuferinnen an, sich beim Laufen nicht sicher zu fühlen.
  • Fast alle berichten von negativen Erfahrungen: von anzüglichen Kommentaren bis hin zu verfolgt werden.

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