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Inflation, ein letztes Mal?

5 Min
Georg Renner schreibt jede Woche einen sachpolitischen Newsletter. Am Samstag könnt ihr den Beitrag online nachlesen.
© Illustration: WZ, Bildquellen: Georg Renner, Adobe Stock

Die Inflation ist im November erneut gestiegen, vor allem wegen auslaufender Energiehilfen – ein Effekt, der sich in den kommenden Monaten verringern dürfte.


    • Die Inflation ist im November erneut gestiegen und liegt bei 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
    • Energiepreise sind Haupttreiber der Teuerung, da staatliche Unterstützungsmaßnahmen ausgelaufen sind.
    • OECD prognostiziert für Österreich erst 2026 eine Rückkehr zu einer Inflationsrate von 2,6 Prozent.
    • Inflation im November: +4,1 % gegenüber Oktober des Vorjahrs
    • Energiepreise: +10 % teurer als im Vorjahr
    • Dienstleistungen und Lebensmittel: +4,5 % teurer
    • Regierung plant 500 Mio. Euro für günstigeren Strom
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Wir sollten noch einmal über Inflation sprechen – mit ein bisschen Glück (ok, viel Glück) könnte es das letzte Mal für längere Zeit sein.

Die schwarz-rot-pinke Koalition hatte sich schließlich schon im Frühjahr vorgenommen, den Kampf gegen die Teuerung als ihre höchste Priorität zu setzen. Daraus sind unter anderem die Mietenbremse, härtere Regeln für den Lebensmittelhandel und der „Sozialtarif“ im neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz erwachsen, die – letzteres abhängig von der Zustimmung mindestens einer der Oppositionsparteien – noch im Dezember vom Nationalrat beschlossen werden sollen.

Da will so gar nicht die Nachricht ins Bild passen, die die Statistik Austria am Dienstag herausgegeben hat: Die Inflation sinkt nicht, wie sich die Regierung das wünscht, Richtung zwei Prozent – nein, sie ist im November sogar noch einmal gestiegen, um 4,1 Prozent im Vergleich zum Oktober des Vorjahrs.

Schauen wir uns an, wie sich diese schleichende Geldentwertung in den vergangenen Jahren und Monaten entwickelt hat. Achtung, die ersten Balken der folgenden Grafik sind Jahreswerte, jene für heuer sind Monatswerte, damit wir den Verlauf ein bisschen besser nachvollziehen können:

Du siehst schon, dass das keine erfreulichen Werte sind. Die Corona-, Kriegs- und Lieferkettenverwerfungen der vergangenen Jahre haben den Jahren mit den niedrigsten Inflationswerten bis 2019/20 den Garaus gemacht. 2022 und 2023 sind die Teuerungswerte geradezu explodiert – und heuer steigen sie graduell weiter, wie wir bei jedem Supermarktbesuch spüren.

Aber das erzählt nur einen Teil der Geschichte – schauen wir uns an, wie die aktuell verkündeten 4,1 Prozent Preissteigerung bei den Konsumenten sich in den groben Kategorien des Verbraucherpreisindex zusammensetzen:

Während Dienstleistungen und Lebensmittel im Vergleich zum Vorjahr „nur“ um viereinhalb Prozent teurer geworden sind, ist die Energie der Ausreißer – sie ist im Schnitt ein Zehntel teurer als noch im vorigen November.

So blöd das klingt: Das ist eine halbwegs gute Nachricht. Denn es bedeutet, dass der schärfste Preistreiber demnächst wegfallen wird. Denn dass die Energiepreise so stark gestiegen sind, hängt vor allem damit zusammen, dass mit Ende 2024 diverse Unterstützungsmaßnahmen der damaligen Bundesregierung (ÖVP & Grüne) ausgelaufen sind – hier in einer Zusammenstellung des damaligen Klimaministeriums, erstellt von der österreichischen Energieagentur:

Renner
© Screenshot

Die Agentur hat in dieser kurzen Analyse vor einem Jahr ziemlich präzise vorhergesagt, was passieren wird, wenn all diese Hilfen auf einmal auslaufen: Energie wird empfindlich teurer, abhängig von Standort und Verbrauch, um mehrere hundert Euro pro Haushalt – und so ist es jetzt eben auch gekommen.

Das ist aber insofern eine halbwegs gute Nachricht, als dieser Vergleich mit den bis Ende 24 staatlich „gestützten“ Preisen mit dem neuen Jahr wegfällt – dann vergleichen wir ja den Jänner 2025 mit dem Jänner 2026. Sprich: In der Schnellschätzung Anfang Februar sollte der Energie-Teil der Inflationsrechnung deutlich niedriger ausfallen.

So viel zu den guten Nachrichten. Aber: Das Inflationsproblem ist dann doch deutlich hartnäckiger, als dass es sich einfach so lösen ließe. Denn auch wenn die Energiepreise noch die höchste Steigerung verzeichnen – sie machen in der Rechnung der Statistiker nur weniger als ein Zehntel der gewichteten Inflation aus. Klar: Wir geben weit weniger für Strom, Gas und Benzin aus als, zum Beispiel, für Lebensmittel und Dienstleistungen. Und diese beiden Kategorien, die zusammen an die zwei Drittel des Verbraucher-„Warenkorbs“ ausmachen, sind mit ihren viereinhalb Prozent noch lange nicht in dem Bereich, in dem wir die Inflation gerne hätten.

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Ein Kopf auf gelbem Hintergrund

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Jetzt geht ein Teil davon seinerseits wieder auf die hohen Energiekosten zurück, die die Unternehmer:innen ihrerseits bezahlen müssen, um besagte Güter anbieten zu können – aber eben nicht nur, auch die in den vergangenen Wochen viel besprochenen hohen Gehaltsabschlüsse des vergangenen Jahres spielen da eine Rolle. Aber auch an dieser Front könnte es ein bisschen Erleichterung geben – weil die ersten Kollektivverträge heuer ja deutlich unter der Inflation abgeschlossen haben.

Die Ökonomen der OECD, der Organisation der Industriestaaten, rechnen in ihrem gerade erschienenen „Economic Outlook“ jedenfalls noch damit, dass Österreich 2026 wieder in eine verträglichere Teuerungsdimension von 2,6 Prozent zurückkehrt.

Und die Organisation unterstreicht ebenfalls die Bedeutung der Energiekosten für unsere Wirtschaft:

„High energy prices continue to hinder competitiveness and production. Electricity prices for industrial use remain 40% above their level before Russia’s war of aggression against Ukraine. Although natural gas prices have declined since 2022, they are still elevated. Industrial energy prices have increased more than in most other EU countries.“

Vor diesem Hintergrund sollten wir die Ankündigung der Regierung lesen, noch einmal zusätzlich 500 Millionen Euro in die Hand nehmen zu wollen, um die Energiepreise herunterzubringen. Das wäre nämlich ziemlich essenziell, um die Inflation dauerhaft zu knacken. Damit wir nicht so bald mehr über sie schreiben müssen.


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Genese

Innenpolitik-Journalist Georg Renner erklärt einmal in der Woche in seinem Newsletter die Zusammenhänge der österreichischen Politik. Gründlich, verständlich und bis ins Detail. Der Newsletter erscheint immer am Donnerstag, ihr könnt ihn hier abonnieren. Renner liebt Statistiken und Studien, parlamentarische Anfragebeantwortungen und Ministerratsvorträge, Gesetzes- und Verordnungstexte.

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