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Ist Bitcoin jetzt doch vertrauenswürdig?

3 Min
Eine Illustration des Bitcoin Logos und 2 Händen.
Bitcoin boomt − obwohl sein Image nach wie vor unsauber ist.
© Illustration: WZ

Der Bitcoin-Preis übertrifft sich dank neuer Anlageprodukte derzeit mit Rekordwerten. Doch auch wenn sich die Kryptowährung an das traditionelle Finanzsystem annähert, ist das Image von Bitcoin noch immer nicht sauber.


„To the moon” heißt es in der Krypto-Branche, wenn die Währungen Höhenflüge hinlegen. Auf so einem Höhenflug befindet sich aktuell die größte und etablierteste Kryptowährung, Bitcoin. Anfang des Jahres haben wir schon über ein mögliches Comeback geschrieben, jetzt ist es soweit und der Preis hat 15 Jahre nach der Einführung sein Allzeithoch erreicht.

Bitcoin-ETFs sorgen für Allzeithoch

Anfang März lag Bitcoin erstmals bei rund 69.000 US-Dollar, und die Rekordwerte setzen sich seitdem fort: Vergangene Woche kostete ein Bitcoin etwa 72.000 US-Dollar bzw. rund 66.000 Euro. Woran liegt dieser Preisanstieg, nachdem die Kryptowährung nach ihrem ersten Allzeithoch im Jahr 2021 massiv an Wert verloren hatte?

Der Hauptgrund der aktuellen Preisrallye liegt an der Zulassung von Bitcoin-ETFs, also börsengehandelten Bitcoin-Fonds, durch die US-Börsenaufsicht im Jänner. Seither zahlen Anleger:innen Milliarden in die Bitcoin-ETFs; in den größten ETF von Blackrock gingen bis Mitte März 15 Milliarden US-Dollar. Für den Finanzjournalisten Niko Jilch, der in seinem Podcast „Was Bitcoin bringt” Expert:innen interviewt, war das grüne Licht der US-Finanz wichtig für das Image der Währung: „Bitcoin wird quasi angenommen im offiziellen Reich der Finanzen.” Die börsengehandelten Fonds erlauben laut Jilch auch ein einfacheres Investment in Bitcoin.

Bank ermöglicht Kryptohandel

Denn wer in Kryptowährungen investieren will, muss diese über eine eigene Handelsplattform kaufen und dann in einer Hardware- oder Software-Geldbörse („Wallet“) verwahren. Dieser Schritt fällt bei den ETFs weg, sie können über klassische Broker gekauft werden. In Europa sind die US-ETFs nicht zugelassen, hier gibt es stattdessen sogenannte ETN – „Exchange-Traded Notes”, die den Wert von Kryptowährungen nachbilden. Auch in Österreich tastet sich das klassische Finanzsystem an das Thema heran: Die Raiffeisenbank Wien-Niederösterreich hat seit Jänner die heimische Kryptoplattform Bitpanda eingebunden und ermöglicht damit den Kauf von Bitcoin und anderen Kryptowährungen über Online-Banking.

Die Europäische Zentralbank (EZB), die derzeit einen digitalen Euro entwickelt, warnt jedoch vor dem Boom: „Das Preisniveau von Bitcoin ist kein Indikator für seine Nachhaltigkeit. Es gibt keine wirtschaftlichen Fundamentaldaten, es gibt keinen fairen Wert, aus dem sich seriöse Prognosen ableiten lassen”, schreiben Experten im EZB-Blog. Die ETF-Zulassung ändere nichts an der Tatsache, dass Bitcoin weder als Zahlungsmittel noch als Investment geeignet sei. Anders sieht das der Bitcoin-Befürworter Jilch: „Wer die letzten 15 Jahre in Bitcoin gespart hat, ist reich geworden, während die Leute, die in Euro gespart haben, immer ärmer wurden.” Der Finanzjournalist betont aber, dass Investieren in Bitcoin Eigenverantwortung verlange und natürlich mit Risiken verbunden sei.

Bitcoin im Milliardenwert beschlagnahmt

Trotz der Annäherung zwischen der alten und neuen Finanzwelt kann sich Bitcoin nicht ganz vom schlechten Image befreien. Ende Jänner stellte das deutsche Bundeskriminalamt Bitcoin im damaligen Wert von zwei Milliarden Euro sicher. Betreiber eines illegalen Streaming-Portals mit Raubkopien hatten ihre Einnahmen in die Kryptowährung investiert. Das US-Finanzministerium untersucht aktuell Kryptotransaktionen in Höhe von 165 Millionen US-Dollar, die an die Terrororganisation Hamas geflossen sein könnten. Ob es sich dabei auch um Bitcoin handelt, ist nicht bekannt.

Diese beiden Fälle veranschaulichen, dass die Anonymität, die bei Kryptowährungen gegeben ist, weiterhin missbraucht wird. Aus diesem Grund und nicht zuletzt auch wegen der hohen Volatilität ist Bitcoin weiterhin mit Vorsicht zu genießen. Außerdem bleibt die Frage, inwiefern man einer Technologie vertrauen kann, deren Erfinder:innen nicht bekannt sind.


Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.