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Ist der Traum vom Eigenheim geplatzt?

3 Min
Eine Illustration eines Hauses und einer Hand, die Geld hält.
Das Einfamilienhaus ist in Österreich immer noch eine begehrte Wohnform, doch leisten können es sich immer weniger Menschen.
© Illustration: WZ

100.000 Euro für Häuslbauer: Der Vorschlag der Sozialpartner ist vor allem eine Hilfe für die Bauwirtschaft, der ein umstrittenes Wohnkonzept fördert: das Einfamilienhaus.


Garten, Garage und bestenfalls noch ein Pool: Das Einfamilienhaus gilt in unserer Gesellschaft als Statussymbol, als Errungenschaft der sozialen Norm. Viele von uns sind in Häusern aufgewachsen, die von unseren Eltern gebaut wurden. Doch dieser Traum des Eigenheims scheint für die jungen Generationen beinahe unerreichbar. Das zeigt sich unter anderem in der Eigentumsquote in Österreich, die seit Jahren sinkt, während die Mietquote steigt. Das Problem: Die Einkommen sind nicht so stark wie die Immobilienpreise in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Gleichzeitig ist die Finanzierung von Wohnprojekten schwieriger geworden, die Richtlinien für die Kreditvergabe wurden 2022 verschärft. Parallel dazu begannen die Kreditzinsen zu steigen.

100.000 Euro für das erste Haus

Jetzt kommt diese Entwicklung bei der Bauwirtschaft an. Seit 2022 ist die Wertschöpfung in der Baubranche rückläufig, dieses Jahr soll sie laut Prognose des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO den Tiefpunkt mit einem Minus von 3,5 Prozent erreichen. Um den Sektor wieder anzukurbeln, haben die Baugewerkschaft und die Wirtschaftskammer Österreich vergangene Woche ein Hilfspaket präsentiert. Häuslbauer sollen beim Bau des ersten Hauses einen staatlichen Zuschuss von 20 Prozent des Hauswertes, maximal 100.000 Euro bekommen. Es wird also besonders ein Bauprojekt gefördert, das Einfamilienhaus.

Damit wollen die Sozialpartner eine Wohnform fördern, die andernorts mittlerweile eingeschränkt wird. In mehreren Regionen in Deutschland werden die Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser massiv reduziert. Denn sie gelten als ökologisch nicht mehr vertretbar, weil sie zu mehr Autoverkehr und Bodenversiegelung beitragen. Ist der Traum vom eigenen Haus nicht mehr nur kaum erreichbar, sondern gar nicht mehr zeitgemäß?

Neubau oder Sanierung

Beim Bodenverbrauch zählt Österreich zu den Spitzenreitern in Europa. Zwischen 2019 und 2021 wurden laut Umweltbundesamt durchschnittlich 41 Quadratkilometer pro Jahr verbaut. 2022 waren es einer WWF-Analyse 43,7 Quadratkilometer. Das bedeutet nicht nur weniger Grünflächen, sondern kann Umweltkatastrophen zur Folge haben. Gegenvorschläge für den 100.000-Euro-Eigenheimbonus kommen deshalb von umweltfokussierten Interessenvertretungen. Die IG Lebenszyklus Bau und der Verband der Ziviltechniker fordern etwa die Förderung von Sanierungen, der Ankauf von bestehenden Häusern müsse finanziell oder steuerlich unterstützt werden. Einfamilienhäuser könnten so etwa zu Mehrgenerationenhäusern umgebaut werden.

Auch der WWF fordert vom Bund, bei dem Hilfspaket für den Bau stärker auf die Sanierung zu fokussieren: „Die Belebung der Ortskerne, das Aktivieren von Leerständen und die thermische Sanierung von Gebäuden sind für sich allein schon ein gewaltiges Konjunkturprogramm, das langfristig Arbeitsplätze sichert. Darauf sollte die Bundesregierung den Schwerpunkt legen, anstatt das Verbauen auf der grünen Wiese anzukurbeln”, kommentiert WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories.

Kaufpreise sinken, Mieten steigen

Die Frage des Eigenheimes ist also nicht mehr nur eine finanzielle Frage, sondern auch eine ökologische. Setzen die Sozialpartner das Baukonjunkturpaket durch, bleibt noch immer die Frage, wer sich auch mit einem Zuschuss von bis zu 100.000 Euro den Kauf eines Grundstücks und Bau eines Hauses überhaupt leisten oder finanzieren lassen kann. Versuche, die sogenannte KIM-Verordnung, also die strengen Kreditvergaberichtlinien, aufzuweichen, blieben bislang erfolglos.

Der Immobilienmarkt hat sich angesichts dieser Herausforderungen in der jüngeren Vergangenheit verändert. Vergangenes Jahr wurden laut der Re/Max Immobilienstudie 25 Prozent weniger Immobilien verkauft als 2022, bei Einfamilienhäusern ist die Nachfrage um 8,3 Prozent eingebrochen. Die Preise für Kaufobjekte werden demnach dieses Jahr weiter sinken – eine gute Nachricht für alle, die sich derzeit einen Wohnungskauf finanzieren können, und eine schlechte für die anderen: Denn die Preise für Mieten werden steigen. Will die Politik nicht nur die Bauwirtschaft retten, sondern auch den Traum vom Eigenheim ermöglichen, müssten also eher Bürger:innen finanziell entlastet und Anreize für Sanierungen geschaffen werden.


Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.