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Das österreichische Pensionssystem ist derzeit noch gut, aber teuer. Die Tatsache, dass die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter ab jetzt sinken wird, bringt es weiter in Gefahr.
Eines vorweg: Auch wenn es in der öffentlichen Diskussion oft so wirkt, ist nicht alles schlecht am österreichischen Pensionssystem. So zeigt etwa der neue OECD-Bericht „Pensions at a Glance 2025“, dass Österreich eine der höchsten Netto-Ersatz-Raten hat. Durchschnittsverdiener:innen mit vollständiger Erwerbsbiografie erhalten in der Pension 86,8 Prozent ihres Nettoverdienstes – das ist einer der höchsten Werte im OECD-Vergleich. Geringverdiener:innen erhalten 84,8 Prozent ihres Nettoverdienstes.
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Hohe Ausgaben für Pensionen
Die soziale Absicherung ist jedoch teuer: Österreich zählt zu den Staaten mit den höchsten Ausgaben für Pensionen. Im vergangenen Jahr wurden 13,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Pensionsausgaben aufgewendet. Laut OECD-Prognose werden die Ausgaben bis 2030 auf 15 Prozent des BIP ansteigen. Doch der Staat hat bekanntlich bereits jetzt ein Schuldenproblem, das die aktuelle Regierung nur schwer in den Griff zu bekommen scheint. Eine weitere Entwicklung könnte das System zusätzlich gefährden. Denn es gibt immer weniger erwerbstätige Menschen, die in die Pensionskassen einzahlen.
Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 64 Jahren hat im Jahr 2024 mit 5,57 Millionen ihr Maximum erreicht, informiert die Statistik Austria in ihrer im November veröffentlichten Bevölkerungsprognose. Bis 2040 soll sie um 4,6 Prozent, das sind rund 256.000 Personen, sinken. Demgegenüber stehen aktuell rund 1,84 Millionen Menschen im Alter über 65 Jahren. Dieses Alterssegment könnte bis 2040 um 33,8 Prozent wachsen. Tatsächlich erwerbstätig sind aktuell 4,78 Millionen Personen. Ihr Anteil soll bis 2040 um 0,8 Prozent sinken.
Immer weniger Erwerbstätige, immer mehr Pensionist:innen
Der Anteil der Erwerbstätigen in Österreich wird also in Zukunft sinken, während immer mehr in die Pension eintreten. Dieser Trend besorgt Ökonom:innen und die Politik seit Jahren, und er wird durch die aktuellen Prognosen bestätigt. Trotzdem schreibt die OECD in ihrem Bericht dem österreichischen Pensionssystem eine gewisse Nachhaltigkeit zu. Wer 2002 geboren und 2024 in den Arbeitsmarkt eingestiegen ist, soll demnach in der Pension die erwähnte Nettoersatzrate von 86,8 Prozent erreichen. Die Voraussetzung dafür ist aber eine vollständige Karriere, also Erwerbstätigkeit ohne Unterbrechung, und hier zeigt sich die nächste Schwäche des österreichischen Pensionssystems.
Denn Österreich ist laut OECD eines der Länder mit dem größten Gender-Pay-Gap bei den Pensionen. Die Differenz zwischen den durchschnittlichen Pensionen von Männern und Frauen beträgt 35,6 Prozent, während der OECD-Durchschnitt bei 23 Prozent liegt. Die Gründe für diese überdurchschnittlich hohe Pensionslücke liegen in den Ungleichheiten im Erwerbsleben. Erwerbstätige Frauen arbeiten öfter in Teilzeit und verlieren durch Pflegearbeit Zeit, in der sie keine Beiträge zur Pensionskasse leisten können. Auch niedrigere Stundenlöhne und ein früheres Pensionsantrittsalter machen sich schließlich in der Höhe der Pension bemerkbar. Eine schrittweise Anhebung des Eintrittsalters von Frauen auf 65 Jahre, das Pensionssplitting und die Anrechnung von Pflege- und Erziehungsarbeit könnten dazu beitragen, dass die Differenz sinkt.
Österreichs Pensionssystem funktioniert also noch – und vor allem für jene, die über das ganz erwerbsfähige Alter erwerbstätig bleiben. Damit das auch bei einer alternden Bevölkerung so bleibt, ist eine nachhaltige Finanzierung notwendig. Angesichts der hohen Kosten ist dies für den verschuldeten Staat jedoch eine Herausforderung. Es gibt bereits Lösungsvorschläge, etwa die Anhebung des Pensionsantrittsalters auf 70 Jahre oder die Förderung der privaten Altersvorsorge. Wer sich nicht auf die aktuellen Prognosen verlassen möchte, sollte lieber schon jetzt Geld zurücklegen, um im Alter nicht allein von der Pension abhängig zu sein.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- 2024 hat Österreich laut Statistik Austria das Maximum der Personen im erwerbsfähigen Alter erreicht, die Zahl der Menschen über 65 Jahren steigt bis 2040 aber um 33,8 Prozent.
- Wer 2024 in den Arbeitsmarkt einsteigt und bis zum Pensionsantritt durchgehend arbeitet, wird laut OECD in Österreich 86,8 Prozent des Nettolohns in der Pension erhalten, der OECD-Schnitt der Nettoersatzrate liegt bei 63,2 Prozent.
- Die öffentlichen Pensionsausgaben lagen 2024 im OECD-Schnitt bei 8,1 Prozent des BIP, in Österreich bei 14 Prozent des BIP.
Quellen
- OECD: Pensions at a Glance 2025
- Statistik Austria: Bevölkerungswachstum flacht ab
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