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Das Europäische Jugendparlament simuliert derzeit in Wien mit 75 Teilnehmer:innen und 45 Freiwilligen aus ganz Europa die große EU-Politik.
Elena Macura (19) und Maria Amvrosova (18) haben intensive Monate hinter sich. Denn die beiden haben parallel zu ihrer Matura Anfang Juni fast ein Jahr lang die aktuelle Sitzung des Europäischen Jugendparlaments (European Youth Parliament – EYP) in Wien vorbereitet. Rund 45 Freiwillige zwischen 16 und 25 Jahren aus mehr als 20 Ländern sorgen seit Mittwoch dafür, dass alles reibungslos abläuft, wenn an die 75 Delegierte aus ganz Europa noch bis Sonntag das EU-Parlament simulieren.
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Weder Partei- noch Klientelpolitik
Diskutiert wird auf Englisch über diverse aktuelle Themen zur europäischen Politik, von Jugendradikalisierung im Internet über Frauenrechte in Bezug auf Leihmutterschaft und den digitalen Euro bis hin zur Rolle der Atomenergie bei der Klimawende. Dabei wird die Struktur des EU-Parlaments mit seinen verschiedenen Ausschüssen nachgebildet – mit dem Unterschied, dass beim EYP weder Partei- noch Klientelpolitik eine Rolle spielen. Und: „Der Umgang miteinander in den Debatten ist immer sehr respektvoll“, betont die Diskussionsleiterin Lilly (22). Außerdem gibt es in den Pausen zwischen den Sitzungen ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm.
Wir wollen Europapolitik für die einzelne Person greifbarer machen.Elena (19), Wiener EYP-Organisatorin
Das EYP soll die oft sehr abstrakten Entscheidungsprozesse in Brüssel und Straßburg näher zur Jugend bringen, erläutert Elena. „Wir wollen Europapolitik für die einzelne Person greifbarer machen.“ Und hier wird im Kleinen richtige Politik gemacht: Die verschiedenen Arbeitsgruppen erstellen gemeinsam eine Resolution, über die am Ende abgestimmt wird, ergänzt Maria. „Darin werden Probleme und auch Lösungen aufgelistet.“ Mitunter wird eine solche Resolution dann auch ans EU-Parlament übermittelt.“
Dass die Jugend damit die europäische Politik direkt beeinflusst, möchte Elena nicht behaupten, aber: „Es war erfreulich zu sehen, dass das EU-Parlament auf ähnliche Ansätze gekommen ist wie wir“, sagt sie mit Blick auf eine vergangene EYP-Sitzung zu Deepfakes – ein Thema, das danach auch im EU-Parlament gelandet ist. „Wie geht die EU mit Staaten um, die Menschenrechte nicht einhalten? Das ist ein schwieriges Thema, aber wir wollen den jungen Teilnehmer:innen Werkzeuge an die Hand geben, um konstruktiv, respektvoll und wissenschaftlich fundiert darüber diskutieren zu können.“
Wir als Jugend sind von allem betroffen, was entschieden wird.Réka (21), Freiwillige beim EYP in Wien
Die 21-jährige Réka aus Luxemburg sieht zwar grundsätzlich immer mehr Möglichkeiten zur Mitsprache für junge Leute in Europa – seit 2025 steht auch der EU-Kommissionspräsidentin ein Jugendbeirat zur Seite –, „aber trotzdem sind die Strukturen so, dass es dann oft heißt: ‚Das haben wir immer so gemacht, wir werden nichts daran ändern.‘ Aber wir als Jugend sind von allem betroffen, was gerade für die Zukunft entschieden wird. Da müssten wir mitentscheiden. Ich glaube schon, dass die EU da oft nicht genug darauf blickt.“ Umgekehrt weiß sie aber auch, was sie an der Europäischen Union hat. „Ich glaube, die Jungen wissen schon zu schätzen, was die EU ihnen alles an Freiheiten und Möglichkeiten bietet.“
Verschiedene Kulturen, in Europa vereint
Während Réka recht frisch dabei ist, gehört Thomas mit acht Jahren EYP-Erfahrung zu den alten Hasen im Team. Die Frage, wo er schon überall an Sitzungen teilgenommen hat, bringt ihn zum Lachen: „Wo nicht?“ Neben verschiedenen EU-Ländern war er auch schon in Georgien mit dabei. Interessant war für ihn dabei die Erfahrung, „wie unterschiedlich Kulturen sind: In Deutschland wollten sie ohne Pause durcharbeiten, in Spanien haben sie unbedingt auf ihre Siesta bestanden, in Frankreich wurde konsequent Englisch verweigert. Und das Abendessen ist bei den einen schon um 18 Uhr und bei den anderen erst um 23 Uhr. Aber sie alle bilden ein gemeinsames Europa, um das sie sich sorgen.“
Die Vielfalt und die Internationalität haben es Elena besonders angetan: „Man knüpft über alle Grenzen hinweg Freundschaften mit Leuten, die man immer wieder bei einem der europaweiten Events trifft.“ Und Teilnehmer aus Nicht-EU-Ländern wie der 25-jährige Schweizer Brian bringen auch einen gewissen Blick von außen mit. Auch wenn sein Heimatland durch die vielen Abkommen dermaßen eng mit der EU verbunden ist, „dass eine Mitgliedschaft für mich persönlich vielleicht gar nicht mehr viel ändern würde“.
40 Länder, fast 40 Jahre
Die EYP-Sitzung in Wien ist die dritte in Österreich im heurigen Jahr, nach Graz und Linz. Nächstes Jahr könnten es drei andere Orte sein. Die Entscheidung darüber trifft der Vorstand, der so wie jedes Jahr im Sommer neu gewählt wird. An ihm ist es dann auch, unter Schüler:innen und Student:innen entsprechend Werbung zu machen, damit sich wieder genügend Teilnehmer:innen finden.
Was 1987 als kleine Initiative einiger Student:innen begonnen hat, ist heute ein riesiges europäisches Jugendprojekt, das nach fast 40 Jahren in ebenso vielen Ländern in ganz Europa vertreten ist, selbst in Aserbaidschan, Armenien oder Georgien. Finanzieren muss sich das als gemeinnütziger Verein organisierte EYP in Österreich allerdings vollständig selbst, weshalb die Delegierten einen Selbstbehalt von ungefähr 100 Euro bezahlen müssen. Den Rest decken Sponsor:innen ab, die das Organisationsteam in monatelangem Engagement gefunden hat. „Die Scheu vor dem Telefonieren legt man sehr schnell ab“, meint Elena schmunzelnd. In gewisser Weise ist auch das eine Lebensschule.
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Infos und Quellen
Gesprächspartner:innen
- Die Klassenkolleginnen Elena (19) und Maria (18) haben soeben in Wien maturiert und organisieren gemeinsam die aktuelle EYP-Sitzung in Wien.
- Brian (25) aus der Schweiz wurde 2019 von seiner Geschichtelehrerin zum EYP geschickt und ist ihr heute dankbar dafür.
- Lilly (22) aus der Schweiz hat schon sechs Jahre EYP-Erfahrung.
- Réka (21) aus Luxemburg hat Eltern aus Ungarn und Deutschland. Sie engagiert sich seit drei Jahren beim EYP.
- Thomas (23) aus den Niederlanden ist bereits seit 2018 beim EYP mit dabei.
Quellen
- European Youth Parliament (EYP) Austria
- Europäisches Jugendportal
- Jugendbeirat der EU-Kommissionspräsidentin
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