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Junges Wohnen im Senior:innenheim

Genese

Wie kann Wohnen einigermaßen günstig sein? Und gleichzeitig einen „sozialen Mehrwert" schaffen? Diese Fragen hat sich WZ-Redakteurin Petra Tempfer gestellt und ist dabei auf die „Häuser zum Leben" des Kuratoriums Wiener Pensionisten-Wohnhäuser der Stadt Wien gestoßen. Da hier tatsächlich Jung und Alt unter einem Dach leben und es für die Jungen aufgrund ihres sozialen Engagements auch noch günstiger ist als in einer eigenen Mietwohnung, hat Petra Tempfer sofort den Kontakt gesucht und sich und den Fotografen für einen Besuch angemeldet. Eine Reportage erschien ihr als geeigneter Weg, ein Stimmungsbild dieser Art der Wohnsituation zu zeichnen.

Gesprächspartner:innen

  • Gerda Meth ist 85 Jahre alt und lebt seit fünf Jahren im „Haus Wieden im betreuten Wohnmodell, wäscht also zum Beispiel ihre Wäsche selbst und geht einkaufen. Sie war Hausfrau und Mutter, hat zwei Töchter und fünf Enkelkinder.

  • Imad Khchifathi ist 31 Jahre alt und lebt seit drei Jahren gemeinsam mit seiner Frau Charlotte in einer 45 Quadratmeter großen Doppelwohnung im „Haus Wieden“. Er studiert Maschinenbau an der Technischen Universität Wien. Vor sieben Jahren kam er nach Österreich, er ist von Syrien geflüchtet.

  • Das „Haus Wieden“ der „Häuser zum Leben“ im 4. Wiener Gemeindebezirk bietet unterstütztes Wohnen (Betreuung und Pflege nur bei Bedarf), betreutes Wohnen, eine Remobilisation-Abteilung sowie Pflegeplätze an. Und: Doppelwohnungen mit je 45 Quadratmetern für junge Menschen in Ausbildung.

  • Die „Häuser zum Leben“

    werden vom Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser betrieben - das ist ein mit Rechtspersönlichkeit ausgestatteter gemeinnütziger, privatrechtlicher Fonds der Stadt Wien. Dieser wurde 1960 gegründet und betreibt auch 150 Pensionist:innenklubs der Stadt Wien.

    Die 30 „Häuser zum Leben“ bieten insgesamt 9.000 Plätze in Wien. Davon sind derzeit laut Armin Cehic, Direktor des „Haus Wieden“, 8.500 belegt. Es gibt mehrere Betreuungsmodelle mit dem Ziel Menschen in all ihren Lebensphasen zu begleiten wie unterstütztes Wohnen (Betreuung und Pflege bei Bedarf), betreutes Wohnen, stationäre Pflege und Betreuung, spezielle Betreuung bei Demenz, besonderen Bedürfnissen, Remobilisation sowie Hospiz- und Palliativbetreuung. Das Motto sei: „So viel Betreuung wie nötig, so wenig wie möglich“, sagt Cehic zur WZ. Man wolle „im Sinne der Ressourcenorientierung eine selbstbestimmte Lebenswelt schaffen“.

    Die Anmeldung erfolge über den Fonds Soziales Wien, der auf Bedarf reagiere, so Cehic weiter. Das bedeute: Falls jemand, der sich später gemeldet hat, einen akuten Bedarf hat, könne es auch sein, dass dieser früher einen Platz bekommt bei akutem Bedarf liege die Wartezeit bei höchstens drei Wochen, weil dann in ganz Wien und nicht nur in den Wunschhäusern nach einem Platz gesucht werde. Generell könne man nämlich bis zu drei Wunschhäuser angeben. Sobald in einem dieser Wunschhäuser ein Platz frei wird und der Bedarf nicht akut ist, werde man vom Fonds Soziales Wien informiert. Das kann laut Cehic auch mehrere Monate dauern.

  • Wohnbuddys

    Verein, der junge und alte Menschen gegen eine Vermittlungsgebühr zusammenbringt.

    Teaser auf Website:

    „Wohnbuddy ist eine Wohn-Plattform für Jung und Alt. Wir vermitteln älteren Menschen sowie Senioren- und Pflegewohnhäusern passende Wohnpartner. Das sind meist junge Menschen, die für erschwinglichen Wohnraum Zeit für gemeinsame Aktivitäten sowie Unterstützung im Alltag zur Verfügung stellen.“

    Es gibt zwei Modelle: Private Wohnungsbesitzer, die Student:innen bei sich aufnehmen, und Wohnen von Jung und Alt in Senior:innen-Wohnhäusern, mit denen die Wohnbuddys seit 2017 kooperieren (wie zum Beispiel mit den „Häusern zum Leben“)

Daten und Fakten

  • Anmeldung für junges Wohnen

    Das Angebot des Kuratoriums Wiener Pensionisten-Wohnhäuser umfasst ausschließlich Doppelwohnungen für Auszubildende. Insgesamt gibt es 50 Wohnplätze für junges Wohnen in den 30 „Häusern zum Leben“, sagt Eveline Pohl-Iser, die zuständige Abteilungsleiterin des Projekts bei den „Häusern zum Leben“. Konkret in den Pensionisten-Wohnhäusern Türkenschanze (18. Bezirk), Augarten (2.), Atzgersdorf (23.), Brigittenau (20.), Gustav Klimt (14.), Laaerberg (10.), Margareten (5.), Maria Jacobi (3.), Mariahilf (6. Bez.), Penzing (14.), Rudolfsheim (15.) und Wieden (4.). Von den 50 Wohnplätzen seien 32 belegt und 18 frei, so Pohl-Iser. „Es gibt schon einige Interessierte, aber für den Herbst anzufragen, lohnt sich definitiv.“

    Details zu den Kosten laut Website:

    „Ein Wohnplatz (Zimmer) in einer Doppelwohnung wird um 237,60 Euro pro Monat unmöbliert vergeben. Die Auszubildenden engagieren sich 25 Stunden pro Monat ehrenamtlich im Haus und profitieren gleichzeitig von der Lebenserfahrung der SeniorInnen.“

  • Alle Erklärungen zu den Tarifen für Senior:innen finden sich auf der Website der „Häuser zum Leben“.

Quellen

Das Thema in anderen Medien