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Kälte als Arbeitsbedingung: Wer den Winter aushalten muss

3 Min
"It’s Giving Politics" ist der Titel der neuen Kolumne von Chiara Swaton und Nora Schäffler. Darin schreiben sie im wöchentlichen Wechsel über politische Themen.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

Ob auf der Straße, auf der Baustelle oder im Kühlhaus: Arbeiten bei Kälte ist für viele keine Ausnahme, sondern Normalzustand.


Draußen ist es kalt. Klirrend kalt. Am liebsten würde ich in den Winterschlaf gehen und erst im März wieder aufwachen. Wenn in der Früh mein Wecker läutet, drücke ich mindestens dreimal auf Schlummern. Erst dann schaffe ich es, endlich aufzustehen. Eingekuschelt in meinen Fleecepyjama, erledige ich meine Morgenroutine. Wenig später düse ich los ins Büro der WZ. Dort angekommen, sieht meine erste Amtshandlung so aus: Heizung aufdrehen. Selbstverständlich.

Denn was ich auf keinen Fall will, ist in der Kälte zu arbeiten.

Arbeiten in der Kälte. Viele Berufsgruppen kommen darum nicht herum. Sie haben keine Wahl.

Jobs im Minusbereich

Da ist zum Beispiel der Essenszusteller, der spätabends mit klammen Fingern und einer Atemwolke vor einem Wohnhaus steht, wiederholt klingelt, bis er endlich reingelassen wird. Der Müllarbeiter, der um 5 Uhr früh bei –7 Grad eine schwere Tonne nach der anderen ausleert. Die Bauarbeiterin, die mit nassem Material hantiert – den ganzen Tag, ohne dass es wärmer wird.

Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen. Sie alle sind bei jedem Wetter unterwegs, ohne Ausnahmen. Doch auch indoor gibt es kälteexponierte Arbeitsplätze – wie etwa Kühlhäuser, unbeheizte Lagerhallen, Bahnhofsbereiche.

Arbeitgeber:innen sind daher gesetzlich verpflichtet, Schutzvorkehrungen gegen Kälte zu treffen. Ein Stichwort ist dabei das TOP-Prinzip: Technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen sollen das Arbeiten bei niedrigen Temperaturen absichern. Um optimal vorbereitet zu sein, empfiehlt die Arbeiterkammer (AK), den Kälteschutz vorausschauend zu planen. Dazu zählen etwa Kälteschutzkleidung, beheizte Aufenthaltsräume, Arbeitsunterbrechungen sowie Erholungs- und Aufwärmzeiten.

Der Preis der Kälte

Werden solche Präventionsmaßnahmen nicht ergriffen, kann es für Arbeitnehmer:innen durchaus gefährlich werden.

Denn die Arbeit in kalten Innen- und Außenbereichen birgt verschiedene Gesundheitsrisiken. Darauf weist bereits ein Artikel der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Industrial Health aus dem Jahr 2009 hin: Muskel-, Gelenk- und Knochenschmerzen treten besonders häufig bei Kältearbeit in Innenräumen auf. Das Einatmen kalter Luft während der Arbeit kann außerdem zu Atemwegssymptomen führen. Auch Herz-Kreislauf-Beschwerden können während der Arbeit bei kaltem Wetter auftreten – vor allem bei Menschen mit einer zugrunde liegenden Erkrankung.

Durch Gesundheitsprobleme erhöht sich auch das Risiko für Unfälle und Verletzungen, was wiederum in Arbeitsausfällen resultiert.

Ein Perspektivwechsel

Was bedeutet das also für mich, für uns, die bequem im Büro sitzen und sich beschweren, wenn die Heizung nicht schnell genug warm wird?

Vielleicht sollten wir uns einfach bewusst machen, dass Kälte für viele kein kurzfristiges Ärgernis ist, sondern Arbeitsalltag. Das macht unser Frieren nicht kleiner. Aber es wird in Relation gesetzt.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • In der Nacht auf Donnerstag wurde in Österreich die bisher kälteste Nacht dieses Winters gemessen. Den bundesweiten Tiefstwert verzeichnete die Messstation Liebenau-Gugu im Mühlviertel mit minus 27,9 Grad – so kalt war es zuletzt 2012.
  • Auch in vielen anderen Regionen herrschten extreme Minusgrade: In Schwarzau im Freiwald wurden minus 25,9 Grad gemessen, in Zell am See knapp minus 20 Grad. Selbst die Städte blieben nicht verschont, mit Temperaturen um minus zehn Grad in Graz, Linz, Innsbruck und Wien.
  • Das Orkan-Tief „Elli“ bringt derzeit in weiten Teilen Europas extreme Winterbedingungen. Während Deutschland und Frankreich besonders stark betroffen sind, streift der Wintersturm Österreich mit Schnee, Regen und teils gefährlichem Glatteis.

Quellen

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