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Kämpfen wie „echte Männer“

3 Min
WZ-Redakteur Michael Schmölzer blickt alle zwei Wochen zurück und zeigt auf, warum Historisches auch heute relevant ist.
© Illustration: WZ, Bildquellen: Wiki Commons.

Vorbei mit weiblich, woke, transgender: Donald Trump arbeitet an der Schaffung einer „männlichen“ US-Armee, wie es sie angeblich in der guten alten Zeit gab. Ein Denken, das in die Niederlage führt.


    • Donald Trump und Pete Hegseth propagieren in der US-Armee ein rückwärtsgewandtes, männlich dominiertes Kriegerbild.
    • Moderne Kriegsführung erfordert technisches und strategisches Denken, das geschlechtsunabhängig ist und alte Männlichkeitsideale überholt.
    • Die Rückkehr zu traditionellen Männlichkeitsvorstellungen führte im Iran-Konflikt zu Eskalation und Schwächung der USA.
    • Trump fordert Rückkehr zu traditionellen Männlichkeitsidealen in der US-Armee
    • Pete Hegseth beauftragt, "Fehlentwicklungen" wie Toleranz gegenüber Transgender zu beenden
    • Moderne Kriegsführung erfordert technisches und strategisches Denken, nicht Muskelkraft
    • Konflikt mit Iran führte zu Image- und wirtschaftlichem Schaden für die USA
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Donald Trump will das Rad der Geschichte überall zurückdrehen, so auch in der US-Army. Im Pentagon wird jetzt der männliche Krieger propagiert, der physisch und psychisch abgehärtete Kämpfer, der das Vaterland zu alter Größe führen soll. Zu woke, zu weiblich, zu tolerant gegenüber Transgender-Personen ist der US-Administration unter Trump die Armee. „Kriegsminister“ Pete Hegseth wurde beauftragt, mit diesen angeblichen Fehlentwicklungen aufzuräumen.

Vor einem Jahr hat Hegseth hunderte hochrangige Offiziere zusammentrommeln lassen und ihnen die Leviten gelesen. Frauen seien demnach für strapaziöse Kampfeinsätze weniger geeignet; Männer, die sich als Frauen fühlen, seien schlecht für die Moral. Höchste Männlichkeitsstandards sollen gelten, und bei dieser Gelegenheit wurden die Generäle und Admiräle aufgefordert, mit gutem Beispiel voranzugehen und mehr für ihre Muskelmasse zu tun.

Angst vor Frauen

Was steht dahinter? Die Antwort: Angst vor Homosexualität, Frauen, Transgender-Personen. Angst vor Niederlage durch Schwäche, die diesen Personen laut Trump angeblich anhaftet. Das alte Bild vom wehrhaften Mann wird propagiert als Garant für amerikanische Dominanz, die in den vergangenen Jahren angeblich durch zu viel Political Correctness, Feminismus und Toleranz verlorengegangen ist. Jetzt gilt wieder der Mythos vom unerschrockenen Krieger, der im Feld seinen Mann steht, nicht zurückweicht, keine Angst kennt, jede Mutprobe besteht.

Ein Bild von Vergangenheit, das es so nie gegeben hat. In der US-Armee vor 100 Jahren waren Männer genauso feige oder mutig wie Armeeangehörige heute. Sie hatten Angst vor dem Tod, vor Verwundung und davor, nie mehr nach Hause zurückkehren zu können. Die angeblichen Heroen ohne Fehl und Tadel wurden von schlechten Hollywoodverfilmungen wie „Rambo“ erfunden.

Dazu kommt, dass die Realität des modernen Krieges den althergebrachten, mit toxischen Männlichkeitsvorstellungen versehenen Soldaten selbst in der Theorie immer weniger braucht. Denn der Krieg ist dabei, sein Gesicht grundlegend zu verändern. Die Tage der großen Schlachten des 19. Jahrhunderts, der Sturmangriffe und der „mutigen Soldaten“ mit der Bazooka an der Schulter (Panzerfaust, Anm.) im Zweiten Weltkrieg sind vorbei. Der Einsatz von taktischen Drohnen, wie er auf unglaublich blutige und brutale Weise im Ukrainekrieg praktiziert wird, erfordert in erster Linie technisches und strategisches Denken, das in klimatisierten Gebäuden fernab der Schlachtfelder ausgeübt wird. Da diese Fähigkeiten geschlechtsunabhängig sind, ist in diesem Bereich der traditionelle, männlich dominierte Krieger-Stereotyp längst nicht mehr angesagt. Das bedeutet: Das Rambo-Ideal zieht hier nicht mehr.

Die Soldaten im direkten Kampfeinsatz hingegen sind in einer erbärmlichen Situation, weil sie den Drohnenangriffen in der „Todeszone“ schutzlos ausgeliefert sind. Das ist ebenfalls im Ukraine-Krieg sichtbar. Tarnen, Ducken und nicht Bewegen heißt die Devise, wenn man überleben will. Platz für Heroisches, wie es sich Trump vorstellt, ist da kaum.

Alte Männlichkeitsvorstellung führt in die Sackgasse

Im Endeffekt hat die Rückkehr zur angeblich wahren Männlichkeit in der US-Armee zu einem problematischen Verhalten beigetragen, wie es im US-Konflikt mit dem Iran zu beobachten war. Trump wollte zwar seit Wochen, dass der Streit endet, denn der finanzielle und der Image-Schaden waren enorm. Noch mehr wollte er der strahlend-machohafte Sieger sein, der Stärkere, der triumphiert. Einlenken, nachgeben, Kompromisse schließen sind diesem Denken gemäß Schwäche. So verstrickten sich die USA und der Iran über Monate in Drohungen und Angriffe, Menschen starben sinnlos, die Weltwirtschaft hat enormen Schaden genommen.

Resultat: Trump und die USA gehen nicht gestärkt aus dem Konflikt mit dem Iran hervor, sondern geschwächt. Und die US-Amerikaner:innen werden über kurz oder lang feststellen, dass es sinnlos ist, das Rad der Geschichte in punkto Männlichkeitsvorstellungen dauerhaft zurückdrehen zu wollen.


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Infos und Quellen

Quellen

  • Ernst Jünger: In Stahlgewittern, Klett-Cotta, 2007
  • Ray Raphael: Vom Mannwerden. Übergangsrituale im westlichen Kulturkreis, Irisiana, 1993
  • Serhii An: Der Konflikt in der Ukraine: Wie Drohnen die Kriegsführung verändern, 2025

Daten und Fakten

  • Der Einsatz von Drohnen allein führt nicht zwangsläufig dazu, dass alte Männlichkeitsvorstellungen im Krieg verschwinden. Die Fähigkeit, aus der Überlegenheit der Technik heraus emotionslos und präzise über Leben und Tod zu entscheiden, kann als neue Form hypermaskuliner Dominanz und Stärke interpretiert werden, wie es Ray Acheson in der Studie „Gender und Drohnen“ beschreibt.
  • Donald Trump entging einem Einsatz im Vietnamkrieg (1964 –1973) dadurch, dass er bei der Musterung angab, unter einem schmerzhaften Fersensporn zu leiden.
  • Im Ersten Weltkrieg starben insgesamt rund 116.500 US-Soldaten. Etwa 53.000 dieser Todesfälle waren direkte Folge von Kampfhandlungen, während rund 63.000 Soldaten an Krankheiten – insbesondere an der Spanischen Grippe – zugrunde gingen.
  • Die Ukraine verfügte 2025 über rund vier Millionen Drohnen, 2026 soll diese Zahl auf sieben Millionen gesteigert werden.
  • In den US-Streitkräften sind knapp 18 Prozent aller Soldaten weiblich.
  • Kriegerische Männlichkeit als neues Leitbild ließ US-Präsident Donald Trump auch bei den Feiern zu seinem 80. Geburtstag im Juni vor dem Weißen Haus demonstrieren. Da fanden Mixed-Martial-Arts-Käfigkämpfe statt, Bewerbe, die vor allem junge Männer anziehen sollten.

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