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Kann die EU deine Lebensmittel leistbarer machen?

2 Min
Laura Schatz und Mathias Ziegler beleuchten in ihrer Kolumne alle zwei Wochen EU-Themen.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

Vieles im Supermarkt ist bei uns teurer als in Deutschland. In Brüssel will man etwas gegen den Österreich-Aufschlag tun.


    • Lebensmittel sind in Österreich oft deutlich teurer als in Deutschland, trotz identischer Produkte und Hersteller.
    • Lieferbeschränkungen großer Hersteller verhindern günstigere Importe und betreffen vor allem kleinere EU-Länder wie Österreich, Belgien oder Bulgarien.
    • Die EU-Kommission plant bis Ende 2026 konkrete Maßnahmen gegen diese Preisaufschläge.
    • Das EU-Wettbewerbsrecht ermöglicht schon jetzt Bußgelder, aber nur im Nachhinein. Österreich fordert ein Verbot im Vorhinein.
    • Nutella, 750g: 4,99 € in Deutschland, 6,29 € in Österreich (25% teurer)
    • EU-Kommission plant bis Ende 2026 Maßnahmen gegen Lieferbeschränkungen
    • Bußgelder in Millionenhöhe von EU-Kommission gegen Konzerne wie Mondelèz und AB InBev verhängt
    • Vor allem kleinere EU-Länder wie Österreich, Belgien, Griechenland, Bulgarien betroffen
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Ein Glas Nutella, 750 Gramm, kostet bei Rewe in Deutschland 4,99 Euro – bei der Österreich-Tochter Billa steht das gleiche Glas um 6,29 Euro im Regal, man zahlt also um 25 Prozent mehr dafür. Dabei sind Hersteller, Verpackungsgröße und Inhaltsstoffe ident. Die heimische Politik spricht von einem Österreich-Aufschlag, der unzählige Produkte, insbesondere Lebensmittel betrifft.

Hier dürften mehrere Faktoren eine Rolle spielen: Österreichs Lebensmittelhandel hat dichtere und damit teurere Filialnetze. Der deutsche Markt ist größer und lässt sich damit wohl nicht so hohe Herstellerpreise gefallen. Österreichische Kund:innen sind eher bereit, mehr Geld für Qualität auszugeben. Und zu all dem kommt ein System, in dem große Hersteller den Lebensmittelhandel in manchen EU-Ländern teurer als in anderen beliefern und gleichzeitig einen Import aus billigeren Regionen unterbinden. Aufgrund dieser territorialen Lieferbeschränkungen können also die Mutterkonzerne Rewe, Aldi und Lidl in Deutschland nicht ihre Töchter Billa, Hofer und Lidl in Österreich von ihren günstigeren Einkaufspreisen profitieren lassen. Der heimischen Handel stöhnt, Nutella-Hersteller Ferrero will sich auf Nachfrage der WZ dazu nicht äußern.

Vor allem kleine EU-Länder sind betroffen

Unter solchen Preisaufschlägen und Lieferbeschränkungen leiden auch Belgien, Griechenland oder Bulgarien. Betroffen sind also vor allem kleinere EU-Staaten. Der EU ist die Problematik bewusst: So zeigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union vor dem EU-Parlament am 10. September durchaus Bewusstsein für die Belastung durch steigende Lebenshaltungskosten. Allerdings will die EU-Kommission erst bis Ende 2026 konkrete Maßnahmen gegen solche Lieferbeschränkungen, die Preise in die Höhe treiben, vorschlagen – als Teil der EU-Binnenmarktstrategie.

Genau dieser EU-Binnenmarkt – also der gemeinsame europäische Wirtschaftraum, in dem alle EU-Konsument:innen gleichbehandelt werden – wird nämlich durch solche Preisaufschläge hintertrieben. Ein Mittel dagegen gäbe es schon jetzt: das bestehende EU-Wettbewerbsrecht. Die EU-Kommission hat auch bereits einige Bußgelder in der Höhe von mehreren hundert Millionen Euro gegen marktbeherrschende Konzerne wie den Lebensmittelmulti Mondelèz oder den weltgrößten Brauriesen AB InBev verhängt, weil diese den grenzüberschreitenden Handel mit ihren Produkten eingeschränkt hatten. Allerdings sind solche Verfahren langwierig, mühsam und ein Rechtsmittel, das eben nur im Nachhinein eingesetzt werden kann.

Verbot soll Preisaufschläge im Vorfeld verhindern

Österreichs Bundesregierung fordert deshalb ein generelles Verbot von Lieferbeschränkungen, um Preisaufschläge im Vorhinein zu unterbinden. Das könnte die EU-Kommission vorschlagen, beschließen müssten es dann das EU-Parlament und die 27 EU-Mitgliedstaaten im Rat. Nur: Würden jene EU-Länder, in denen die Hersteller mit den höchsten Preisaufschlägen ihren Sitz haben, es gegen deren Interessen durchsetzen? Schließlich profitieren sie von den Steuern auf die höheren Gewinne.

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Infos und Quellen

Genese

Dass Lebensmittel in Österreich oft teurer sind als in anderen EU-Ländern, war bereits Thema in der WZ-Kolumne „It’s Giving Politics“. Jetzt soll es die EU richten, fordert die österreichische Bundesregierung. Aber kann sie es überhaupt? Dieser Frage sind WZ-Redakteur Mathias Ziegler und WZ-Trainee Laura Schatz zum Auftakt ihrer neuen, zweiwöchentlichen EU-Kolumne nachgegangen.

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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