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Bundeskanzler Stocker spricht die Idee eines österreichischen Staatsfonds an und nennt Skandinavien als Vorbild. Die dortigen Pensionskassen verdienen ihre Rendite am internationalen Kapitalmarkt.
Die Pension, so wie wir sie kennen, geht sich nicht mehr aus. Was Ökonom:innen seit Jahren ansprechen, dürfte endlich in der Politik angekommen sein. Bisher gibt es keine konkreten Lösungen, nur viele Ideen, wie etwa die von uns kürzlich beschriebene steuerliche Begünstigung der privaten Geldanlage, auf die bereits viele andere Länder setzen.
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Von Bundeskanzler Christian Stocker kommt jetzt ein neuer Vorschlag: Ein Staatsfonds soll mit seinen Gewinnen die staatliche Pension finanzieren. Doch wie soll das funktionieren?
Im Sommergespräch mit der Krone erklärte er, wie er eine Zusatzabsicherung des staatlichen Pensionssystems aufbauen möchte: „dass wir einen Teil der Gewinne, die wir aus den Staatsbetrieben machen, veranlagen, in ein Pensionsvermögen wie in Skandinavien, wie in Dänemark. Und wenn wir etwa die Hälfte der Gewinne, die wir hier machen, veranlagen, dann hätten wir über die Jahrzehnte, in etwa 30 Jahren, ein Volumen von 100 und mehr Milliarden Euro, wo wir aus den Erträgen in die Pensionen dazuschießen könnten.”
Bei durchschnittlichen Veranlagungserfolgen wären das fünf Milliarden Euro pro Jahr, rechnet Stocker vor. Krone-Chefredakteur Christian Nusser bringt in einer Nachfrage den norwegischen Staatsfonds ins Spiel, Stocker erwähnt allerdings noch einmal Dänemark als Vorbild für seine Idee. Sowohl der dänische als auch der norwegische Pensionsfonds, der international als Vorzeigemodell für die Zukunft der staatlichen Pensionen gilt, setzen jedoch auf einen Markt, den Österreich bei der Pensionspolitik bisher ignoriert hat: die Börse.
So könnte der Fonds funktionieren
Stockers Modell könnte so aussehen: Die staatlichen Beteiligungen an heimischen Unternehmen wie Oesterreichische Post, OMV, Verbund oder Telekom Austria werden über die Holding ÖBAG (Österreichische Beteiligungs AG) verwaltet. Laut dem Geschäftsbericht 2025 schüttet die ÖBAG für das vergangene Geschäftsjahr 1,577 Milliarden Euro Dividende aus, das sind somit die Gewinnausschüttungen der Staatsbeteiligungen. Davon will der ÖVP-Chef offenbar die Hälfte in einen Staatsfonds anlegen, sodass in drei Jahrzehnten ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro entsteht.
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Wenn jährlich etwa 788,5 Millionen Euro (die Hälfte der aktuellen Gewinnausschüttung) in den Fonds fließen würden, wären in 30 Jahren etwa 8,6 Prozent Rendite nötig, damit der Fonds ein Volumen von 100 Milliarden Euro erreicht. Wie diese Entwicklung aussehen soll, also wie das Geld im Staatsfonds tatsächlich angelegt wird, darauf geht Stocker nicht ein. Das bringt uns zu den skandinavischen Modellen: Die dänische Pensionskasse „Arbejdsmarkedets Tillægspension“ ist neben der steuerfinanzierten staatlichen Pension die zweite Stütze des Pensionssystems. Ihr Gesamtwert von rund 119 Milliarden Euro setzte sich im vergangenen Jahr zur Hälfte aus Anleihen zusammen. 13,6 Milliarden Euro stammten aus börsennotierten Aktien und 12,27 Milliarden Euro aus anderen Unternehmensbeteiligungen. Der dänische Fonds setzt also in erster Linie auf den Aktienmarkt und erzielte so eine Rendite von 19,5 Prozent.
Tech-Konzerne finanzieren Pensionen
Der „Norwegian Government Pension Fund Global“ hat einen Gesamtwert von 1,79 Billionen Euro und erwirtschaftete im vergangenen Jahr eine Rendite von 15,1 Prozent. Der norwegische Staatsfonds besteht zu 71,3 Prozent aus ausländischen Aktien. Zu den größten Beteiligungen zählen Nvidia, Apple und Microsoft. In norwegische Unternehmen darf hingegen nicht investiert werden. Der dänische Fonds hat zwar inländische Beteiligungen, diese machen aber nur einen kleinen Anteil aus. Kurz gesagt: Die beiden Modelle sind erfolgreich, weil sie an internationalen Konzernen beteiligt sind.
Das könnte zum Knackpunkt für Stockers noch nicht ausgereiften Plan werden, denn beim Thema Aktien und private Geldanlage sind sich die Regierungspartner uneinig. Während die Neos offen sind, bremst die SPÖ beispielsweise bei steuerlichen Vorteilen für Anleger:innen. Ein Staatsfonds, der in US- oder asiatische Konzerne investiert, könnte somit zur Grundsatzfrage werden, ob das Pensionssystem teilweise durch den internationalen Aktienmarkt finanziert werden soll. Die in Österreich an der Börse gelisteten Unternehmen erzielen eine durchschnittliche Rendite von acht Prozent pro Jahr. Stockers Rechnung könnte also auch ohne ausländische Beteiligungen fast aufgehen – vorausgesetzt, die staatlichen Beteiligungen schütten immer mindestens so viel Gewinn aus wie im Jahr 2025.
Der Kanzler denkt die Idee im Krone-Interview noch weiter: In einen solchen Fonds könnten nicht nur der Staat, sondern auch jeder Einzelne einzahlen. Dort könnte auch die betriebliche Vorsorge veranlagt werden. Der Staatsfonds soll, wie erwähnt, nicht die gesamte staatliche Pension finanzieren, sondern zumindest einen Teil davon. Es deutet also vieles darauf hin, dass die private und betriebliche Vorsorge sowie die kapitalmarktgestützte Anlage miteinbezogen werden, wenn die Politik das Pensionssystem für die nächsten Generationen absichern will.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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