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Kartoffeldruck & Brezel-Schoki: Heuer Kein Weihnachststress!

4 Min
"It’s Giving Politics" ist der Titel der neuen Kolumne von Chiara Swaton und Nora Schäffler. Darin schreiben sie im wöchentlichen Wechsel über politische Themen.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

Zwischen Konsumrausch, Last-Minute-Panik und Kartoffeldruck stellt sich die Frage: Muss Weihnachten wirklich so stressig sein? Ein Plädoyer für Low-Stress-Geschenke, Brezel-Schoko und ein bisschen mehr Gelassenheit.


Der 22. Dezember: 48 Stunden vor dem Einsetzen der Wehen der heiligen Maria, aber auch ein gesellschaftlicher Stichtag: Ein Stichtag, an dem sich Weihnachtsgeschenke-Besorger:innen in drei Gruppen unterteilen lassen:

  1. Die High Performer:innen: Zu ihnen zählen all jene, bei denen sich schon eine Staubschicht auf den gekauften Geschenke gebildet hat, weil die letzten Gaben Ende November bereits besorgt wurden. Ich beobachte sie mit Anerkennung, habe Respekt und fast ein bisschen Angst vor ihnen. Sie sind diejenigen, die schon im November schreiben: „Weihnachtsgeschenke-Wünsche? Geschenk-Emoji, Tannenbaum-Emoji, Engel-Emoji.” Und diejenigen, die Sachen sagen wie: „Ja, rund um Weihnachten wird‘s dann stressig.“ (Sie haben bis jetzt immer Recht damit behalten)
  2. Die Realistischen: Sie haben sich den Konsumrausch über den Dezember gut eingeteilt, planen verstreut drei bis vier Shopping-Nachmittage ein, nehmen schon auch einen Black Friday Deal mit, erwischen aber noch spontane Wünsche.
  3. Die Chiller:innen: Man könnte sie auch lucky delulu Mäuse nennen, bemerken bei einem Blick auf den Kalender, dass ja schon der 22. Dezember ist, langsam könnten sie sich mal überlegen, wen sie überhaupt beschenken wollen und müssen, machen das aber in voller Ruhe, denn schließlich bleiben ja noch der 23. und der 24. am Vormittag. Ja, bei ihnen kommt es ab und an vor, dass sie am 24. am Nachmittag vor bereits geschlossenen Geschäften stehen. Hoppla.
    Sind wir ehrlich, diese Gruppe hat früh gelernt, sich auf organisierte Geschwister oder Partner:innen zu verlassen. Und so wird sich auch, alle Jahre wieder, eine Lösung für die Chiller:innen finden lassen.

It’s the most stressful time of the year

Ja, die Weihnachtszeit ist stressig, alle sind im Ausnahmezustand. Nicht nur, weil es zig Weihnachtsfeiern, Punsch-Touren und Geschenke zu besorgen gibt, sondern auch, weil der gesellschaftliche Druck steigt, sich besonders fromm und besinnlich fühlen zu müssen.

Laut aktuellem Consumer Check des Handelsverbands beschenken 84 Prozent der Österreicher:innen zumindest eine Person. Pro schenkender Person sind dafür im Schnitt 389 Euro eingeplant. 37 Prozent achten gezielt auf Rabatte, während nur 23 Prozent insgesamt weniger ausgeben wollen, konsumiert wird also nicht unbedingt weniger, sondern vor allem effizienter.

Aber wo ist unsere Kreativität geblieben? Welche Urstrumpftante freut sich nicht über ein kartoffelbedrucktes Leinensäckchen? Und bei den Lebensmittelpreisen ist Kartoffeldruck doch auch schon eine Investition!! Also freu dich gefälligst, Tante Gundula.

Der Weihnachtsstress bleibt

Ich bringe euch jetzt die frohe Botschaft: Wir sind stärker als der Weihnachtsstress.
Hier kommt der Low-Konsum-Low-Stress-Geschenkeguide: (ja, ich weiß, zugegeben stresst mich dieser Titel auch ein bisschen)

  • Playlist zusammenstellen für die Person: Für zum Beispiel den Arbeitsweg, PMS-Abende daheim, lange Autofahrten. Besonders geeignet sind hierfür Banger, die an gemeinsame Erlebnisse erinnern.
  • Selbst designte Sachen, ob Plakate, Notizblöcke, Sticker, etc.
  • Bring Gutscheine back! (Wichtig: wenn ihr Eltern habt, die immer noch “einmal braf sein” aus den Volksschulzeiten der 90er-Jahren einlösen, halte ich das allerdings nicht für das geeignete Geschenk)
  • Essen einkochen, einwecken oder backen. Ideal, wenn es lange haltbar ist, und man sich auch nach komatösem Völlern nach den Weihnachtsfeiertagen daran erfreut. Ich persönlich finde diese Schokoladen, in die man Brezeln oder Streusel verarbeitet, machen einen funky und fancy Eindruck.
  • Gemeinsame Erinnerungen aufschreiben und nett verpacken, zum Beispiel in Glückskeksen oder in einer schönen Vase.
  • Spenden für einen guten Zweck im Namen der Person.

Laut Handelsverband wird inzwischen selbst der Weihnachtsstress optimiert, vor allem von Gen Z und Millennials, die mehrheitlich KI zur Geschenkfindung oder zum Preisvergleich nutzen: Auch auf Social Media findet man immer die Last Minute, Low Budget, Low Calorie Tipps, Low Carb-Geschenk-Ideen. Aber ehrlich gesagt: Dieses Motto „Ihr habt alles davon garantiert daheim” erzeugt bei mir denselben Schweißausbruch, wie damals bei Art Attack: Wer hat bitte Bastelkleber für Pappmaché zu Hause???

Und wenn wirklich alle Stricke reißen, schenkt das, was wir uns zu Weihnachten wirklich wünschen: Zeit. Zeit ohne Hektik.

Oder: Verzweifle nicht, schreib ein nettes Gedicht.
Kein Geschenk zum Feiertage, welch missliche Lage.
Doch alles lässt sich lösen leicht,
wenn uns ein bisschen Besinnlichkeit erreicht.
Mögen wir die Familie gut aushalten
und dabei nicht den Lebenswillen ausschalten.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Laut dem aktuellen HV Consumer Check 2025 planen Österreicher:innen im Schnitt 389 Euro pro Kopf für Weihnachtsgeschenke ein.
  • 84 % der Österreicher:innen machen Weihnachtsgeschenke, 11 % feiern zwar Weihnachten nicht, beschenken aber dennoch Menschen in ihrem Umfeld.
  • Gutscheine bleiben das beliebteste Geschenk: 45 % der Befragten wollen heuer Gutscheine verschenken, gefolgt von Geldgeschenken (32 %) und gemeinsamer Zeit (31 %).

Quellen

Das Thema in der WZ

Ist es okay, zu Weihnachten nichts zu schenken?

Das Christkind ist die Mama (der Weihnachtsmann auch)

Das Thema in anderen Medien

Die Presse: Weihnachten: Handelsforscher rechnen mit leichtem Umsatzanstieg

Hitradio Ö3: Wir geben fast 400 Euro pro Kopf für Weihnachten aus

NÖN: So gehen die Landsleute beim heurigen Weihnachtseinkauf vor

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