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Kerosin-Knappheit: Goodbye, Sommerurlaub?

3 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Zunächst schnellten die Spritpreise in die Höhe, dann hieß es, die Flugtickets würden teurer werden – und nun könnten aufgrund des Iran-Krieges viele Flüge sogar gestrichen werden. Der Grund: In den nächsten Wochen könnte Treibstoff knapp werden.


    • Die Blockade der Straße von Hormus führt zu Kerosin-Knappheit und steigenden Preisen, was Flugausfälle verursachen könnte.
    • IEA-Chef Fatih Birol und IATA-Generaldirektor Willie Walsh warnen vor möglichen Flugstreichungen in Europa ab Ende Mai.
    • Flugpreise könnten laut Oxford Economics um 5 bis 10 Prozent steigen, besonders internationale Strecken sind betroffen.
    • Kerosinpreis am 10. April: 197,39 US-Dollar/Barrel, mehr als doppelt so hoch wie im Vormonat
    • In Europa könnten ab Ende Mai erste Flüge wegen Kerosinmangel ausfallen
    • Im Mai fehlen laut Wirtschaftsministerium in Österreich 15 % des Kerosins
    • Flugpreise könnten laut Oxford Economics um 5 bis 10 % steigen
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Die Straße von Hormus war in den vergangenen Tagen erneut der politische Spielball im Nahostkonflikt. Sowohl vom Iran als auch von den USA wird sie immer wieder blockiert. Bereits Mitte März warnte die Internationale Energieagentur (IEA) vor einem möglichen Rückgang der Exporte von Flugtreibstoff. Denn dieser macht 7 Prozent des globalen Ölbedarfs aus – und über die Straße von Hormus wird vor allem Öl geliefert.

Kerosinpreis verdoppelt

Mitte April sprach IEA-Chef Fatih Birol dann eine konkrete Warnung aus: „In Europa reichen unsere Kerosinvorräte vielleicht noch für etwa sechs Wochen. Wenn es uns nicht gelingt, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, dann kann ich Ihnen sagen, dass wir bald die Nachricht hören werden, dass einige Flüge aufgrund von Kerosinmangel gestrichen werden könnten“, sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur AP.

Laut dem Preismonitor der International Air Transport Association (IATA) lag der durchschnittliche Kerosinpreis am 10. April bei 197,39 US-Dollar pro Barrel und war damit 13 Prozent höher als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresdurchschnitt von rund 90 Dollar pro Barrel hat sich der Kraftstoffpreis somit mehr als verdoppelt. „Wir gehen davon aus, dass es in Europa ab Ende Mai aufgrund von Flugbenzinmangel zu ersten Flugausfällen kommen könnte. In Teilen Asiens ist dies bereits der Fall“, bestätigt IATA-Generaldirektor Willie Walsh die Warnung der Energieagentur.

Wien sieht Versorgung gesichert

Da Treibstoff einen großen Kostenfaktor für Fluglinien darstellt, könnte sich diese Entwicklung bald in den Ticketpreisen für Verbraucher:innen widerspiegeln – oder sogar im Flugangebot, wie der IEA-Chef andeutete. Die deutsche Regierung berät diese Woche mit der Luftfahrtbranche über einen drohenden Kerosinmangel. Auch der österreichische Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) informierte in der vergangenen Woche darüber, dass im Mai 15 Prozent des Kerosins fehlen werden. Zwar sei man in Wien versorgt, das Problem könnte jedoch vor allem Rückflüge betreffen.

Die Austrian Airlines bestätigen das gegenüber dem Standard, aus derzeitiger Sicht sei die Kerosinversorgung in Wien gewährleistet. Bei der Muttergesellschaft Lufthansa wurden bereits einige Flüge eingespart. Dies könnte jedoch nicht nur mit den steigenden Treibstoffpreisen, sondern auch mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage des Konzerns zusammenhängen. Die niederländische Fluggesellschaft KLM begründet kürzliche Flugstreichungen tatsächlich mit dem steigenden Kerosinpreis.

Auch wenn die Fluggesellschaften offenbar noch keine akute Gefahr für den Sommertourismus sehen, müssen sich Reisende wohl auf Flugstreichungen oder Planänderungen einstellen – vor allem bei internationalen Strecken. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics rechnet damit, dass die Flugpreise um 5 bis 10 Prozent steigen werden. Wie stark der Flugverkehr eingeschränkt wird, hängt unter anderem davon ab, wie lange die Blockade der Straße von Hormus und der Iran-Krieg andauern. Die Internationale Energieagentur rät Regierungen und Unternehmen, auf Geschäftsreisen per Flugzeug zu verzichten und auch im öffentlichen Bereich daran zu sparen.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Sowohl die Internationale Energieagentur als auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer warnen davor, dass es im Mai zu Versorgungsengpässen bei Kerosin kommen könnte.
  • Der durchschnittliche Kerosinpreis hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.
  • International reagieren Fluglinien bereits mit Anpassungen des Flugplans, die Ticketpreise könnten um 5 bis 10 Prozent steigen.

Quellen

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