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Kommt jetzt das Bitcoin-Comeback?

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Eine Illustration mit einer 0 & 1er Zahlenreihe sowie dem Bitcoin Symbol.
Es waren vor allem die Betrugsfälle, die den Bitcoin-Preis in den vergangenen zwei Jahren zum Schwanken brachten.
© Illustration: WZ

Nach 15 Jahren hat sich Bitcoin noch immer nicht als digitales Zahlungsmittel in der breiten Masse etabliert. Heuer könnte die Kryptowährung nach zwei Krisenjahren allerdings wieder an Bedeutung gewinnen.


Betrug, massive Preisschwankungen und Intransparenz: Keine Währung hat in den vergangenen zehn Jahren so viel Aufsehen erregt und polarisiert wie Bitcoin. Und während das digitale Zahlungsmittel in der jüngeren Vergangenheit wegen Korruption für Schlagzeilen gesorgt hat, treibt jetzt eine neue Entwicklung den Markt wieder voran.

Geldanlage statt Geldbörse

Doch was ist Bitcoin eigentlich? Vereinfacht gesagt ist Bitcoin ein virtuelles Zahlungsmittel, das auf der sogenannten Blockchain-Technologie, einer Verschlüsselungsmethode, basiert. Die Kryptowährung ging 2009 an den Start, ihre Entwickler:innen sind bis heute nicht bekannt. Eine der Gründungsideen war es, ein dezentrales Zahlungssystem, das von Banken und traditionellem Geld unabhängig ist, zu schaffen. In der Praxis hat sich Bitcoin aber eher als Spekulationsmittel oder Anlageform etabliert.

Daten darüber, wie stark Bitcoin tatsächlich bereits als Zahlungsmittel genutzt wird, gibt es kaum. Die US-Notenbank kam in einer Haushaltsstudie 2023 zu der Erkenntnis, dass nur zwei Prozent der Haushalte Kryptowährungen nutzen, um damit etwas einzukaufen. Hingegen machten elf Prozent Krypto-Investments. El Salvador war im September 2021 der erste Staat, der Bitcoin als Landeswährung akzeptierte. Ein Jahr später gaben in einer Umfrage nur zehn Prozent der Salvadorianer:innen an, mit Bitcoin über die staatliche App zu zahlen. Beobachter:innen halten das Projekt für gescheitert. Tatsächlich missglückt ist der Versuch in der Zentralafrikanischen Republik, hier hat die Regierung den Status als offizielles Zahlungsmittel nach einem Jahr wieder aberkannt.

Warum der Preis abstürzte 

Die schleppende Akzeptanz lässt sich unter anderem mit den Preisschwankungen erklären: Der Preis für ein Bitcoin erreichte im November 2021 ein Allzeithoch von 59.716,82 Euro, ein Jahr später war er nur mehr rund 16.000 Euro wert. Seit Anfang 2023 geht es wieder stetig bergauf, seit Jänner 2024 wird die Währung um mehr als 40.000 Euro gehandelt − aber noch immer rund 30 Prozent unter dem Höchstwert.

Es waren vor allem die Betrugsfälle, die den Preis in den vergangenen zwei Jahren zum Schwanken brachten. Der bekannteste Fall ist FTX. Die Handelsplattform für Kryptowährungen schuldet nach der Verurteilung ihres Gründers Sam Bankman-Fried den Geschädigten mehrere Milliarden US-Dollar. Trotz dieser Krisen hat die Kryptobranche seit Monaten Hoffnung auf einen Aufschwung und wieder mehr Akzeptanz, und diese erfüllte sich vergangene Woche. Denn die US-Börsenaufsicht erteilte die Zulassung für Bitcoin-ETFs. Dabei handelt es sich um ein Finanzprodukt, „Exchange-Traded Funds”, börsengehandelte Fonds. Diese investieren in Bitcoin, Kleinanleger:innen kaufen also nur indirekt die Kryptowährung. Sie ersparen sich damit die teils komplizierten Schritte, die für den Kauf von Bitcoin notwendig sind. Da diese neuen Bitcoin-ETFs den gleichen Preisschwankungen unterliegen, minimiert sich jedoch nicht das Risiko des Investments.

Ein Schritt für mehr Bitcoin-Akzeptanz 

Die Börsenaufsicht betont zwar, dass die Entscheidung keine offizielle Unterstützung für die Kryptowährung bedeute und verweist auf das hohe Risiko durch die Volatilität der Währung. Die Branche sieht das grüne Licht der US-Behörde aber als eine Annäherung und eine Möglichkeit, Bitcoin einer breiteren Bevölkerung zugänglich zu machen. Andererseits geht die virtuelle Währung damit einen weiteren Schritt weg von der Grundidee, eine Alternative zu finanziellen Institutionen aufzubauen. Eric Demuth, Geschäftsführer der österreichischen Handelsplattform Bitpanda, begrüßt diese Entwicklung jedenfalls: „Ich erwarte einen anfänglichen Aufschwung, gefolgt von einer Sell-the-News-Reaktion. Aber mit Blick auf die Zukunft sehen wir ein langfristiges positives Wachstum. Dies könnte der Katalysator sein, der den Bitcoin-Preis stabilisiert und ihn möglicherweise in Richtung 100.000 Dollar treibt”, kommentiert er auf X (Twitter).

Am Tag nach der Entscheidung in den USA verzeichnete der Preis für Bitcoin ein Monatsplus von knapp zehn Prozent. Ein zweites Ereignis könnte dieses Jahr den Kurs weiter antreiben, das „Bitcoin Halving“ im März: Dabei wird das Angebot für verfügbare Bitcoin reduziert, was in der Vergangenheit zu Preissteigerungen führte. Die Prognosen für 2024 reichen von 60.000 bis 100.000 US-Dollar. Während die meisten Analyst:innen also nach dem „Kryptowinter” mit positiven Entwicklungen rechnen, bleibt Bitcoins Status unverändert: hochriskant und damit mit großen Chancen, aber auch großen Risiken verbunden.


Elisabeth Oberndorfer schreibt ab 16. Jänner 2024 alle zwei Wochen eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.