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Vor 20 Jahren haben wir Miranda staunend und angewidert beobachtet. Jetzt ist der Trailer zu „Der Teufel trägt Prada 2“ da. Passt der Teufel in High Heels noch in unsere Arbeitswelt oder ist das nur wieder Hollywoods Sequelitis?
Miranda Priestly betritt das Büro, und die Temperatur im Raum sinkt um mindestens fünf Grad. Taschen fliegen auf Schreibtische, Mäntel auf ausgestreckte Arme, die Schar ihrer Untergebenen läuft plötzlich schneller, niemand wagt zu husten. Mittendrin: Andy Sachs, in viel zu großer Strickjacke, mit Block und Handy, leicht überfordert, aber auf dem besten Weg, sich in dieser Welt aus High Heels und herablassenden Blicken neu zu erfinden.
- Kennst du schon?: Elon Musk, Gaming und du
In dieser cineastischen Mischung aus Angstschweiß, Espresso, Parfüm und High Society war ich damals heillos gefangen.
Jetzt, fast 20 Jahre später, ist der Trailer für „Der Teufel trägt Prada 2“ da. Die beiden Oscar-Preisträgerinnen Meryl Streep und Anne Hathaway im selben Aufzug, derselbe Blick, dieselbe Dynamik. Und sofort ist man wieder drin im Universum von „Runway“. Aber in meinem Hinterkopf lauert eine Frage: Brauchen wir dieses Sequel wirklich – oder sind wir nur süchtig nach dem Gefühl von 2006?
Fortsetzung gefällig oder schon „Sequelitis“?
Hollywood lebt seit Jahren von Fortsetzungen, Reboots und Spin-offs. Die Filmwissenschaft nennt das „Sequel-Paradox“: Teil 2 soll sich anfühlen wie früher, aber trotzdem neu sein. Zu ähnlich ist langweilig, zu anders fühlt sich wie Verrat an. Kein Wunder, dass viele Fortsetzungen wie müde Kopien wirken. Popkultur-Autor:innen wie Sara Delgado (Teen Vogue) oder Sian Cain (The Guardian) sprechen inzwischen vom „franchise fatigue“, und manche diagnostizieren Hollywood sogar schon eine „Sequelitis“.
Bei „Der Teufel trägt Prada“ wird es besonders heikel. Der erste Film war nicht nur gute Unterhaltung, sondern eine Art Einstiegskurs in toxische Arbeitskultur. Wer je in einem Praktikum, in einer Redaktion oder Agentur saß, erkannte sich in Andy wieder. Oder in Emily, die sich selbst komplett aufgibt, um in diesem Job bestehen zu können. Der Film zeigte gnadenlose Arbeitszeiten, Demütigungen als Führungsstil, ein Umfeld, in dem persönliche Grenzen nur stören. Die Moral der Geschichte war da, aber sie kam erst am Schluss: Vielleicht ist ein Job, der dich auffrisst, doch nicht erstrebenswert?
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Na gut
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20 Jahre später reden wir offen über Burnout, mentale Gesundheit, „New Work“, Vier-Tage-Woche. „I don’t dream of labour“ ist nicht nur ein Spruch auf Social Media, sondern für viele ein Lebensentwurf. Erfolg heißt nicht mehr automatisch: möglichst weit oben in der Hierarchie im möglichst großen Konzern ohne Freizeit.
Damals konzentrierte sich der Druck in einer Person: Miranda. Heute kommt er aus E-Mails, KPIs, Gruppen-Chats und ständiger Vergleichbarkeit: Wer antwortet noch um 22:41 Uhr? Wer springt ständig „noch schnell“ ein?
Genau deshalb ist die Fallhöhe für „Der Teufel trägt Prada 2“ so groß. Wenn der Film nur noch einmal dieselbe Geschichte erzählt, nämlich von der bösen Modechefin, der naiven Assistentin, und die moralische Einsicht kurz vor Abspann, wirkt das nicht wie Zeitgeist, sondern wie Vintage.
Zwischen Gänsehaut und Skepsis
Als ich den Trailer gesehen habe, war mein erster Reflex: Gänsehaut. Dieses Theme, diese Tasche, dieser Blick – meine innere Anfang-20-jährige Verena stand plötzlich wieder im Großraumbüro, übernächtigt, und versuchte verzweifelt, professioneller zu wirken, als sie sich fühlte.
Der zweite Reflex war Skepsis.
Weil jeder neue Aufguss eines Klassikers Platz wegnimmt für Geschichten, die wir noch nicht kennen. Weil die Arbeitswelt, in der wir leben, so viel bizarrer und anders ist als das, was 2006 als „Wahnsinnsjob“ galt.
Braucht es dieses Sequel?
Wir brauchen auf jeden Fall Geschichten über Arbeit, Macht und Selbstverlust im Jetzt. Ob ausgerechnet die Rückkehr der roten High Heels das leisten kann oder nur unsere Nostalgie füttert, wird sich zeigen. Im Kino sitzen werde ich trotzdem.
In „Kulturschock“ schreibt WZ-Redakteurin Verena Franke alle zwei Wochen über Themen aus der Welt der Kultur. Alle Texte von Verena findest du in ihrem Autorinnenprofil.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- „Der Teufel trägt Prada“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Lauren Weisberger, der 2003 veröffentlicht wurde.
- Der Film unter der Regie von David Frankel hatte ein Gesamtbudget von 35 Millionen Dollar, aber sein Erfolg übertraf alle Erwartungen und spielte weltweit mehr als 326 Millionen Dollar ein. Schon am Eröffnungswochenende in den USA war er mit rund 27 Millionen Dollar ein großer Erfolg.
- Es wurde darüber spekuliert, dass die Figur der Miranda Priestly von Anna Wintour, der legendären und gefürchteten Chefin der „Vogue“, inspiriert ist. Aus diesem Grund sollen viele Designer beschlossen haben, nicht an dem Film mitzuwirken, mit Ausnahme von Valentino, der einen besonderen Auftritt hatte.
- „Der Teufel trägt Prada 2“ soll am 30. April 2026 in die heimischen Kinos kommen. Anne Hathaway, Meryl Streep, Emily Blunt und Stanley Tucci spielen mit – sie waren bereits im Original-Film zu sehen. Neu dabei ist unter anderem Oscar-Gewinner Kenneth Branagh in der Rolle von Priestlys Ehemann. Als Regisseur ist erneut David Frankel an Bord.
Quellen
- Film: „Der Teufel trägt Prada“
- Trailer: „Der Teufel trägt Prada 2“
Das Thema in anderen Medien
- SZ: Der Teufel trägt Prada? Guter Witz! (Paywall)
- Vogue Germany: Haben sich die Machtverhältnisse bei „Runway“ verändert?
- Die Presse: Der Teufel trägt wieder Prada
- FAZ: Miranda Priestly trifft Anna Wintour
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