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Lebensmittelpreise in Österreich sind im EU-Vergleich besonders hoch. Markenprodukte kosten teils doppelt so viel wie in Deutschland.
Woran liegt das?
Mah, ur fein, heute heißt es Me-Time. Und da wird so richtig investiert. Das heutige Investment: ein Lebensmitteleinkauf. Gönnung!!! Salat, Tomaten, Gurken und ein Block Tofu. Das werde ich mir erstmal schmecken lassen. Yummie. Chillig: Das Ganze kostet zehn Euro. (insert Clown-Emoji hier) Die Nüsse, die mir im Salat schmecken, gönne ich mir beim nächsten Mal. Man will ja nicht die ganze Gönnung auf einmal verpulvern.
Mir ist bewusst, dass viele Menschen, etwa Alleinerziehende, Menschen mit niedriger Pension oder andere vulnerable Gruppen, jeden Euro zweimal umdrehen müssen. Für sie ist so ein Einkauf eher ein Luxus als Me-Time.
- Mehr für dich: Darum ist die Inflation noch immer hoch
Wir haben es schon unzählige Male gelesen, es wurde schon häufig diskutiert, eine Lösung gibt es immer noch nicht: Lebensmittel in Österreich sind im Verhältnis zu anderen EU-Ländern unverhältnismäßig teuer. Warum? Meistens werden wir mit der gleichen Standardausrede (Achtung Wortwitz) abgespeist: Inflation, Klimawandel, Zölle, Energiepreise. Nicht falsch, aber zu kurz gedacht!
Fakt ist: Markenprodukte kosten hierzulande im Schnitt 27 Prozent mehr als in Deutschland, einzelne sogar über 100 Prozent. Selbst Salzburger Energy Drinks, Wiener Schoko-Schnitten oder steirisches Bier sind in unserem Nachbarland günstiger. Ja, die Preise seien hier insgesamt höher, sagt der Österreichische Handelsverband, es gäbe aber bei uns deutlich mehr Rabattaktionen und Aktionsangebote.
Was ist dran am „Österreich-Aufschlag“?
Oft schnappt man dann den Begriff „Österreich-Aufschlag“ auf. Bedeutet kurz gesagt: Produzent:innen und Händler:innen berechnen in Österreich höhere Preise, weil sie wissen, dass der Markt diese Aufschläge akzeptiert, beziehungsweise dass der österreichische Markt das aushält.
Sicher sagen kann man: Drei große Handelsketten kontrollieren fast 90 Prozent des österreichischen Markts. Echter Wettbewerb? Fehlanzeige. Und: Große Lebensmittelkonzerne haben zu viel Macht, sie beherrschen den Weltmarkt. Und: Wir Kund:innen sind abhängig von ihnen und ihren Launen.
Supermärkte überall
Wem ist es schon aufgefallen? In Österreich gibt es eine enorme Filialdichte. Wir zahlen brav dafür, obwohl die niemand wirklich braucht. Es ist wahrscheinlich nicht in allen Teilen Österreichs so, aber ich wohne zum Beispiel in Wien und habe innerhalb eines Kilometers gleich elf Filialen einer Marke. Absurder geht’s kaum. Wenn die Unternehmen über Kosten jammern, wäre ein einfaches Mittel: Weniger Filialen.
Die Politik? Diskutiert seit Jahren über Eingriffe, Preisdeckel oder Steuerbefreiungen. Schon 2023 forderte die Bundeswettbewerbsbehörde eine Preisvergleichsdatenbank. Passiert ist: nichts. Aktuell wird viel über die Transparenz diskutiert. Die Bundeswettbewerbsbehörde weist darauf hin, dass Transparenzmaßnahmen von Seiten der Supermärkte, zum Beispiel Preisvergleiche, die Preise um bis zu 4 Prozent senken könnten. 85 Prozent der Konsument:innen würden das begrüßen, allerdings bleibt es bisher nur ein Wunsch, umgesetzt wurde noch nichts. Das Absurde ist, dass wir als Kund:innen schon längst transparent sind: Bonuskarten, Apps, Einkaufs-Profile, alles verfügbar. Die Ketten kennen unsere Schmerzgrenze besser als wir selbst.
Die Realität: Wir sind längst transparent, nur die Preise nicht. Let’s stay tuned … und pleite.
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Infos und Quellen
Genese
WZ-Autorin Nora Schäffler muss auch Lebensmittel kaufen, um zu überleben.
Daten und Fakten
- Seit geraumer Zeit wird über die hohen Lebensmittelpreise in Österreich diskutiert.
- Aktuell steht die Transparenz von Lebensmittelpreisen im Raum.
- Laut Österreichischem Handelsverband seien in Österreich 37 % der Preise rabattiert, in Deutschland dafür nur 25 %. Das würden die Arbeiterkammer oder der VKI in Preisvergleichen wenig berücksichtigen.
- Die Bundesregierung unter Türkis-Grün hat das Thema Preistransparenz über Jahre vernachlässigt und ist mit entsprechenden Projekten gescheitert. Nun liegt es an Schwarz-Rot-Pink, hier aktiv zu werden und klare Regeln einzuführen, etwa durch verpflichtende Preisangaben oder transparente Vergleichsmöglichkeiten, wie sie in anderen EU-Ländern bereits üblich sind.
Quellen
- AK: Eis, Fertiggerichte & Co. in Österreich viel teurer als in Deutschland!
- VKI: Falsche Rabattaktionen- wir klagen Billa, Spar, Hofer und Lidl
Das Thema in anderen Medien
- Kurier: Lebensmittelpreise: Warum ist in Österreich alles so teuer?
- Arbeit&Wirtschaft: Teure Lebensmittel: Fünf Fragen zum Preisanstieg im Supermarkt
- Der Standard: Heiße Debatte um teure Lebensmittel: Keiner will der Sündenbock sein
- ORF: Preis-Aufschlag- Warum wir beim Einkaufen mehr zahlen als die Deutschen
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