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Loud Budgeting: Du darfst wieder sparen

3 Min
Ein illustriertes Megafon neben Münzstapeln.
Kein Geld für Statussymbole ausgeben und das auch noch laut sagen? Loud Budgeting ist ein neuer Trend auf TikTok.
© Illustration: WZ

Kein Druck zum Geldausgeben: Auf TikTok sorgt ein neuer Trend für mehr Mut bei den persönlichen Finanzen. Der ist auch notwendig, denn jungen Menschen in Österreich bereitet das Thema Geld Sorgen.


Nach Girl Math wird jetzt ein neuer Begriff zum Social-Media-Trend: „Loud Budgeting”, laute Finanzplanung. Während wir bei Girl Math unsere Ausgaben noch schönredeten, steht „Loud Budgeting” eher für das Gegenteil. Der Begriff tauchte Ende 2023 erstmals bei TikTok-Creator Lukas Battle auf, als er die Trends für das kommende Jahr auflistete. Loud Budgeting sei der Gegentrend von Quiet Luxury. Letzteres beschreibt vor allem teure Kleidung, die ohne große Markenlabels auskommt.

Finanzplanung statt Luxus oder Girl Math

Damit hat Loud Budgeting aber nicht unbedingt zu tun: „Loud Budgeting ist das Gefühl, wenn du Süßigkeiten in ein Kino reinschmuggelst. Es gibt dir das Gefühl, zu gewinnen.“ Es gehe darum, nicht Geld ausgeben zu wollen, selbst wenn man es vielleicht hat. Lukas Battle will damit auch Zeichen gegen die hohe Inflation setzen. Während bei Quiet Luxury gern Promis nachgeeifert wird, gehe es bei Loud Budgeting um Alltagsmenschen: „Put a dollar in your pocket, choose a stock that’s gonna rocket”, sagt Battle weiter. Also: Statt Geld für Freizeitaktivitäten auszugeben, sollte man es lieber anlegen.

Freunde treffen im teuren Szenerestaurant, feiern im Klub oder gemeinsam auf Konzerte gehen: Unser soziales Leben kann einen wesentlichen Anteil der monatlichen Ausgaben ausmachen. Und viele von uns kennen den Druck, dass man diese Treffen nicht einfach aus finanziellen Gründen absagen möchte – und das auch noch laut ausspricht. Bei den Loud-Budgeting-Videos sprechen junge Menschen auf Social Media aber genau das an: Lieber gemeinsam zu Hause kochen statt ins Restaurant, Sport machen statt in die Bar gehen.

Teuerung trifft auch die Freizeit

Freizeit, Sport und Hobbys machen laut der jüngsten Konsumerhebung 2019/2022 13,4 Prozent der privaten Ausgaben in Österreichs Haushalten aus. Dieser Wert dürfte angesichts der Inflation in den vergangenen zwei Jahren drastisch gestiegen sein, denn die Teuerungsrate war gerade bei Freizeit und Kultur hoch. Im Dezember betrug die Inflationsrate in dieser Kategorie laut Statistik Austria noch 7,7 Prozent, im Jänner hat sie sich immerhin auf 5,3 Prozent entspannt.

Keine Überraschung also, dass das Thema Finanzen vielen Sorgen bereitet: In einer neuen Umfrage des Instituts YEP und der Erste Bank unter mehr als 1.800 Schüler:innen gaben 26 Prozent an, dass sie nicht genug Geld für Freizeitaktivitäten mit Freund:innen haben. Konkret wurden Unternehmungen wie Essen oder ins Kino gehen sowie Eintrittskarten für Freizeiteinrichtungen genannt. Die Inflation mache es für viele schwieriger, mit dem Taschengeld auszukommen. 43 Prozent der Befragten gaben an, sich in Bezug auf Geld manchmal bis oft gestresst zu fühlen. Ein Fünftel hat keinen Überblick darüber, wie viel im Monat eigentlich ausgegeben wird. Die Studie verdeutlicht, dass den Jugendlichen Finanzbildung und Sicherheit bei den persönlichen Finanzen fehlt.

Ein virales Phänomen wie Loud Budgeting kann dazu beitragen, das Tabu und den sozialen Druck rund um das Thema Geld zu brechen. Wir dürfen aussprechen, dass wir Geld sparen wollen oder müssen, statt es für Statussymbole auszugeben. Auch wenn diese Trends kurzlebig und satirisch sind, schaffen sie Offenheit und Platz für einen Diskurs über persönliche Finanzen.


Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.