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Jonas darf nicht essen, obwohl er Hunger hat. Wenn doch, darf er nicht alles essen, worauf er Lust hat. Seine Mutter muss auf Unter- oder Überzuckerung achten. Und die Sache mit dem Kindergarten hat auch ihre Tücken. Ein Alltag mit Typ-1-Diabetes.
„Mama, ich hab’ Hunger.“ Jonas’ Mutter Katharina seufzt, denn auf diese Worte folgt in ihrem Haushalt nicht der normale Morgenalltag, wie er in vielen Familien üblich ist, mit Kakao machen, Brot streichen und Obst schneiden. Vielmehr muss Katharina ihr Handy zur Hand nehmen und zu rechnen anfangen: Sie trägt ein, was Jonas essen soll, wie viele Kohlenhydrate die Mahlzeit ungefähr haben wird und verabreicht ihm mithilfe einer am Körper angebrachten Pumpe die richtige Dosis Insulin. Dann heißt es warten. 20 bis 25 Minuten Abstand zwischen der Injektion und dem Essen haben sich bei Jonas als am erfolgversprechendsten erwiesen.
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Unsichtbare Erkrankung
Jonas hat Typ-1-Diabetes. Niemand sieht dem Dreieinhalbjährigen die Erkrankung an. Und gerade das macht vieles so schwer für seine Eltern. Zum Beispiel am Spielplatz: Für seine Freunde ist ein Keks lediglich nur ein Keks, für Jonas nicht. Ein Stück Kuchen bei einer Geburtstagsfeier ist für die anderen eine Selbstverständlichkeit. Doch für Jonas’ Familie ist Essen nie einfach nur Essen, sondern eine gewissenhaft berechnete Zusammenstellung von Lebensmitteln. Außerdem müssen körperliche Aktivitäten, aber auch Emotionen wie Aufregung immer mitberücksichtigt werden, denn zu wenig Insulin kann den Blutzucker gefährlich steigen lassen, zu viel kann zu einer Unterzuckerung führen. Beides kann lebensgefährlich werden.
Jonas war 14 Monate alt, als die Erkrankung diagnostiziert wurde. Er hatte damals Fieber, wurde apathisch, wollte nichts mehr essen und trinken. Seine Eltern fuhren mit ihm ins Krankenhaus. Dort wurde routinemäßig der Harn kontrolliert: Der Blutzucker lag bei mehr als 400 mg/dl. Der Normalwert liegt in etwa zwischen 70 und 100 mg/dl. „So junge Diabetespatient:innen können sie nicht behandeln“, erinnert sich seine Mutter im Gespräch mit der WZ an die erste Reaktion. Jonas wurde in ein anderes Krankenhaus gebracht. In den folgenden 16 Tagen gab es Einschulung, Einstellung, die Entscheidung über den Pumpentyp und vieles mehr.
Die Insulinpumpe denkt nicht
Für Katharina begann damit ein Leben, auf das sie nicht vorbereitet war. In der Familie gab es keinen Typ-1-Diabetes, Berührungspunkte hatte sie damit kaum. Plötzlich musste sie verstehen, was Basalinsulin ist, wie Kohlenhydrate wirken, warum Fett den Stoffwechsel verzögern kann, wieso das gleiche Frühstück an zwei Tagen völlig unterschiedliche Werte auslösen kann. Man könne alles genau berechnen, selbst kochen, abwiegen, richtig machen. Und trotzdem könne Jonas' einmal direkt in die Überzuckerung steigen, und ein anderes Mal bleiben seine Blutzuckerwerte im Normalbereich. „‚Er hat ja eh eine Insulinpumpe‘, kriege ich manchmal zu hören, als wäre damit alles erledigt“, sagt Katharina und verdreht verärgert die Augen.
Auf die Frage, was Typ-1-Diabetes für ihre Familie konkret bedeutet, sagt sie: „Wir müssen sehr flexibel sein.“ Sie meint damit ein permanentes Umplanen: Wenn Jonas nach der Insulinabgabe durch die Pumpe doch nicht essen will. Wenn im Restaurant das Essen nicht nach zehn Minuten kommt, sondern nach dreißig. Wenn am Spielplatz alle Kinder Gummibärchen essen und Jonas’ Blutzucker gerade viel zu hoch ist. Wenn ein fremder Erwachsener ihm in bester Absicht ein Stück Schokolade in die Hand drücken will. Bei Jonas’ Mutter schrillen in einer solchen Situation sofort die Alarmglocken: Was ist drin? Wie viel Insulin gebe ich? Das Sicherste wäre, ihm die Schokolade wieder wegzunehmen. Doch sie kann und will ihrem Dreieinhalbjährigen nicht jede Freude verderben.
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Besonders deutlich wird die ganze Problematik im Kindergarten. Zunächst hatte Jonas eine Tagesmutter. Nach der Diagnose traute diese sich die Betreuung nicht mehr zu. Katharina versteht das. „Aber natürlich bricht eine Welt zusammen“, sagt sie. Später bekam Jonas einen Kindergartenplatz in einer Gruppe mit Stützkraft und speziellen Schulungen für das Personal. Der Kindergarten wird von der Mutter ausdrücklich gelobt: Alle hätten sich schulen lassen, das ganze Team. Sie hätten Essen abgewogen, dokumentiert, mitgerechnet, beobachtet, was funktioniert.
Wenn die Suppe nicht berechenbar ist
Dann wechselte die Gemeinde aus Kostengründen den Essensanbieter. Vorher kamen die Mahlzeiten tiefgekühlt mit Nährwertangaben. Das habe in 80 bis 90 Prozent der Fälle gut funktioniert, sagt die Mutter. Beim neuen Anbieter gibt es diese Angaben nicht. Für andere Eltern mag das eine Frage von Qualität, Preis oder Geschmack sein. Für Jonas’ Familie ist es eine Sicherheitsfrage. Wenn in eine Suppe Stärke gerührt wird, weil sie zu dünn ist, verändert das die Kohlenhydratmenge. Ohne diese Information wird zu wenig Insulin berechnet. „Dann wird der Blutzucker hochschießen“, sagt Katharina. Und das gefährdet nicht nur den aktuellen Gesundheitszustand, sondern verursacht auch Langzeitfolgen wie etwa Nieren- und Gefäßerkrankungen. Alle Bemühungen von Katharina und anderen Eltern, die hinter ihr standen, waren erfolglos.
Inklusion bedeutet also nicht nur, dass ein Kind einen Kindergartenplatz hat. Es bedeutet, dass die Erwachsenen rundherum wissen, was zu tun ist. Dafür gibt es in Jonas’ Kindergarten die Stützkraft. Das heißt aber nicht, dass Jonas’ Eltern damit in diesen Stunden beruhigt ihrer Arbeit nachgehen können – Flexibilität ist immer noch gefragt: Seit September 2025 muss nämlich Jonas bei Ausflügen von einem Elternteil begleitet werden. Und wenn jemand aus dem Kindergartenpersonal krank ist und keine Aushilfe zur Verfügung steht, muss Jonas dann zu Hause bleiben. „Solche Anrufe kommen dann auch schon zeitig in der Früh und ich muss meinen Arbeitgeber fragen, ob ich meinen Tag tauschen kann. Ich arbeite drei Tage die Woche und zum Glück ist das möglich. Pflegeurlaub habe ich nicht mehr als alle anderen Eltern.“ Homeoffice mit einem Dreijährigen sei sowieso keine Option.
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Hinzu kommen die Nächte. Eine gute Nacht ist eine, in der Jonas’ Blutzuckerwerte möglichst lange im Zielbereich bleiben (Time in Range). Das ist selten der Fall. Eine schlechte Nacht bedeutet: mehrere Unterzuckerungen (Hypos) in der ersten Nachthälfte, woraufhin Jonas Zucker in Form von Bananenstückchen bekommen muss, und anschließendes Warten. Auf viele Hypos folgen in der zweiten Nachthälfte fast immer zu hohe Werte. Dann heißt es wiederum Insulin spritzen, um den Blutzucker zu korrigieren, und hoffen, dass es anschlägt. Statt Schlaf gibt es eine Abfolge von Alarmen, Entscheidungen und Kontrollen.
Die moderne Technik hilft. Jonas trägt einen Sensor, der den Blutzucker alle fünf Minuten misst, und eine Pumpe, die Insulin abgibt. Aber sie nimmt den Eltern die Verantwortung nicht ab. „Die Pumpe macht nicht alles allein“, sagt seine Mutter. Das sei einer der größten Irrtümer. An einem normalen Tag greife sie etwa 15-mal manuell ein: Insulin verabreichen, Essen eintragen, Funktionen ein- oder ausschalten. Manchmal weniger, manchmal mehr.
Es ist kompliziert
Jonas’ Eltern leisten unglaublich viel und tragen eine hohe Verantwortung. Das trauen sich die wenigsten aus der Familie zu. Nicht aus Desinteresse, sondern aus Angst. Jonas’ Großmutter passt manchmal auf ihn auf, mit einer detaillierten Schritt-für-Schritt-Anleitung inklusive Screenshots und genauen Anweisungen. Trotzdem spürt Katharina die Nervosität ihrer Mutter. „Man steht schon sehr allein da“, sagt sie.
Kindergeburtstage, spontane Nachmittage bei anderen Familien, ein kurzer Besuch: Was für andere selbstverständlich ist, ist für Jonas’ Eltern oft kompliziert. Katharina versucht, Alternativen zu finden, Situationen abzufangen und so Jonas nicht das Gefühl zu geben, ausgeschlossen zu sein.
Anspruch ohne Platz
Als Typ-1-Diabetiker hat Jonas Anspruch auf Reha, finanziert von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK, siehe Transparenzseite). Sie wurde bereits zweimal bewilligt, erzählt seine Mutter. In Anspruch genommen haben sie die Reha trotzdem noch nie. „Weißt du, warum? Es gibt nämlich keine Plätze.“ Für kleine Kinder gebe es österreichweit nur ein geeignetes Rehazentrum, den Leuwaldhof im Pongau in Salzburg. Im Vorjahr seien alle Termine ausgebucht gewesen, Jonas sei auf der Warteliste gestanden. Heuer scheine sich das Ganze zu wiederholen. „Das ist so frustrierend“, sagt Katharina leise.
Jonas weiß nicht, was eine Reha ist. Gerade hätte er wohl lieber ein Gummibärchen, so wie seine Freunde am Spielplatz. Katharina würde ihm gern eines geben, einfach damit er nicht ständig das Gefühl hat, anders zu sein, ausgeschlossen von dem, was seine Freunde machen und essen. Sie wird ihr Handy nehmen und berechnen, ob sie heute eine Ausnahme machen kann, damit ihr Kind für einen Moment inkludiert ist in der Welt der „Normalen“.
Anlaufstellen
- ADA – Aktive Diabetiker Austria
- ÖDV – Österreichische Diabetikervereinigung
- DSHV – Diabetes Selbsthilfe Vorarlberg
- ÖDG – Österreichische Diabetes Gesellschaft und Diabetes? Alles klar! (Schulungsunterlagen)
- Wir sind Diabetes (Dachorganisation)
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Infos und Quellen
Gesprächspartner:innen
- Katharina, Mutter von Jonas (der Name ist der Redaktion bekannt, sie möchte anonym bleiben)
- Gabriele Berger ist Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde im ÖGK-Gesundheitszentrum in Wien-Floridsdorf. Sie ist ferner Kindergartenpädagogin, diplomierte Sonderkindergartenpädagogin und Frühförderin sowie Leiterin des ÖDG-Projekts „Diabetes? Alles klar!“. (Gespräch siehe unten)
- E-Mail-Verkehr mit den Pressestellen der Pensionsversicherung (PVA) und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK)
Daten und Fakten
- Statement der ÖGK zu den Fragen der WZ im Originalwortlaut:
WZ: Wie viele Rehaplätze gibt es in Österreich überhaupt für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes? Wo sind diese?
ÖGK: Aktuell stehen 12 Rehabilitationsplätze für Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 18 Jahren mit der Indikation „Stoffwechselstörungen und Erkrankungen des Verdauungstraktes“ zur Verfügung, zu denen auch eine Typ-1-Diabetes-Erkrankung zählt. Diese Plätze befinden sich im Leuwaldhof der Kinder- und Jugendreha in St. Veit im Pongau (Salzburg).
WZ: Müssen diese mit anderen Stoffwechselerkrankungen geteilt werden, oder sind sie ausschließlich für Diabeteserkrankte?
ÖGK: Wie bereits erwähnt, ist diese Rehabilitationseinrichtung auf alle Stoffwechselerkrankungen im Kindes- und Jugendalter spezialisiert.
WZ: Ist die ÖGK der Meinung, dass es genügend Plätze gibt, oder wäre ein Ausbau sinnvoll, weil auch die Zahl der Betroffenen jährlich steigt?
ÖGK: Die ÖGK ist für die medizinische Beurteilung und Bewilligung von Rehabilitationsaufenthalten zuständig, nicht jedoch für die Kapazitäten an Rehabilitationsplätzen. Unabhängig davon wird angesichts der aktuellen Zahlen ein Ausbau der Rehabilitationsangebote im Bereich der Stoffwechselerkrankungen grundsätzlich als sinnvoll erachtet.
- Fachärztin Gabriele Berger im WZ-Gespräch zum Thema:
WZ: Was bedeutet die Diagnose Typ-1-Diabetes bei einem Kind für die Eltern?
Berger: Für Eltern ist das ein großer Schock. Oft ist das Kind die erste betroffene Person in der Familie. Wichtig ist: Die Eltern trifft keine Schuld. Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, kein Ergebnis falscher Ernährung. Auch wenn Diabetes heutzutage gut behandelbar ist, bleibt das Leben mit Diabetes herausfordernd.
WZ: Was kann moderne Technik leisten?
Berger: Sehr viel. Sensoren und Pumpen haben die Therapie stark verbessert. Manche Systeme, sogenannte AID-Systeme (AID steht für „Automated Insulin Delivery“), funktionieren schon fast wie eine künstliche Bauchspeicheldrüse. Vor allem nachts arbeiten diese AID-Systeme schon sehr gut. Tagsüber kommt ihnen aber sozusagen „das Leben in die Quere“: Kinder essen, laufen, spielen, sind krank oder aufgeregt. Auch Mahlzeiten müssen weiterhin berechnet werden. Die Systeme können toll unterstützen, aber sie funktionieren nicht allein.
WZ: Was braucht ein Kindergarten, um ein Kind mit Diabetes zu betreuen?
Berger: Wissen und verlässliche Informationen. Wenn Betreuungspersonen gut eingeschult sind, verschwinden Ängste und Unsicherheiten. Wichtig ist, dass mehrere Personen Bescheid wissen. Sonst hängt das Kind von der Anwesenheit einer einzelnen Person ab.
WZ: Warum sind Nährwertangaben so wichtig?
Berger: Für die richtige Insulindosis muss man wissen, wie viele Kohlenhydrate jede Mahlzeit enthält. Fehlen diese Angaben oder ändert sich der Speiseplan, kann der Glukosewert nach dem Essen zu hoch oder zu niedrig sein. Dann muss entweder mit Insulin oder mit Essen reagiert werden.
WZ: Was bedeutet Inklusion bei Diabetes konkret?
Berger: Kinder mit Diabetes wollen überall dabei sein, wie alle anderen Kinder, auch in Kindergarten und Schule. Wir wissen aus Studien, wie wichtig diese Orte für Kinder mit chronischen Erkrankungen sind. Dort geht es um Freundschaften, Alltag und Normalität. Es ist unsere Aufgabe als Gesellschaft, ihnen diese Teilhabe möglich zu machen – dazu sind wir laut Kinderrechtskonvention auch verpflichtet. Je jünger die Kinder sind, desto mehr Unterstützung brauchen sie dabei.
- Kinderrechtskonvention
Durch die UN-Konvention über die Rechte des Kindes von 1989 wurden die Kinderrechte völkerrechtlich verbindlich ausformuliert. Die Kinderrechtskonvention gilt für alle Kinder und Jugendlichen, die jünger als 18 Jahre sind. Sie umfasst 54 Artikel, die weltweit gültige Maßstäbe für eine kindgerechte Gesellschaft und die Aufgaben von Staat und Gesellschaft zur Durchsetzung dieser Rechte setzen. Sie garantiert allen Kindern weltweit das Recht auf Schutz vor Gewalt, umfassende Förderung sowie Bildung und soziale Sicherheit. Zudem sichert sie ihnen Gleichberechtigung, eine eigene Identität und das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie das Recht auf aktive Beteiligung zu.
- Diabetes mellitus kurz erklärt
Diabetes mellitus ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels. Die häufigsten Formen sind Typ-1- und Typ-2-Diabetes.
Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung und tritt häufig im Kindesalter auf. Das Immunsystem greift jene Zellen in der Bauchspeicheldrüse an, die Insulin produzieren. Diese sogenannten Beta-Zellen werden nach und nach zerstört. Der Körper kann dadurch kein Insulin herstellen. Betroffene müssen deshalb lebenslang Insulin zuführen.
Insulin ist notwendig, damit Glukose aus dem Blut in die Körperzellen gelangen kann. Glukose entsteht bei der Verdauung von Kohlenhydraten, die in Lebensmitteln wie Brot, Obst, Zucker oder Teigwaren enthalten sind. Insulin sorgt also dafür, dass die Zellen mit der nötigen Energie versorgt werden.
Typ-2-Diabetes ist bei Erwachsenen deutlich häufiger und wird oft als „Volkskrankheit“ bezeichnet. Er kann unter anderem durch Veranlagung, Übergewicht und einen ungesunden Lebensstil begünstigt werden. Anders als bei Typ-1-Diabetes produziert der Körper zunächst meist noch Insulin. Das Problem ist, dass es nicht mehr ausreichend wirkt. Das bedeutet, dass die Körperzellen zunehmend unempfindlich gegenüber Insulin werden. Mit der Zeit kann die Bauchspeicheldrüse diese Mehrarbeit nicht mehr ausgleichen. Dann werden Medikamente notwendig, später manchmal auch Insulin, das gespritzt oder über eine Pumpe abgegeben wird.
- Zahl der Betroffenen
Laut der International Diabetes Federation (IDF) leben weltweit bereits mehr als elf Prozent der Erwachsenen im Alter von 20 bis 79 Jahren mit Diabetes mellitus, das sind rund 589 Millionen Menschen. In Europa lebt einer von zehn Erwachsenen – das sind etwa 66 Millionen Menschen – mit Diabetes. Ein Drittel davon ist bislang nicht diagnostiziert. Darüber hinaus sind 2,7 Millionen Menschen in Europa an Typ-1-Diabetes erkrankt. Jede siebte Schwangerschaft ist von erhöhten Blutzuckerwerten betroffen; diese Art der Erkrankung nennt man Gestationsdiabetes. In Österreich leben rund 35.000 bis 40.000 Menschen mit Typ-1-Diabetes, darunter circa 3.500 Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre. Jedes Jahr kommen rund 300 Kinder dazu, Tendenz steigend.
- Moderne Therapie
Bei Typ-1-Diabetes wird der Blutzucker heute häufig mithilfe einer Insulinpumpe und einem kontinuierlichen Glukosemesssystem (CGM) – einem sogenannten Sensor – reguliert. Der Sensor misst in kurzen Abständen, meist alle fünf Minuten, den Zuckerwert im Gewebe und überträgt die Daten an ein Lesegerät, z. B. ein Handy. Bei einem AID-System (Automated Insulin Delivery) berechnet ein Algorithmus (also eine intelligente Software), wie viel Insulin von der Pumpe abgegeben werden soll, damit der Wert möglichst lange im Zielbereich (Time in Range) bleibt. Der Algorithmus kann in einer Handy-App oder direkt in der Insulinpumpe integriert sein. Mahlzeiten müssen weiterhin berechnet werden, dafür wird zusätzliches Insulin mit der Pumpe abgegeben.
Quellen
- Gespräche mit Interviewpartner:innen
- Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG): Weltdiabetestag 2025: Volle Integration von Menschen mit Diabetes
- Volksanwaltschaft: Steiermark verweigert Kindern mit Diabetes lebensnotwendige Betreuung im Kindergarten
- Diabetes-kids.de
- Springer Medizin: Die Diabetesinzidenz bei Kindern und Jugendlichen in Österreich steigt weiter
Das Thema in der Wiener Zeitung
- Gesund genug im Alltag, zu krank für ein Eigenheim?
- Diabetes: Was die Erkrankung mit Familien macht
- Diabetes-Typ-1: Patienten loopen sich zu ihren idealen Werten
Das Thema in anderen Medien
- ORF: Diabetes als Problem im Kindergarten
- Diabetes Initiative Österreich: Kinder mit Diabetes – ein unlösbares Schulproblem?
- Med Media: Integration von Kindern mit Diabetes in Kindergarten und Schule
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