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„Meine Mutter würde das nicht machen“

3 Min
Für manche Männer verkörpert die Mutter die Eigenschaften Zurückhaltung und Bescheidenheit.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Adobe Stock

Für junge Männer auf TikTok wird die eigene Mutter zum Maßstab, an dem sie andere Frauen messen.


Ich scrolle nichtsahnend durch TikTok, als mir plötzlich ein erwachsener Mann angezeigt wird. Das Erste, was er sagt: „Die Frauen heutzutage sind schlimm. Egal, wie heiß es war, meine Mutter hat sich nie so offen angezogen.“ Ich rolle mit den Augen und swipe weiter. Im nächsten Video tanzt eine junge Frau in einem Kleid. Ich öffne die Kommentare in der Hoffnung die Artikelnummer des Kleides zu ergattern, doch stattdessen stoße ich auf folgende Kommentare: „Und sie wird irgendwann Mutter sein. Der arme Sohn.“ und „Es gibt keine anständigen Frauen mehr.“ Ich schließe die App und schreie aus Frust für paar Sekunden in mein Kopfkissen.

Auf den ersten Blick wirken diese Aussagen wie Provokationen, die Frauen schon seit Jahrhunderten kennen. Tatsächlich sagen sie aber viel über gesellschaftliche Vorstellungen aus. Während viele junge Frauen für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung eintreten, greifen Männer wieder stärker auf konservative Rollenbilder zurück. Da stellt sich auch direkt die Frage: Was ist denn eine anständige Frau überhaupt?

Um das zu beantworten, ziehen manche Männer gerne ihre Mutter als Beispiel heran. Sie verkörpert nämlich Zurückhaltung, Bescheidenheit und Anpassung. Damit entspricht sie also dem patriarchalen Ideal einer „richtigen Frau“. Jede, die davon abweicht, wird schnell als „unanständig“ abgestempelt. Dabei werden ihr Verhalten, ihr Aussehen und ihre Kleidung öffentlich kritisiert und bewertet. Frauen werden durch diese Einteilung zu reinen Symbolfiguren. Ob sie eine „gute Frau" sind hängt also nicht von ihrem Charakter ab, sondern von Erwartungen, die andere an sie richten und ob sie diese erfüllen.

Mutterrolle und männliche Erwartungen

Die Ironie dabei: Nicht nur fremde Frauen werden so kategorisiert, sondern auch die eigene Mutter. Gerade jene Männer, die ständig betonen, ihre Mutter sei „die Beste“ und sie dabei auf ein moralisches Podest stellen, reduzieren sie damit unbewusst auf ihre Rolle als Mutter. Sie sehen die Frau, die kocht, sich kümmert und die Familie versorgt, nicht aber den Menschen dahinter mit eigenen Interessen, Ansichten, Widersprüchen und Träumen.

Dass es dabei also weniger um die Mutter als Mensch selbst als um männliche Erwartungen geht, zeigt sich auch, sobald Frauen von dieser Rolle abweichen. Trägt eine Mutter kurze Kleidung, führt ein selbstbestimmtes Leben oder verhält sich nicht nach den geltenden Vorstellungen von „Anständigkeit“, verschwindet die Bewunderung und der Respekt oft schnell. Stattdessen heißt es plötzlich: „Der arme Sohn.“ Im Mittelpunkt steht demnach nicht mehr die Frau mit ihren Eigenschaften, sondern die Frage, was ihr Verhalten für Männer bedeutet. Respekt gilt also nicht der Mutter an sich, sondern der Rolle, die sie für andere erfüllt.

Vielleicht liegt das eigentliche Problem nicht darin, was Frauen tun, sagen oder anziehen, sondern darin, dass sie noch immer an einem Maßstab gemessen werden, den sie selbst nie mitbestimmen durften.



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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos in Zusammenarbeit mit dem King’s College London zeigten sich Männer der Generation Z (geboren zwischen 1996 und 2012) in allen untersuchten Ländern vergleichsweise traditionell bzw. rückwärtsgewandt in ihren Vorstellungen von Geschlechterrollen. So gaben 31 Prozent der jungen Männer an, dass eine Ehefrau ihrem Mann stets gehorchen sollte. Rund ein Drittel vertrat zudem die Ansicht, dass Ehemänner bei wichtigen Entscheidungen das letzte Wort haben sollten. Bemerkenswert ist, dass auch 18 Prozent der gleichaltrigen Frauen dieser Aussage zustimmten und ebenfalls der Meinung waren, der Mann sollte Gehorsam erwarten dürfen.

Quellen

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