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„Münze Österreich“: Alles Gift, was glänzt?

11 Min
Gold/Münze Österreich
© Illustration: WZ, Bildquelle: Getty Images

Die „Münze Österreich“ wirbt mit Gold aus menschen- und umweltfreundlicher Produktion. WZ-Recherchen zeigen: Im besten Fall weiß man nicht, woher das Gold stammt.


    • Die Münze Österreich bezieht ihr Gold aus der Schweiz, kann jedoch den Ursprung und die Bedingungen des Abbaus nicht belegen.
    • Zertifizierungen wie jene der LBMA gelten als unzureichend, intransparent und erfüllen nicht die EU-Anforderungen.
    • Goldabbau ist grundsätzlich problematisch: Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen und Intransparenz prägen die gesamte Lieferkette.
    • Goldpreis: rund 3.000 Euro pro Feinunze, Anstieg um 45 % innerhalb eines Jahres.
    • Bis zu 90 % des Goldes in Österreich stammen aus der Schweiz.
    • Schweiz raffiniert Gold, besitzt aber kaum eigene Vorkommen.
    • EU-Konfliktmineralienverordnung gilt seit 2021, aber Schweizer Lieferketten unterliegen dem Steuergeheimnis.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Gold verbindet Menschen. Symbolisch, indem ein goldener Ring den Bund fürs Leben besiegelt. Digital, indem in Handys und Laptops wenige Milligramm Gold verbaut sind. Abstrakt, indem tonnenschwere Goldreserven Währungen und damit Gesellschaften stabilisieren.

Infolge zahlreicher Krisen boomt Gold, und mit ihm sein Preis. Eine Feinunze (ca. 31 Gramm) ist heute gut 45 Prozent mehr wert als noch vor einem Jahr, nämlich knapp 3.000 Euro. Gold sei „eine hervorragende Wertanlage und gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten beliebt“, wirbt die staatliche Münze Österreich AG auf ihrer Website.

Neben unfassbarem Wert haftet dem Edelmetall stets etwas weniger Glamouröses an: Der Verdacht, dass sich hinter dem schimmernden Schmuckstück ein dreckiges Geschäft verbirgt. Die Liste an Vorwürfen gegenüber Händler:innen, Minenbetreiber:innen und Raffinerien ist lang: Kinderarbeit, Geldwäsche, Schmuggel, Enteignung, vergiftete Flüsse, Ausbeutung, illegale Rodungen, Tote infolge von Grubenunfällen, organisierte Kriminalität.

Erst im April veröffentlichte Greenpeace Deutschland einen Bericht über „Gift-Gold“ aus dem Amazonas. In den letzten Jahren wurden im Zusammenhang mit Goldabbau 42 Quadratkilometer indigenes Gebiet zerstört, Regenwald großflächig abgeholzt und Flüsse mit Quecksilber vergiftet, heißt es im Bericht. Der „wichtigste Umschlagplatz“ dieses Goldes: die Schweiz. Auch Österreich bezieht Gold aus der Schweiz, je nach Quelle mindestens 90 Prozent.

Sorgfältige Beschaffung

Importiert auch Österreich „Gift-Gold“?

Auf der Homepage der Münze Österreich AG heißt es: „Es versteht sich von selbst, dass wir unser Gold sorgfältig dort beschaffen, wo unsere Partner keine Arbeitskräfte ausbeuten, angemessene Mittel zum Schutz der Umwelt einsetzen und Einnahmen nicht zur Finanzierung illegaler oder ethisch fragwürdiger Absichten verwenden“.

Die WZ hat versucht zu recherchieren, woher das Gold der Münze Österreich tatsächlich kommt. Und, nun ja, „von selbst“ versteht sich da wenig.

„Schweizer“ Gold

Bis das Gold der Münze Österreich hierzulande zum Verkauf steht, hat es bereits einen weiten, verschlungenen Weg hinter sich.

Laut Homepage bezieht die Münze Österreich ihre Goldbarren aus der Schweiz, unter anderem von Argor-Heraeus. Die Raffinerie mit Sitz im Kanton Tessin zählt – neben Valcambi, MKS PAMP und Metalor – zu den Big 4 der Schweizer Goldindustrie. Laut NZZ verarbeitet die Raffinerie pro Jahr Gold im Wert von mehreren Milliarden Euro.

Dass das Gold der Münze Österreich aus der Schweiz stammt, ist jedoch höchstens die halbe Wahrheit. Die Schweiz selbst hat kaum eigene Goldvorkommen, dort wird das Edelmetall lediglich raffiniert. Das heißt, es wird getrocknet, gewogen, untersucht, gereinigt, geschmolzen und zu Barren oder Münzen gegossen.

Betriebsgeheimnisse

Aber welchen Weg nahm das Gold, bevor es in die Schweiz kam?

Für EU-Länder gilt seit 2021 die sogenannte Konfliktmineralienverordnung, die Importeure verpflichtet, Sorgfaltspflichten entlang der Lieferketten einzuhalten. Ziel der Verordnung ist: „Die Möglichkeiten bewaffneter Gruppen und Sicherheitskräfte zum Handel mit bestimmten Rohstoffen einzuschränken und damit einhergehende Konflikte und schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen zu vermeiden“. Unternehmen wie die Münze Österreich müssen in einem fünfstufigen Prozess nachweisen, wie sie Risiken entlang der Lieferketten identifizieren und möglichst minimieren.

Das Problem: „Oft wird die Schweiz von den Einführern als Herkunftsland des Goldes angegeben, obwohl dieses häufig aus konfliktbelasteten Regionen stammt“, heißt es in einer Studie zur „Umsetzung der EU-Konfliktmineraleverordnung in Österreich“. Und in der Schweiz verliert sich die Spur des Goldes.

Medien und NGOs konnten in den vergangenen Jahren zumindest einige Herkunftsländer ausfindig machen. Laut diesen Recherchen bezieht beziehungsweise bezog Argor-Heraeus Gold beispielsweise aus Venezuela, Kolumbien, Mali oder Burkina Faso. Über die genauen Bezugsquellen geben sämtliche Schweizer Raffinerien nur wenig preis, mit rechtlicher Rückendeckung. 2019 versuchte die Schweizer NGO „Gesellschaft für bedrohte Völker“ beim Zoll die tatsächliche Herkunft zu ermitteln und klagte sich durch die Instanzen. 2023 urteilte das Schweizer Bundesgericht: Die Lieferketten unterliegen dem Steuergeheimnis und müssen daher nicht öffentlich gemacht werden. Die Branche jubelte, Transparenzinitiativen schäumten. Christoph Wiedmer war 18 Jahre lang Co-Geschäftsleiter der „Gesellschaft für bedrohte Völker“. Er bezeichnet das Urteil im Gespräch mit der WZ als „absurd, vor allem da Gold in der Schweiz von der Steuer befreit ist“.

Zweifelhaftes Zertifikat

Wie kann die Münze Österreich dennoch behaupten, dass ihr Gold aus unproblematischen Quellen stammt?

Die Münze Österreich verweist darauf, dass sich Argor-Heraeus auf der „Good Delivery List“ der „London Bullion Market Association“ (LBMA) befindet. Das LBMA-Zertifikat soll die Einhaltung ethischer Standards bescheinigen und ist das wichtigste Label in der Branche. Ohne dem Siegel aus London lässt sich Gold am europäischen und US-amerikanischen Markt kaum handeln.

„Diese international anerkannte Zertifizierung gewährleistet ein Maximum an Sicherheit und Qualität“, behauptet die Münze Österreich. Diese Meinung teilen nicht alle. Im März 2021 äußerten fünf Schweizer NGOs in einem Brief an die LBMA ihre „Bedenken“, dass die Association „Menschenrechtsverletzungen und illegales Gold in der Lieferkette nicht eindämmen kann“. Drei Jahre später folgte ein weiterer Brief von nunmehr acht NGOs über „anhaltende Bedenken“, dass „viele Raffinerien auf der Good Delivery List der LBMA Gold von fragwürdigen Lieferanten und Minen beziehen und nicht gegen die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen vorgehen“. In zwei Antwortbriefen (2021 und 2024) nahm die LBMA die Vorwürfe wohlwollend zur Kenntnis und gelobte Verbesserungen.

Expert:innen kritisieren das LBMA-Zertifikat in Hintergrundgesprächen als „schwach“, „intransparent“ und „industrienah“. Mitunter ist mit Robin Kolvenbach ein CEO von Argor-Heraeus Mitglied des LBMA-Boards, dem wichtigsten Entscheidungsgremium der Association. Analysiert werde vom Schreibtisch aus, die Bedingungen vor Ort würden die Auditor:innen gar nicht kennen, so eine gängige Kritik. Zudem seien allgemein gehaltene Prüfberichte zwar öffentlich einsehbar, die Details, wie die genauen Bezugsquellen, halte die LBMA jedoch unter Verschluss – was, wie und wo geprüft wurde, ist selbst Behörden schleierhaft. Die LBMA verweist auf Nachfrage darauf, dass derlei „sensible Informationen“ der „Diskretion“ bedürfen.

Im April dieses Jahres veröffentlichte die LMBA selbst eine Aussendung, wonach ihre aktuellen Prüfverfahren den Anforderungen der EU-Konfliktmineralienverordnung nicht vollständig genügen.

Auf Nachfrage betonte die LBMA die Unabhängigkeit und Transparenz ihrer Prüfverfahren. Jedoch liege der Fokus ihrer Überprüfungen auf den Raffinerien, nicht auf den Minen. Derzeit arbeite man intensiv an der Überarbeitung der eigenen Standards, um den Vorgaben der EU möglichst zeitnah zu entsprechen.

Vorwürfe gegen ein progressives Unternehmen

Was sagt das über den Ursprung des Goldes von Argor-Heraeus?

Laut Expert:innen, mit denen die WZ gesprochen hat, zählt Argor-Heraeus in der Schweiz zu den „progressiveren“, den „unproblematischeren“ Raffinerien. Trotzdem: Ein Blick in die Unternehmensgeschichte zeigt, dass Argor-Heraeus in der Vergangenheit Schwierigkeiten hatte, die Sauberkeit seines Goldes zu gewährleisten.

Anfang der 2000er soll die Raffinerie drei Tonnen „Konfliktgold“ aus dem Ostkongo importiert haben, das über Uganda in die Schweiz gelangte. Die Schweizer Bundesanwaltschaft führte daraufhin Hausdurchsuchungen bei Argor-Heraeus durch und hörte Telefone ab. Der Verdacht: Geldwäsche und Beihilfe zu Kriegsverbrechen. Das Verfahren wurde 2015 eingestellt, da Argor-Heraeus zwar hätte „wissen können, dass das aus Uganda ausgelieferte Rohgold mit größter Wahrscheinlichkeit im Ostkongo geplündert wurde“. Ein „Wissen-Können“ reichte jedoch nicht aus, um den Vorwurf der Beihilfe zu Kriegsverbrechen zweifelsfrei zu belegen.

Laut eigenen Angaben bezog Argor-Heraeus von 2013 bis März 2018 Gold aus der äthiopischen Mine Lega Dembi. Eine von der äthiopischen Regierung in Auftrag gegebene Studie sowie die NGO Human Right Watch kritisierten schwere Umweltschäden sowie Vergiftungen der lokalen Bevölkerung durch schädliche Chemikalien im Wasser. Insbesondere bei Neugeborenen häufen sich laut Studie Krankheiten und Behinderungen, die sich auf das verseuchte Wasser zurückführen ließen. Human Rights Watch warf Argor-Heraeus vor, sie hätten weiter Gold aus der Mine bezogen, obwohl sie um die Gesundheitsschäden wussten – was Argor-Heraeus bestreitet. Auch die LBMA schien davon nichts mitbekommen zu haben.

2023 kritisierte die Schweizer „Fastenaktion“, Argor-Heraeus importiere kolumbianisches Gold, das aus Kinderarbeit, illegalem Abbau und ökologisch problematischen Bedingungen stammt.

Auf einen detaillierten Fragenkatalog der WZ zu den einzelnen Vorwürfen antwortet Argor-Heraeus allgemein: Verantwortung entlang der Lieferketten sei „nicht verhandelbar“. Gold werde „ausschließlich aus Quellen bezogen, die geltende Standards und internationale Vorschriften erfüllen“. Gemeinsam mit der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ setze man sich seit 2022 „gegen illegalen Bergbau und den Einsatz von Quecksilber im Amazonasgebiet und für das Selbstbestimmungsrecht indigener Gemeinschaften“ ein. Auch in Äthiopien arbeite man vor Ort an „Verbesserungen“. Ein „weitreichendes Compliance-Management- und Kontrollsystem“ stelle sicher, dass Gold „ausschließlich aus ethisch einwandfreien Quellen verarbeitet wird“. Außerdem setze man mittlerweile auf „geoforensische Methoden“, die es erlauben, importiertes Material zur Mine zurückzuverfolgen.

„Unmöglich nachzuvollziehen, woher das Gold kommt“

Alles sauber also?

Expert:innen, mit denen die WZ gesprochen hat, sind da skeptischer. Denn, nur weil man den Ursprungsort des Goldes kennt, heißt das nicht, dass man auch Kenntnis über die dortigen Bedingungen hat.

Das zentrale Problem bei Gold ist: Vor allem bei „artisinalem“, also per Hand abgebautem Gold ist dessen Rückverfolgung schwierig. Magdalena Pupp ist Referentin in der Abteilung Mineralrohstoffpolitik des Bundesministeriums für Finanzen (BMF). Die Lieferketten von artisinalem Gold vergleicht sie mit einem „Spinnennetz“: Dutzende Kleinminen und Goldschürfer beliefern lokale Klein- und Zwischenhändler:innen und diese wiederum versorgen nationale Exporteure. Erst dann gelangt das Gold zur Raffinerie.

Marc Ummel, Rohstoffexperte bei der NGO Swissaid, schätzt: „Die großen Schweizer Raffinerien haben insgesamt 200 bis 300 Lieferanten“. Gold ist klein, einfach zu schmuggeln und wird oft an unzugänglichen Orten, beispielsweise in den Tiefen des Amazonas-Regenwalds, abgebaut. Ob nicht irgendwo entlang der Lieferkette legal und illegal abgebautes Gold, solches aus problematischen und eher unproblematischeren Quellen vermengt wurde, lässt sich kaum ausschließen. Und ist das Gold einmal raffiniert, lässt sich der geografische Ursprung nicht mehr nachweisen, sämtliche Spuren wurden „weggewaschen“. „Wenn man Gold nicht direkt von der Mine bezieht, ist es am Ende unmöglich nachzuvollziehen, woher das Gold kommt“, so Ummel.

Jürgen Heraeus, Eigentümer der Raffinerie Argor-Heraeus, erklärte in einem Interview, aus dem der Jurist und Antikorruptionsexperte Mark Pieth in seinem 2019 erschienen Buch „Goldwäsche“ zitiert, einst selbst: „Es gibt keine Möglichkeit in dieser Branche, sauberes Gold zu raffinieren“. „Man kann oder will es sich einfach nicht leisten, der Frage nachzugehen, woher das Gold tatsächlich kommt“, bekräftigt Pieth im Gespräch mit der WZ. Und selbst wenn man wisse, aus welcher Mine das Gold stammt, „kennt man die Umstände am Ursprungsort nicht wirklich“.

Münze Österreich: Vorwürfe gegen Argor-Heraeus unbegründet

Wenn es mutmaßlich unmöglich ist, den Ursprung des Goldes zu kennen – wie kann die Münze Österreich behaupten, es verstehe sich „von selbst“, dass ihr Gold aus unproblematischen Quellen stamme?

Auch die Münze Österreich gibt sich auf Nachfrage wortkarg. Die Vorwürfe gegenüber Argor-Heraeus seien bekannt, aus ihrer Sicht jedoch unbegründet. Da die Raffinerie LBMA-zertifiziert ist, vertraue man auf die Einhaltung sämtlicher Standards. „Im Erachten der Münze Österreich“ ist die „Good Delivery List“ der LBMA „die weltweit anerkannteste Zertifizierung in Bezug auf hochwertige Goldbeschaffung“. Vom Hinweis, dass die LBMA-Standards derzeit nicht den EU-Anforderungen genügen, zeigt sich das Unternehmen unbeeindruckt. Einsicht in die detaillierten Prüfberichte der LBMA habe man keine, dies sei „generell nicht üblich“.

Giftige Stabilität

Letztlich beruht das öffentlich geäußerte Versprechen vom sauberen Gold also auf einem Zertifikat, das Expert:innen, NGOs und die EU als unzureichend einstufen und dessen genaue Verfahren die wenigsten kennen. Dennoch behauptet die Münze Österreich, die ökologisch und ethisch einwandfreie Herkunft ihres Goldes verstehe sich „von selbst“.

Für eine Branche, die sich regelmäßig mit Vorwürfen wie Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Umweltzerstörung und der Unterstützung der organisierten Kriminalität auseinandersetzen muss, ist das mindestens eine gewagte These.

Auch auf die Wirksamkeit der EU-Konfliktmineralienverordnung wirft das kein gutes Licht. Denn solange die Geschäftspraxen Schweizer Raffinerien dem Steuergeheimnis unterliegen, ist es für EU-Unternehmen, die aus der Schweiz importieren unmöglich, sich an die Vorgaben der Verordnung zu halten – selbst, wenn sie wollten, können sie ihre Lieferkette nicht lückenlos benennen.

Karin Küblböck, Ökonomin der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung und Autorin des Berichts über die „Umsetzung der EU-Konfliktmineraleverordnung in Österreich“, weist noch auf ein viel grundlegenderes Problem hin: „Goldabbau ist niemals unproblematisch, egal, wo es herkommt. Beim Goldabbau werden oft ganze Landstriche zerstört, Menschen vertrieben, Flüsse mit Quecksilber verseucht“. Und wozu? Damit es am Ende der Lieferkette tonnenweise als „Symbol für Stabilität“ in Kellern von Nationalbanken lagert.


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Infos und Quellen

Genese

„Die Münze Österreich sollte man sich auch mal genauer anschauen“, hatte irgendwer irgendwann mal zu WZ-Autor Johannes Greß gesagt. Das Thema wurde notiert, vergessen und mit dem Gold-Hype der vergangenen Monate wieder erinnert. Da die Branche intransparent, komplex und undurchsichtig ist, und gesicherte Infos oft rar sind, gestaltete sich die Recherche langwieriger und komplizierter als gedacht…

Gesprächspartner:innen

  • Mark Pieth, Rechtswissenschafter und Antikorruptionsexperte, von 1989 bis 2013 Vorsitzender der OECD-Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Korruption, und Autor des Buchs „Goldwäsche. Die schmutzigen Geheimnisse des Goldhandels“.
  • Karin Küblböck, Ökonomin der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) mit den Forschungsschwerpunkten Rohstoffpolitik, Internationaler Handel und Investitionspolitik
  • Magdalena Pupp, Referentin in der Abteilung Mineralrohstoffpolitik des Bundesministeriums für Finanzen
  • Das Schweizer Recherche-Kollektiv WAV, das sich in der Vergangenheit viel mit dem Schweizer Goldhandel auseinandergesetzt hat
  • Marc Ummel, Rohstoffexperte bei der NGO Swissaid, die seit Jahren einen kritischen Blick auf Goldgeschäfte wirft
  • Christoph Wiedmer, war 18 Jahre lang Co-Geschäftsleiter der „Gesellschaft für bedrohte Völker“
  • Birgit Meyer, Ökonomin am Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo
  • Harald Gross, Experte für Waldschutz bei Greenpeace Deutschland

Daten und Fakten

  • Laut Schätzungen werden im Schnitt 50 Prozent des gewonnenen Goldes zu Schmuck verarbeitet, 20 Prozent dient Investitionszwecken, 17 Prozent dienen als Währungsreserven, der Rest wird zu industriellen Zwecken verarbeitet.
  • Weltweit werden jährlich ca. 4.500 Tonnen Gold verarbeitet, bei einem aktuellen Kilopreis von ca. 94.500 Euro entspricht das einem Wert von über 425 Milliarden Euro.
  • Die Schweiz ist der zentrale Player im globalen Goldmarkt, 50 bis 70 Prozent des weltweiten Goldes werden hier verarbeitet – wie viel genau, weiß niemand, präzise Statistiken sind im Goldgeschäft selten.
  • Das „OECD Supplement on Gold“ legt die Sorgfaltspflichten in der Goldproduktion fest. Es gilt als wichtigstes Dokument, ist rechtlich jedoch nicht verbindlich. Die EU-Verordnung 2017/821, die Sorgfaltspflichtverordnung für Konfliktmineralien, ist eng an die OECD-Richtlinien angelehnt, verpflichtet die Mitgliedsstaaten jedoch dazu, die Sorgfaltspflichten in nationales Recht zu überführen.
  • Argor-Heraeus sitzt im Schweizer Kanton Tessin und befindet sich seit 2017 vollständig im Besitz des deutschen Familienunternehmens Heraeus. Bis April 2017 hielt die Münze Österreich 30 Prozent an der Schweizer Raffinerie.
  • Die Münze Österreich ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Oesterreichischen Nationalbank und ist neben der Herstellung von Sammlermünzen und Barren auch für die Prägung der österreichischen Euromünzen verantwortlich. 2024 erzielte die Münze Österreich einen Umsatz von gut 1,35 Milliarden Euro und einen Gewinn von knapp 47 Millionen Euro.

Quellen

Das Thema in den Medien

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