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Müssen wir uns um Österreichs Bonität Sorgen machen?

3 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Die Ratingagentur Moody’s hat einen negativen Ausblick für die Republik Österreich veröffentlicht. Er ist ein weiterer Indikator dafür, dass das Schuldenproblem noch lange nicht gelöst ist.


    • Moody’s stuft Österreichs Bonitätsausblick wegen langsamer Budgetsanierung und steigender Verschuldung auf negativ herab.
    • Trotz negativem Ausblick behält Österreich mit „Aa1“ eine sehr hohe Kreditwürdigkeit, was aber höhere Zinskosten bedeutet.
    • Die Regierung muss rasch Konsolidierungsmaßnahmen umsetzen, um eine tatsächliche Herabstufung zu vermeiden.
    • Moody’s stuft Österreichs Bonitätsausblick ab August 2025 als negativ ein.
    • Defizitquote 2023: 4,7 % des BIP, 2024 voraussichtlich 4,5 %.
    • Zinsausgaben 2023: 5,7 Mrd. Euro, 2024: 7,3 Mrd. Euro.
    • Kreditrating bleibt "Aa1" (zweithöchste Stufe), Ausblick aber negativ.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Was haben Mexiko, Thailand und Österreich gemeinsam? Die Ratingagentur Moody’s stuft den Ausblick aller drei Staaten im Hinblick auf die Bonität als negativ ein. Während Mexiko und Thailand diese Einstufung bereits vor einiger Zeit erhalten haben, trifft sie Österreich erst Ende August 2025. Doch wie tragisch ist diese Bewertung?

Langsame Finanzpolitik und Wirtschaftsflaute

Österreich hat – noch immer – ein Schuldenproblem. Im Juli hat die Europäische Union wie erwartet ein Defizitverfahren gegen den Mitgliedsstaat eingeleitet. Grund dafür ist, dass die Defizitquote mit 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts über der 3-Prozent-Grenze der EU lag und auch im aktuellen Jahr voraussichtlich bei 4,5 Prozent liegen wird. Bis 2028 will die Regierung den EU-Richtwert wieder erreichen und muss in dieser Zeit das Staatsbudget entsprechend sanieren.

Wie der EU scheint aber auch Moody’s diese Budgetsanierung zu langsam voranzugehen. Die Agentur hat den Ausblick von stabil auf negativ herabgesetzt. Sie befürchtet eine geringe Wirksamkeit der Finanzpolitik und dass die Staatsverschuldung in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Kurz gesagt: Die Politik habe noch nicht genug getan, um den Abwärtstrend aufzuhalten.

Hinzu kommen aber auch andere Risikofaktoren: Da die Wirtschaft auch dieses Jahr schrumpfen wird, könnte der Staat weniger Einnahmen generieren. Auch die neue Handelspolitik des zweitwichtigsten Handelspartners Österreichs, der USA, und die demografische Entwicklung könnten sich negativ auswirken. Doch was bedeuten ein negativer Ausblick und die Bonität überhaupt genau?

Was das Rating und der Ausblick bedeuten

Moody’s und andere internationale Ratingagenturen bewerten die Bonität – also die Kreditwürdigkeit – von Unternehmen und Staaten. Diese gibt Auskunft darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Land seine Schulden zurückzahlen kann. Wie bei Privatpersonen gilt: Je schlechter die Bonität, desto höher fallen die Zinsen aus – im Falle von Staaten bei Anleihen. Das bedeutet, dass die Finanzierung der Schulden für den Staat noch teurer wird. Die gute Nachricht: Österreich hat laut Moody’s noch immer das Kreditrating „Aa1“, die zweithöchste Stufe, und damit eine sehr hohe Bonität. Dass der Ausblick von stabil auf negativ herabgesetzt wurde, bedeutet, dass es in Zukunft zu einer Herabstufung der Bonität kommen könnte.

Zusätzliche Belastung durch Zinsen

Höhere Zinsen erschweren somit die Budgetsanierung. Bereits im vergangenen Jahr beliefen sich die Ausgaben für Zinsen auf 7,3 Milliarden Euro. 2023 waren es noch 5,7 Milliarden Euro. Das heißt, Österreichs Ausgabenproblem könnte noch weiterwachsen. Doch Moody’s erklärt in seiner Mitteilung auch, wie sich der Ausblick wieder auf „stabil“ setzen ließe: Dazu müsse die Regierung erfolgreich Konsolidierungsmaßnahmen umsetzen, die Staatsverschuldung stabilisieren und dem Abwärtstrend der Wirtschaftsleistung entgegenwirken. SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer beruhigt auf der Plattform Bluesky: „Ich bin zuversichtlich, dass uns die Budgetsanierung gelingt.“

Österreich hat also – im Gegensatz zu Thailand und Mexiko – eine noch sehr hohe Bonität. Der negative Ausblick ist also im ersten Schritt nicht so tragisch, da es sich noch nicht um eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit handelt. Er ist aber vielmehr ein Weckruf für die Regierung, Maßnahmen für die Budgetsanierung rasch umzusetzen. Die Republik bekam zuletzt im Oktober 2015 einen negativen Ausblick von Moody’s, im Juni 2016 stufte die Agentur das Rating dann von der höchsten Stufe „AAA“ auf „Aa1“ herab.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Die Ratingagentur Moody’s gibt der Republik Österreich im August 2025 einen negativen Ausblick, da das Risiko für eine schlechtere Bonität erhöht sei.
  • Moody’s stufte die Kreditwürdigkeit von Österreich zuletzt im Jahr 2016 herab.
  • Der Ausblick könnte wieder auf „stabil“ steigen, wenn die Regierung die Konsolidierungsmaßnahmen vorantreibt.

Quellen

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